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Samsung Gear Fit 2 und IconX im Test: Rückschritt

Zwei neue Wearables aus dem Hause Samsung versuchen mehrere Disziplinen miteinander zu verknüpfen. Genauer: Das Fitnessarmband Gear Fit 2 wäre gerne auch eine Smartwatch und die IconX [ˈaikɒnɪks] gerne Bluetooth-Kopfhörer sowie Fitnesstracker. Was dabei herauskommt? Die Frankensteins der tragbaren Sensoren.

„Coole“ Youtuber nennen das, was jetzt hier als geschriebener Text folgt „Rant“. Das kommt natürlich aus dem Englischen und heißt übersetzt schimpfen, poltern oder auch irrereden, was wiederrum auch mit „rave“ übersetzt werden kann. Dabei hab ich immer gedacht, dass „raven“ irretanzen ist - wir wollen uns darin jetzt aber nicht verlieren! Ich muss also mit Samsung schimpfen, aber werde einen essentiellen Punkt eines Rant-Youtube-Videos nicht befolgen: Am Ende werde ich nicht sagen, dass ich Samsung doch eigentlich so sehr liebe und mich bitte keiner allzu ernst nehmen soll. Denn ich schreibe hier für ein unabhängiges Verbraucherportal, und stehe eben nicht als verlängerter Arm des Marketings vor einer Kamera.

 

Scheiß‘ auf Android Wear! Wir nehmen Bada!

 

In unserem Glossar steht: „Handy-Hersteller Samsung bot mit Bada ein eigenes Betriebssystem an. Dieses ist, ähnlich wie Android, lizenzfrei und steht interessierten Entwicklern zur Verfügung. Der Nachfolger des mittlerweile eingestellten Bada heißt Tizen.“ Also läuft auf der Gear Fit 2 Tizen. Um eine Verbindung zu einem Smartphone herzustellen gibt es im Play-Store eine Anwendungen für Android, damit das Fitnessarmband mit dem Handy kommunizieren kann. Das ist innerhalb dieses schrecklichen Versuchs, sein eigenes kleines Betriebssystem in den Markt zu drücken, ein Fortschritt, weil der Vorgänger Gear Fit nur mit Samsung-Mobiltelefonen kompatibel war. Apple-Nutzer fischen im Trüben.

 

Tizen ist auch auf neuen Smart-TVs der Südkoreaner installiert. Die Taktik erinnert an Apple, mit dem Versuch uns in ihrem Garten einzusperren, die Mauern hochzuziehen und eine Flucht mit großen Anstrengungen zu verbinden – herzlich willkommen im „Walled Garden“. Wir denken jetzt mal an die zwei zentrale Punkte in der Welt der smarten Telefone, die man auch bei Microsoft mit WindowsPhone mal ruhig auf eine Flip-Chart hätte schreiben sollen: Kompatibilität und Apps.

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Was der Hersteller nicht möchte, ist, dass wir wechseln. Statt das mit Qualität zu erreichen, macht er es der Hexe aus Hänsel und Gretel nach, lockt uns in sein Lebkuchenhaus und sperrt uns ein. Der Wunschtraum ist doch, dass es egal ist, welches Handy und Betriebssystem man nutzt - Beispiel: Ich kaufe mir einen Porsche. Der unterstützt nur Apple CarPlay und nicht Android Auto. Also muss ich mir ein iPhone kaufen, obwohl mein Vertrag mit Samsung Galaxy S7 Edge noch 22 Monate läuft, wenn ich mein Handy in das Infotainment-System meines Autos einbinden will. Genauso kann es einem bei Smart Home oder Smart TVs gehen – die dann wirklich nicht verdienet haben, ein Synonym für „clever“ im Namen zu tragen.

 

Der Rundumschlag

 

Zweitens haben wir den noch wichtigeren Punkt „Apps“. In dieser Kategorie hat WindowsPhone so erbärmlich versagt, dass ich mich mittlerweile fremdschäme. Der Software-Konzern schlechthin, das Synonym für PC, mit so viel Geld, aber viel zu träge und ohne Innovationsgeist. Mal schauen ob der Herr Nadella das noch mit Windows 10 umgedreht bekommt. Denn Apps werden von Entwicklern programmiert, die damit in der Regel Geld verdienen wollen, so wie wir alle hoffentlich für unsere Arbeit bezahlt werden.

 

Je größer eine Plattform ist, desto mehr Menschen kann ich dort erreichen und vielleicht zum Download meiner Anwendung bewegen. Die größte Plattform ist Android von Google. Apple ist mit iOS zwar kleiner, aber die hochpreisigen Geräte versprechen eine zahlungskräftige Kundschaft, weswegen sich hier auch der Aufwand lohnen kann. Neben den Platzhirschen war kaum noch Raum für andere. Deswegen gab es auch kaum Apps für WindowsPhone und schon gar nicht für Bada oder eben Tizen.

 

Samsung Gear Fit 2

 

Das Fitessarmband hat einen gebogenen Bildschirm und Gehäuse, das so die Rundung des Arms aufnimmt und sich anschmiegsam tragen lässt. Das ist auch notwendig, weil der optische Pulsmesser auf der Innenseite Hautkontakt haben muss. Mit einer Breite von etwa 2,5 Zentimetern ist das Armband nicht so präsent wie eine Smartwatch, allerdings mit einem Zentimeter nahezu genauso dick. Als Schlaftracker ist die Gear Fit 2 damit nicht geeignet. Dafür fehlen ihr aber auch einige Software-Talente und ein langlebiger Akku. Schlafphasen lassen sich damit zwar erkennen, aber ein sich darauf einstellender, cleverer Wecker oder Tipps erhält der Träger nicht. Der Akku hält etwa zwei Tage, sodass man eher dazu neigt, den Ladevorgang auf jede Nacht zu legen. Zu sehen sind die gesammelten Daten in der S-Health App, der Gesundheits-Anwendung von Samsung.

 

Das Abenteuer „Kompatibilität und Apps“

 

Die Gear-App wird gebraucht, um eine Verbindung zwischen Armband und Mobiltelefon herzustellen. Diese Anwendung ist auf den aktuellen Samsung Galaxy Smartphones schon vorinstalliert. Alle anderen müssen apps.samsung.com/gear besuchen, um den Download zu starten. iPhone Nutzer gehen leer, aus, denn man landet im Play-Store von Google. Hier kann es dann passieren, dass dort steht: „Dein Gerät ist nicht mit dieser Version kompatibel.“ – tja, Pech gehabt. Alle anderen laden eine App mit einer Bewertung von 2,9 Sternen herunter – das ist in etwa so gut, wie eine Taschenlampen App, die mir irrsinnigerweise einen Laser verspricht.

 

Jetzt muss noch das passende Plugin ebenfalls aus dem Play-Store nachgeladen werden. Dann hat man die App komplettiert, um sein Wearable zu managen. Also die Ziffernblätter zu ändern, wie Benachrichtigungen aussehen sollen, wie die vom Handgelenk aus startbaren Apps angeordnet sein sollen, um Musik zu speichern, noch ein paar tiefgehendere Einstellungen und die Option zum „Sichern und Wiederherstellen“. Wirklich gut gelöst sind die Benachrichtigungen am Handgelenk. Denn alle gängigen Apps werden unterstützt und man kann mit vorgefertigten Texten und Emojis direkt antworten, ohne dass Smartphone in die Hand nehmen zu müssen. Längere eingegangen Textnachrichten werden allerdings abgeschnitten. Langes Lesen auf 1,5 Zoll macht sowieso keinen Spaß. Die Nachrichten können nicht vorgelesen werden oder per Sprachnachricht beantwortet werden, mangels Lautsprecher und Mikrofon.

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Vom Handgelenk aus können Apps gestartet werden – die Samsung dafür im Galaxy-Store bereitstellt. Und das sind hauptsächlich Eigenentwicklungen. Fitness-Apps von bekannten Drittanbietern? Fehlanzeige! Man kann zwar den Datenaustausch zwischen S-Health und Fitbit, Jawbone, Microsoft, Misfit sowie Runkeeper erlauben, aber Endomodo oder Runtastic bleiben genauso außen vor, wie die Plattform Google Fit. Somit funktioniert das Tracking der Aktivität, der Strecke und des Pulses ohne Verbindung zum Smartphone nur im Samsung-Kosmos. So lassen sich der Gear Fit 2 vorerst keine weiteren Bewegungsabläufe beibringen, der Nutzer ist auf Samsung angewiesen. Zum Beispiel kann man mit dem Armband kein Schwimmen aufzeichnen, obwohl es IP68 zertifiziert ist, Fahrradfahren erkennt es hingegen zuverlässig und automatisch.

 

Spotify oder andere Musik-Streaming-Dienste am Handgelenk nutzen? Geht nicht! Vielleicht kommt Spotify noch, denn in den USA gibt es eine App im Galaxy-Store, aber bisher muss man in Deutschland darauf verzichten. Es sieht auch so aus, als handele es sich lediglich um die Steuerung von Spotify am Handgelenk, sodass die Nutzung ohne mitführen des Smartphones nicht funktioniert. Wer noch mp3-Dateien nutzt, der kann diese mit der Gear-App auf den internen Speicher der Fit2 kopieren. Um diese hören zu können, braucht es noch Bluetooth-Kopfhörer, die sich mit dem Fitnessarmband verbinden lassen.

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Warum um Gottes Willen Tizen? Es ist zu befürchten, dass, auch wenn Samsung der größte Smartphone-Hersteller der Welt ist, nicht Heerscharen von Entwicklern nun ihre Anwendungen für Tizen anpassen. Also bleibt die Arbeit an den Südkoreanern hängen. Dabei will der Verbraucher doch offene Plattformen, selbst Apple öffnet sich, warum zieht man bei Samsung das Tor zu? Es wäre übrigens ganz hervorragend, wenn die Gear Fit 2 die Touch-Gesten auch mit verschwitzten Händen erkennen würde – soll beim Sport ja vorkommen, dieses transpirieren. Experiment „Eierlegende Wollmilchsau“ ist schiefgegangen.

 

Samsung Gear IconX

 

Auf dieses Produkt habe ich mich tatsächlich gefreut. Ich habe das erfolgreiche Crowdfunding der komplett drahtlosen Ohrstecker „The Dash“ von Bragi beobachtet und bin gespannt auf „Pilot“, einem Ohrstöpsel, der ohne Verzögerung Fremdsprachen übersetzen soll. Diese winzigen Geräte zeigen auf eindrucksvolle Art, wie viel Technik wir auf kleinstem Raum bereits unterbringen können.

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Die Gear IconX wollen das Smartphone beim Sport überflüssig machen, wenn man dabei gerne Musik hört. Telefonieren kann man damit auch, aber dafür muss das Smartphone natürlich gekoppelt sein. Das braucht es erst nicht mehr, wenn die Verbreitung der eSIM weiter voranschreitet und auch solche Gadgets eine Mobilfunkverbindung herstellen können – das Internet der Dinge (IoT) lässt grüßen.

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Die Einrichtung der IconX erfolgt ebenfalls, wie die der Fit 2, über die Gear-App mit dem oben beschriebenen Problempotenzial. Auf meinem Samsung Galaxy S6 Edge funktionierte die Anbindung allerdings ohne Schwierigkeiten. Danach hieß es erstmal: „Willkommen im Jahr 2000“. Denn Updates empfangen die kleinen Ohrstecker nur über einen Computer, auf dem der IconX-PC-Manager installiert sein muss. Auf diesem Wege wird auch die Musik auf den 3,51 Gigabyte großen Speicher übertragen. Oder mithilfe eines mitgelieferten Adapters, den wir schon vom Datenumzug von einem anderen Handy auf das Samsung Galaxy S7 kennen, und der ebenfalls eine Kabelverbindung benötigt.

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Also Software auf dem Computer installieren, handelsübliches USB auf Micro-USB Kabel in den PC stecken und dann mit der Ladeschale der IconX verbinden. In dieser kleinen Schachtel ist außerdem ein Akku integriert. So können die beiden Ohrstecker nicht nur geschützt transportiert werden, sondern auch aufgeladen – das ist auch ständig nötig.

 

Die Odyssee mit den IconX

 

Die Akkus machen viel zu schnell schlapp! Eine Stunde Joggen und Musik-Streaming haben sie bei mir geschafft. Es mag sein, dass sie eine halbe Stunde länger halten, wenn keine Funk-Verbindung zum Handy besteht, um die Musik von dort wiederzugeben, weil sie vorher auf den Ohrstöpseln gespeichert wurde. Aber wie viele technikaffine Käufer der IconX, die 229 Euro ausgeben, haben ihre Musik noch in mp3-Dateien gespeichert?

© Screenshot

Wer auf sein Datenvolumen Acht gibt und Musik-Streaming-Dienste nutzt, der macht die Titel in der Regel offline verfügbar und lädt sie in einem Format herunter, das nur die App des Musikportals abspielen kann. Die IconX können das nicht. Damit steht das „X“ im Namen dieser In-Ear-Kopfhörer wohl für die Generation, die angesprochen werden soll, also Baujahr 1965-1980. Nochmal zum Akku: Ausdauersportler oder Menschen, die ihre 10 Kilometer Laufstrecke eher entspannt angehen, stoßen an die Grenzen der Akkukapazität, die erst nach einem anderthalb-stündigen Ladevorgang wieder aufgefüllt ist.

 

Zum sportlichen Teil der Übung innerhalb einer Stunde

 

Die IconX werden mit Fähnchen, die den Stecker in der Ohrmuschel halten, und Gummistöpseln für den Gehörgang, ebenfalls in drei verschiedenen Größen, an das jeweilige Ohr angepasst. Danach sitzen die Kopfhörer fest, ohne dass man Angst hat sie zu verlieren. In der App wird ein Haupthörer ausgewählt, also der Rechte oder Linke, an dem dann auch die Steuerung über eine berührungsempfindliche Fläche erfolgt. Im Ohr eingesetzt verbinden sich die Ohrstöpsel automatisch.

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Durch einfaches Tippen auf einen der Kopfhörer wird die Wiedergabe eines Titels gestartet oder angehalten. Zweimal tippen lässt den nächsten Song wiedergaben oder einen Anruf annehmen und beenden. Dreimaliges berühren sorgt für die Wiedergabe des vorangegangenen Liedes, durch auf- und abstreichen wird die Lautstärke reguliert. Verweilt man mit dem Finger auf dem Touchpad, kommt man ins Menü oder weist einen Anruf ab. Im Menü werden dann einzelne Funktionen vorgelesen: Dazu gehört das Starten eines Trainings und der Umgebungsgeräuschmodus.

 

Ich starte ein Training und die Musikwiedergabe und beginne zu joggen. Immer wenn ich einen Kilometer passiere, teilt mir eine Stimme im Ohr Geschwindigkeit, Distanz, Dauer, Puls und Kalorienverbrauch mit. Diese Daten kann ich am Ende auch an die S-Health App von Samsung übertragen. Wenn ich das Lied wechseln möchte, schauen mich Passanten irritiert an, die sehen, wie ich an meinem Ohr herumtippe. Das Schicksal der Pioniere, die in der Geschichte stets belächelt, oder gar für verrückt gehalten wurden. Da ich mein Handy mit mir führe, werden mir eingehende Benachrichtigungen vorgelesen. In der Gear-App lässt sich einstellen, für welche Anwendungen man diese Funktion wünscht. Ich erfahre nun wer mir bei Whatsapp geschrieben hat und bekomme die Eilmeldung: „450 000 Gummis für die Athleten“.

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Die Ohrstöpsel schirmen mich komplett von der Außenwelt ab. Ich laufe neben einer Autobahn, wo mich ein 40-Tonner überholt – ein sanfter Luftzug und ein entferntes Rauschen erfassen mich. Mehr nicht. Also wechsle ich in das Menü, um den Umgebungsgeräuschmodus zu aktivieren. Hierbei wird das Mikrofon, das sonst zum Telefonieren genutzt wird, hinzugeschaltet, damit ich mein Umfeld oder den Straßenverkehr wahrnehme. Ein ohrenbetäubendes Rauschen beginnt, ich höre die Musik nur noch entfernt, die Umwelt ist mit IconX lauter als ohne und hört sich grässlich an. Die Audioqualität bei der Musikwiedergabe ist übrigens auch nur mittelmäßig, insbesondere Bässe werden vermisst.

 

Also schnell die Lautstärke herunterregeln, das nächste Lied wird abgespielt. Nächster Versuch: Ich streiche mit meinen verschwitzten Händen von oben nach unten, die Musik stoppt, ich höre nur noch das Rauschen. Ich muss nun stehen bleiben, versuche wieder Herr über meine Cyborg-Ohren zu werden, ich gelange wieder ins Menü: „Ihr Training wurde beendet“, warum das denn jetzt? Es rauscht weiter. „Nur noch 5% Akkuladung“, entnervt lasse ich die IconX in meiner Hosentasche verschwinden. Samsung hat Kopfhörer für Sportler gebaut, die sich nicht mit verschwitzten Fingern bedienen lassen… Ende.

 

Jérôme Lefèvre / Redaktion handytarife.de



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