Beinahe 600 Handys pro Tag als gestohlen gemeldet

Handys wecken Begehrlichkeiten. Das bestätigt nicht nur der mediale Hype, wenn ein neues Smartphone von Apple, Samsung oder LG präsentiert wird und sich vor den Apple-Stores lange Schlangen bilden, sondern auch die Zahl der gestohlen oder geraubt gemeldeten Mobiltelefone in Deutschland.

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09.06.2016, 09:29 Uhr

Das Informationssystem der Polizei zur Ausschreibung von Personen und Gegenständen zur nationalen Fahndung (Inpol-Z) liefert die belastbaren Zahlen. Dabei fällt auf, dass die Statistik nahezu durchgängig (2011: Rückgang von 2,19 %, absolut 2864 Mobiltelefone) ein ständiges Wachstum aufweist. Von 2011 zu 2012 stieg die Zahl der gestohlen/ geraubt gemeldeten Handys um über 30 Prozent, in den darauffolgenden 12 Monaten um sage und schreibe mehr als 42 Prozent. Doch im Jahr 2013 gab es den ersten signifikanten Rückgang seit 5 Jahren mit einem Minus von 17,46 Prozent.
Damit wurden laut BKA im Jahr 2014 nach 195.242 Mobiltelefonen gefahndet und auch in 2015 wuchs diese Zahl kaum mit 206.539 Handys (INPOL-Abfrage vom 5. Februar 2016). Woher kam dieser Ausreißer im Jahr 2013? Hier lohnt sich ein Blick ins Ausland: Für die US-Bundesstaaten New York, Kalifornien und die britische Hauptstadt London vermeldete Reuters im Februar 2015 Erfolge, wobei hier ein Smartphone-Hersteller heraussticht, der mit 25-50 Prozent niedrigeren Diebstahlszahlen verantwortlich ist: Apple.
Mit iOS 7, das 2013 eingeführt wurde, etablierte das kalifornische Unternehmen eine Sicherheits-Funktion, die sich zu bewähren scheint. Die Aktivierungssperre verhindert, dass ein verlorengegangenes iPhone, das entweder vom Eigentümer über die Funktion „Finde mein iPhone“ oder von einem Dieb zum Weiterverkauf auf den Werkszustand zurückgesetzt wird, wieder in Betrieb genommen werden kann. Nur mit dem Benutzernamen und des dazugehörigen Passwort (Apple-ID) kann der rechtmäßige Nutzer das iPhone wieder in nutzen.
Kein „Fahrzeugschein“ für Handys
In den USA kommt außerdem eine Datenbank gestohlener Smartphones zum Tragen, wodurch sich diese Handys nicht mehr in die amerikanischen Mobilfunknetze einbuchen können. Ein solches Verzeichnis diskutierte auch die 199. Innenministerkonferenz im Juni 2014. Mobilfunkanbieter und der Branchenverband BITKOM sahen darin aber keine optimale Lösung, da die IMEI verändert werden könne und eine Sperrung nicht für das Ausland gilt. Außerdem müsste ausgeschlossen werden können, dass die IMEI nicht korrekt übermittelt wird. Das würde wiederum die Einführung eines Eigentumsnachweises nach sich ziehen, der dem eines Fahrzeugbriefes ähneln würde. Wodurch nicht nur ein riesiger Verwaltungsapparat entstünden mit „exorbitanten Kosten einer weiteren Behörde“, sorgte sich Udo Vetter in seinem Lawblog als Reaktion auf die Beratungen der Innenminister, sondern auch ein „feuchter Traum vieler Ermittler“ in Erfüllung ginge, da so eine Verfolgung jedes Handy-Nutzers möglich wäre.
Kill-Switch: Daten aus der Ferne löschen
Ein Meilenstein war die Selbstverpflichtung einiger Handy-Hersteller ihre Produkte ebenfalls mit einem solchen Schutz auszustatten, den Kalifornien mit einem eigenen Gesetz sogar ab dem 1. Juli 2015 erzwang. Auf das „Anti-Theft Voluntary Commitment“ von der CTIA vom April 2014 beriefen sich auch die Mobilfunker aus Deutschland. Mittlerweile haben Google und Microsoft nachgezogen und bieten mit ihren neuen Betriebssystemen ebenfalls einen sogenannten „Kill-Switch“ an, der das Smartphone für den Dieb unbenutzbar macht und den Weiterverkauf erschwert. Ohne die Benutzername und Passwort des rechtmäßigen Nutzers kann das Mobiltelefon nur als Ersatzteilspender veräußert werden.
„Die Zahl der gestohlenen Smartphones muss weiter sinken! Insbesondere das Interesse, Handys mit Gewalt zu erbeuten darf es nicht geben!“, fordert der Redakteur Jérôme Lefèvre. „Den Anreiz setzt der Wert eines modernen Smartphones und die Daten, die darauf gespeichert sind. Die Nutzer sind hier gefragt, die den Diebstahlschutz ihres Handys aktivieren und zu nutzen wissen müssen, womit die sie selber dazu beitragen können, diese Form der Kriminalität so unattraktiv zu machen, dass es keine weiteren Opfer geben muss.“
Leider besteht für dieses Thema aber noch lange nicht genug Sensibilität. Die Omniquest-Umfrage „Wobei ist ihnen Schutz am wichtigsten?“ förderte zu Tage, dass lediglich 3% der Befragten die „Daten auf dem Handy“ für besonders schützenswert halten. Die Sicherheit des Bankkontos ist hingegen fast 40% wichtig. Dabei scheint in Vergessenheit zu geraten, dass hier häufig eine Verknüpfung besteht. TAN-Nummern werden an das Mobiltelefon übermittelt, Kontostände per App abgefragt und die Kontodaten sind in Benutzerkonten von Amazon und vielen anderen Online-Shops hinterlegt und über das Smartphone zugänglich, wenn dieses nicht geschützt wird.
Die Redaktion von handytarife.de hat zu diesem Zweck in einem ausführlichen Ratgeber alle wichtigen Informationen zusammengefasst und bietet zwei Schritt-für-Schritt-Anleitungen, um das eigene Smartphone bestmöglich zu sichern, und wie verfahren werden sollten, wenn das Mobiltelefon abhandengekommen ist.
Alle Infos und Anleitungen unter www.handytarife.de/?handy-weg