Betrug? Telekom beendet Zusammenarbeit mit Drillisch

UPDATE! Die Deutsche Telekom hat die Zusammenarbeit mit der Drillisch AG und ihren Tochterunternehmen fristlos gekündigt. Der Konzern hat zudem Strafanzeige gegen den Serviceprovider erstattet. Grund ist der Verdacht auf Provisionsbetrug durch Simply, ein Drillisch-Tochterunternehmen, das Prepaid-Mobilfunkverträge vermarktet.

Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG
07.11.2011, 16:49 Uhr

"Betrug dulden wir nicht und gehen konsequent dagegen vor", betont Manfred Balz, Vorstand Datenschutz, Recht und Compliance bei der Telekom. Die Telekom hatte im August festgestellt, dass der Vertriebspartner seit Februar 2011 mehrere zehntausend Mobilfunkanschlüsse aktiviert hat, ohne dass tatsächliche Kundenverhältnisse zu Grunde liegen. Auf diese Weise habe Drillisch die Telekom um Provisionen betrogen. Die Telekom verlangt deshalb Provisionszahlungen in einstelliger Millionenhöhe zurück.
Die Geschäftsleitungen von Simply und der Drillisch AG sind teilweise identisch. Zudem sei der Betrug mit Unterstützung weiterer Gesellschaften der Drillisch-Gruppe erfolgt, so die Telekom. Deshalb trennt sich die Telekom von Drillisch insgesamt. Das Unternehmen hatte trotz erdrückenden Beweismaterials den Sachverhalt nicht weiter aufgeklärt und die Vorwürfe sogar bestritten. Eine datenschutzkonforme Analyse ergab allerdings, dass die Karten für Scheinkunden aktiviert wurden.
Was passiert mit Handy-Kunden von Drillisch, Simply oder maxxim?
Für Kunden der Drillisch AG und ihrer Tochterunternehmen, die das Telekom-Netz nutzen, ergeben sich keine Auswirkungen. Die Telekom wird die Netzleistungen weiterhin erbringen.
UPDATE:
Drillisch weist Vorwürfe der Deutschen Telekom zurück

Soweit die Deutschen Telekom AG in einer aktuellen Medieninformation behauptet, es gäbe einen schwerwiegenden Betrugsverdacht gegen das Drillisch Tochterunternehmen Simply, entbehre dies jeglicher Grundlage, so das Unternehmen in einer ersten Stellungnahme. Insbesondere die Darstellung der Telekom, Drillisch habe "mehrere zehntausend Mobilfunkanschlüsse aktiviert", ohne dass entsprechende Kundenverhältnisse zugrunde lagen, entspreche nicht den Tatsachen.
"Die Simply Communications GmbH hat sich im Hinblick auf von der Telekom gezahlten Provisionen vollumfänglich in Übereinstimmung mit den mit der Telekom geschlossen Verträgen verhalten", betont der Vorstandssprecher der Drillisch AG, Paschalis Choulidis. Vor diesem Hintergrund gebe es weder eine rechtliche Grundlage für strafrechtliche Schritte noch für eine Rückforderung von Provisionen.
Die Geschäftleitung der Drillisch AG habe sich in den letzten Tagen und Wochen intensiv bemüht, die Sachlage mit der Telekom zu klären. Nachdem die Telekom auf ihrem unzutreffenden Standpunkt beharrte, kündigte die Drillisch-Tochtergesellschaft Simply Communications GmbH bereits am 3. November 2011 den bestehenden Vertrag fristgemäß. Die Deutsche Telekom AG nahm dies nun offenbar zum Anlass, ihrerseits außerordentlich zu kündigen. Die Drillisch AG bedauert diese Eskalation und weist ausdrücklich darauf hin, dass die Kündigung keine negativen Auswirkungen für die bestehenden Simply-Kunden hat.
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