Erst Billigflieger – jetzt Billigtelefonierer?

Der Gründer der Billigfluglinie Easyjet und Chef der Easy-Gruppe, Stelios HajiIoannou, will nach dem erfolgreichen Start in Großbritannien nun auch in Deutschland einen Billig-Mobilfunkservice auf den Markt bringen. Sein Konzept: Ohne Handys, ohne eigenes Netz und ohne Service, dafür aber mit superniedrigen Kampfpreisen will er die Kunden ködern. Etablierte Anbieter wie T-Mobile oder Vodafone fürchten, dass die Telefontarife abstürzen könnten.

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08.04.2005, 17:08 Uhr

Das Prinzip ist simpel: Der Kunde kauft seine wiederaufladbare Prepaid-Karte übers Internet, das Handy muss er selbst mitbringen. Ähnlich wie bei den Billig-Airlines setzt man in jeder Hinsicht gnadenlos auf niedrige Fixkosten - samt Management besteht die Londoner „Zentrale“ aus stolzen acht Mitarbeitern, die benötigte Netzkapazität wurde von der Telekom-Tochter T-Mobile angemietet. Wer Nachfragen hat oder sich beschweren möchte sollte Geduld mitbringen: Per Telefon ist Easymobile für seine Kunden grundsätzlich nicht zu erreichen, Läden unterhält der Anbieter ebenfalls keine. Da bleibt nur: eMail schreiben und abwarten. "Wir versuchen", so heißt es auf der Easymobile-Homepage (www.easymobile.com), "uns binnen fünf Werktagen bei Ihnen zu melden".

Durch diese schlanke Struktur kann Easymobile die Preise natürlich ordentlich drücken: Telefongespräche kosten in England derzeit umgerechnet 22 Cent je Minute, SMS sieben Cent. Das ist erheblich weniger, als die etablierten Konkurrenten dafür verlangen.
Und diese sind erwartungsgemäß wenig begeistert: Nachdem Easymobiles Vorbild Telmore die Preise in Dänemark mit einem ähnlichen Prepaid-Billigangebot ohne Handy binnen sechs Monaten fast halbiert hat, einen Marktanteil von fast 23 Prozent erreichte und die Margen für die etablierten Anbieter zerstörte, macht man sich auch hierzulande auf einen harten Kampf gefasst. Vorerst hoffen die Netzbetreiber, dass der Großteil der Kundschaft weiterhin Service will und deshalb für die Angebote der Low-Cost-Anbieter unempfänglich ist. Das könnte sich jedoch - wie seinerzeit bei den Billigfliegern - als kostspieliger Irrtum herausstellen.
Was also tun? Eigene Kampfpreise auflegen oder dem Discounter gar eigene Netzkapazitäten vermieten? Bislang stehen die vier deutschen Anbieter noch in geschlossener Front gegen den Eindringling, doch dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Easymobile auch hier in Deutschland als erster Billiganbieter startet. Und dann entscheidet der Kunde, wem er Recht gibt.