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Funkloch

Zero-Rating: Die Nullen sitzen bei Telekom und Vodafone

Mal ehrlich… Wollen die Deutsche Telekom und Vodafone ein Zwei-Klassen-Internet erschaffen? Ein Internet im Internet, um in Deutschland weiterhin abkassieren zu können? StreamOn der Telekom und nun auch der Vodafone Pass sind Ausdruck für eine Verweigerungshaltung gegenüber der Digitalisierung. 

Bei StreamOn und Vodafone Pass handelt es sich um sogenanntes Zero-Rating-Angebote. Durch das Hinzubuchen dieser Optionen werden einzelne Online-Plattformen nicht mehr vom im Mobilfunkvertrag inkludierten Datenvolumen abgerechnet. Je nachdem ob sich der Dienst bei dem Mobilfunkanbieter registriert hat, ist es zum Beispiel möglich Netflix, Amazon Music, YouTube, Spotify, Deezer, ARD und ZDF unterwegs zu nutzen, ohne dass der Konsum das Inklusivvolumen reduziert.

 

StreamOn von der Telekom gibt es seit Anfang April 2017 und wird auch in etwa seitdem von der Bundesnetzagentur geprüft. Vodafone hat angekündigt, ab dem 26. Oktober ausgewählte Tarife mit einem sogenannten Pass auszustatten, der es ermöglicht Messenger-Apps, Soziale Netzwerke, Musik- oder Video-Streaming zu nutzen, ohne dass dabei Datenvolumen verbraucht wird.

 

Streaming nur in DVD-Qualität

 

Während die Datenraten bei Text- und Bild-Dateien überschaubar sind, verzehren besonders Video- und Musik-Streaming immer mehr Datenvolumen. T-Mobile in den USA reduzierte mit seiner Option „BingeOn“ als erster Mobilfunkbetreiber die Übertragungsqualität aller Video-Streams auf 480p – das ist in etwa die Qualität einer DVD, deren Verbreitung um die Jahrtausendwende begann.

 

Diese Auflösung hinkt heutigen Gepflogenheiten weit hinterher, denn selbst die Displays günstigste Smartphone lösen mittlerweile mit 720p in HD auf, in der Mittelklasse ist FullHD Pflicht und QuadHD bis hin zu 4K gibt es in der Oberklasse. Dafür nehmen die Kameras von Premium-Handys nicht nur in dieser Qualität auf, Amazon, Netflix, Youtube etc. bieten Videos in UltraHD auch zum Abruf an.

 

Auch in Deutschland reduziert die Telekom alle Videos auf diese niedrige Qualitätsstufe. Wenn sich Video-Dienste zusätzlich bei der Telekom anmelden und einen Vertrag mit ihr schließen, dann profitieren sie vom Zero-Rating, sodass kein Megabyte vom Datenvolumen des Kunden abgezogen wird. Vodafone scheint ähnlichen vorzugehen.

 

Zunächst erweckt diese Entwicklung den Eindruck, für den Kunden von Vorteil zu sein. Nur wenige können von sich behaupten, dass die noch nie eine SMS von ihrem Provider bekommen haben, die ihnen die „Drosselung“ ankündigte und den Funktionsumfang des Smartphones ohne nennenswerte Internetverbindung auf ein "Stupidphone" reduzierte.

 

Also sollten nun alle zur Telekom oder Ende Oktober zu Vodafone wechseln?

 

Die Telekom schreibt zu StreamOn in ihren AGB „Die Option kann jederzeit ohne Einhaltung einer Frist gekündigt werden.“ Und hat sich damit abgesichert, denn die Bundesnetzagentur prüft, ob diese Option überhaupt erlaubt ist. Die Aufsichtsbehörde nimmt auch das Angebot von Vodafone unter die Lupe und sollte sie gegen die beiden Mobilfunkbetreiber entscheiden, dann hat der Kunde leider kein Sonderkündigungsrecht, obwohl er sich vielleicht gerade wegen dieser Option für einen Laufzeitvertrag entschieden hat.

 

Wettbewerbshüter, Verbraucherschützer und Politiker stellen sich die wichtige Frage, ob Zero-Rating die Netzneutralität gefährdet. Werden wirklich alle legalen Online-Dienste in die Programme der Telekom und Vodafone per Antrag aufgenommen? Welche Daten müssen sie dafür mit den Mobilfunkanbietern teilen? Werden andere Betreiber von den einhergehenden Bedingungen abgeschreckt?

 

So verlangt die Telekom, dass die Dienste Änderungen vier Wochen vorab ankündigen müssen und schreibt eine mögliche Vertragsstrafe von 50.000 Euro fest. Schreckt das agile, junge, kleine Unternehmen eher ab? Der Teilnahmeprozess ist außerdem für beide Seiten ausgesprochen ressourcenbindend: Die Anbieter-Liste von handytarife.de zählt derzeit 61 Provider. Führen die nun alle ihre eigene Zero-Rating-Option ein? Muss sich ein neuer Streaming-Dienst nun bei allen diesen Providern anmelden? Und das in jedem Land? Wie viele Anmeldungen müssen die Anbieter wohl bearbeiten, wenn sämtliche internationalen Video-Plattformen, Podcasts und Radio-Stationen gelistet werden wollen?

 

Zero-Rating: ein klares Statement gegen den Netzausbau

 

Statt mit mehr Datenvolumen zur europäischen Konkurrenz aufzuschließen, wird ein Angebot geschaffen, das nur in Deutschland zur Verfügung steht, denn die Optionen gelten nicht im EU-Ausland, kein Roam-like-at-home bei StreamOn und Vodafone Pass. Und hier will die britische Vodafone aufspringen? Eine zusammenrückende Europäische Union mit einheitlichem Roaming interessiert in Großbritannien seit dem Brexit wohl nicht mehr so viele. Hier startete Vodafone mit der Marke VOXI übrigens eine Zero-Rating-Option für junge Leute – Brot und Spiele, um den Austritt vergessen zu machen?

 

Die Telekom reduziert die Downloadrate bei StreamOn auf 1,7 Mbit/s. Willkommen im digitalen Mittelalter! Sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu beschränken und damit jegliche Innovationskraft im Keim zu ersticken hat den Kommunismus zu Fall gebracht. Was passiert mit der Deutschen Telekom und Vodafone? Sie stemmen sich gegen den Wegfall der Volumengrenze des mobilen Internets und versucht mit Zero-Rating Zeit zu schinden, den Kunden für blöd zu verkaufen und erschaffen damit ein Zwei-Klassen-Internet. Was uns als Innovation verkauft wird, bedeutet in Wirklichkeit Rückschritt – mehr noch – eine Verweigerung gegenüber dem Fortschritt und eine Ohrfeige für all diejenigen, die glaubten, dass niedrigere Lizenzgebühren für die LTE-Frequenzen den Netzausbau beflügeln würden.

 

Kein Klein-Klein bei der Infrastruktur

 

Eigentlich müsste die Deutsche Telekom eine Führungsrolle übernehmen, um Deutschland fit für die Zukunft zu machen. Schließlich schlummern nicht nur in den Aktiendepots einiger Kleinanleger noch T-Aktien, dem Bund – also uns Steuerzahlern – gehören immer noch 31,9 Prozent des ehemaligen Staatskonzerns.  Deutschland muss eine Grundsatzentscheidung fällen, nicht nur für den Erhalt der Netzneutralität, auch für seine eigne Zukunftsfähigkeit.

 

Sämtliche umfassende Infrastrukturprojekte, an denen jeder Bürger partizipieren konnte, waren staatlich organisiert. Sei es die Abwasserentsorgung im 19. Jahrhundert, die öffentlichen Netze zur Stromversorgung des 20. Jahrhunderts, der Ausbau des Telefonnetzes durch die Bundespost bis in die 70er Jahre und auch die Autobahnen waren und sind zum großen Teil noch heute Infrastrukturprojekte des Staates.

 

Der Aufbau des Schienennetzes in den USA und in Deutschland hat hingegen die Grenzen der privatwirtschaftlichen Organisation aufgezeigt. Während das Eisenbahnwesen in Deutschland letztendlich verstaatlicht wurde, um es rationalisiert weiterzuführen, sind in den USA zwar einige wenige mit ihren Strecken reich geworden, aber ein flächendeckendes Netz zur Personenbeförderung gibt es dort bis heute nicht.

 

Privat wurde nur dort gebaut, wo mit Profit gerechnet wurde. Eine solche Entwicklung droht uns nun auch beim Glasfasernetz. Mehrere Anbieter verlegen ihre eigenen Kabel in Ballungszentren, wo sie sich Gewinne ausrechnen. Ländliche Regionen gucken in die (Leer-) Röhre. Und Verzweifelte Kommunen versuchen mit zweifelhaften Sale-and-lease-back-Verfahren nicht ins Hintertreffen zu gelangen.

 

So wird die Gesellschaft in zwei Klassen geteilt, abhängig davon, wie gut sie an die digitale Infrastruktur angeschlossen sind. Die Telekom und Vodafone geben nur denjenigen Zero-Rating-Optionen, die bereit sind für ihren Mobilfunkvertrag ohne Smartphone mindestens rund 35 Euro im Monat zu bezahlen, wobei ihnen für alle nicht teilnehmenden Dienste dann 2 Gigabyte zur Verfügung stehen.

 

Verivox hat im Frühjahr ermittelt, dass es für unter 20 Euro im Monat in Italien 30 Gigabyte und in Frankreich 100 Gigabyte gibt. Der finnische Mobilfunkanbieter Rewheel listet auf, dass es in Irland, der Schweiz, Finnland, Litauen, Holland, Estland, Kroatien, Tschechien, Lettland und Dänemark für unter 30 Euro unlimitierte Internet-Flatrates für die mobile Nutzung gibt.

 

“Als Gigabit Company treibt Vodafone den Infrastruktur-Ausbau in Deutschland federführend voran: Mit immer schnelleren Netzen ebnen die Düsseldorfer Deutschland den Weg in die Gigabit-Gesellschaft – ob im Festnetz oder im Mobilfunk.“ (Portrait Vodafone Deutschland)

 

„Die Telekom will ihren Kunden immer die beste und schnellstmögliche Verbindung bieten – ohne dass sich Kunden Gedanken um die zugrunde liegende Technik machen müssen.“ (Integrierte Netze für die Gigabit Gesellschaft - Telekom Über Uns)

 

Liebe Deutsche Telekom, liebe Vodafone,

 

Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung klaffen manchmal auseinander, gut, wenn man dann Freunde hat, die einen auf diese Diskrepanz hinweisen. Dieser gute Freund sind wir. handytarife.de begleitet euren Weg auf dem Mobilfunkmarkt seit 1998, als ihr noch als DeTeMobil und D2 Mannesmann die 13,9 Millionen Mobilfunk-Teilnehmer in Deutschland mitversorgt habt – heute gibt es über 130 Millionen Mobilfunkanschlüsse. Wir haben euch großwerden sehen, zu den integrierten Telekommunikationsunternehmen, die ihr heute seid. Mit großer Macht kommt große Verantwortung. Macht was draus und verschleppt nicht den Netzausbau!

 

Jérôme Lefèvre / Redaktion handytarife.de



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