Das Ende der Daten-Flatrate beim Handy?

"Sprache ist tot - es leben die Daten" - so eine Analyse der Strategie-Beratung Booz & Company. Demnach ist Sprach-Telefonie ein Auslauf-Modell, Daten erfahren ein enormes Wachstum. Doch: Dies wird die Netzkapazität schon bald ans Limit bringen. Folge könnte sein, dass Handy-Internet-Flatrates von anderen Preismodellen abgelöst werden.

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19.02.2013, 10:43 Uhr

Der kommerzielle Erfolg von mobilen Internetanwendungen, -inhalten und -diensten geht bisher nicht nur weitgehend an den Mobilfunk Netzbetreibern vorbei, sondern führt die Infrastruktur immer häufiger ans Limit. "Engpässe in der Verfügbarkeit von mobilen Datendiensten sind in Westeuropa spätestens in zwei Jahren - zumindest in Spitzenzeiten - aus heutiger Sicht unvermeidlich, da die bestehenden Netze technisch gesehen dann an der Belastungsgrenze sind", schildert Klaus Hölbling, Telekommunikationsexperte bei Booz & Company, die Situation bei einem Pressegespräch im Vorfeld des Mobile World Congress 2013.
5% der Datennutzer erzeugen 75% des Datenvolumens
Vor diesem Hintergrund war die Einführung der Datenflatrate ein historischer Fehler der Netzbetreiber, denn wenige User verursachen das Gros des Datenverkehrs. Im Schnitt erzeugen 5 % der stärksten Datennutzer 75 % des Datenvolumens eines Anbieters. "An der heutigen Schwelle zur neuen LTE-Technologie bietet sich für Netzbetreiber eine Chance, die Dominanz der Flatrate-Tarife aufzulösen und durch eine differenziertere Preispolitik, etwa mittels qualitätsabhängiger Modelle, zu ersetzen. So ist vorstellbar, dass Kunden einen Aufschlag für ein schnelles und sicheres Netz bezahlen und so in den Genuss von Bevorzugung bei Engpässen kommen. Aus den stark wachsenden Datenvolumina kann so von Telekommunikationsunternehmen signifikantes Wachstum erzielt und die Infrastruktur-Investments gestemmt werden", erklärt Hölbling weiter. So machen Verizon und AT&T aus den USA den europäischen Anbietern bereits vor, wie sich mit Preisdifferenzierung je nach Gerät und Integration aller mobilen Verbindungen unter einem Vertrag die Wachstumsraten und die Profitabilität erheblich steigern lassen.
Inwieweit sich solche Modelle in Deutschland tatsächlich umsetzen lassen, bleibt nach Ansicht von handytarife.de vorerst fraglich. Die Kunden haben sich an günstige Handy-Internet-Flatrates gewöhnt, und der Bedarf an besonders schnellen LTE-Verbindungen, die dann deutlich teurer sind, scheint bislang noch nicht so hoch. Aber eines ist auch klar: Ist das Netz erst einmal komplett verstopft, könnte sich dies auch schnell ändern.