Facebook greif Ebay-Kleinanzeigen an

Das Soziale Netzwerk hat damit begonnen in Europa eine neue Funktion auszurollen, die es nicht mehr nur in speziellen Verkaufs-Gruppen ermöglicht, den eigenen Krempel loszuwerden. So kann nach Schnäppchen in der Umgebung gesucht und Verknüpfungen zum Freundeskreis eingesehen werden. Schafft das Vertrauen?

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22.08.2017, 09:23 Uhr

Produkte aus der näheren Umgebung zu kaufen gibt Käufern grundsätzlich die Möglichkeit, die Ware in Augenschein zu nehmen. Dennoch bleibt in der Regel ein Restrisiko. Private Verkäufer schließen die Gewährleistung aus, eine Quittung gibt es nicht und je nach Funktionsumfang lässt sich zum Beispiel bei einem gebrauchten Smartphone nicht jeder Defekt bei der Übergabe ausschließen.

Natürlich sollte es eingeschaltet, eine Verbindung mit dem Mobilfunknetz hergestellt und wenigsten ein Test-Foto gemacht werden können. Doch dass der Akku defekt ist, fällt in der Regel nicht direkt auf. Auch andere Macken fördert erst die Nutzung über mehrere Stunden zu Tage. Zu wissen, dass man den Verkäufer über Ecken kennt, kann Vertrauen schaffen, so manche Facebook-Freundschaft des über den Tisch gezogenen Käufers aber auch genauso gut beenden.

Ratschläge von Facebook für Käufer und Verkäufer

Facebook empfiehlt Paypal oder Bargeld als Zahlungsmittel zu verwenden, und dass ein Treffen nur an öffentlichen Orten und am besten in Begleitung eines Freundes stattfinden sollten. Das sind keine schlechten Ratschläge, deuten aber auch auf ein nicht allzu großes Vertrauen in die Gesellschaft hin. Die Verkaufsanzeigen lassen sich nach Standort und Kategorien sortieren. Auch Autos und Immobilien können auf dem Facebook-Marketplace angeboten werden. Rückfragen lassen sich über den Facebook-Messenger stellen.

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Facebook hat Handelsrichtlinien, die festlegen, welche Produkte über den Marketplace nicht angeboten werden dürfen. Mark Zuckerbergs Plattform setzt dabei darauf, dass die Community verbotene Güter und dubiose Händler meldet:

  1. Illegale oder Freizeitdrogen bzw. verschreibungspflichtige Medikamente;
  2. Tabakwaren und entsprechendes Zubehör;
  3. Unsichere Nahrungsergänzungsmittel;
  4. Waffen, Munition oder Sprengstoffe;
  5. Tiere;
  6. Artikel oder Dienstleistungen für Erwachsene;
  7. Alkohol;
  8. Gesundheitsartikel für Erwachsene;
  9. Glücksspieldienste, bei denen es um echtes Geld geht;
  10. Waren, Artikel oder Beiträge, die Facebook als möglicherweise bzw. tatsächlich betrügerisch, irreführend, täuschend oder anstößig erachten;
  11. Artikel oder Produkte mit eindeutig sexualisierter Ausrichtung;
  12. Nicht-physische Artikel sind auf Facebook-Marktplatz verboten, also u. a. Dienstleistungen, Abonnements oder digitale Produkte.
  13. Produkte oder Artikel, die einen unberechtigten Zugriff auf digitale Medien ermöglichen oder fördern.

Wer eine Verkaufsanzeige aufgibt kann ihr Fotos und einen ausführlichen Text hinzufügen. Ist die Annonce veröffentlicht, werden ähnliche Produkte aus der Umgebung angezeigt, sodass die Konkurrenz direkt analysiert und überprüft werden kann, ob der eigene Preis angemessen ist. Hat sich ein Käufer gefunden, kann die Anzeige mit „Verkauft“ markiert werden.

Der Facebook-Marketplace startet nach und nach in Europa. In den Apps für das iPhone und Anroid-Smartphones ist er an dem Symbol  in der Navigationsleiste am unteren bzw. oberen Bildschirmrand zu erkennen. Auf der Facebook-Webseite gibt es ein farbiges Symbol  im linken Bereich. Um die neue Angebotsplattform nutzen zu dürfen muss man mindestens 18 Jahre alt sein.

Kann Facebook damit Ebay-Kleinanzeigen gefährlich werden?

Der größte Vorteil von Facebook gegenüber Ebay-Kleinanzeigen oder Shpock wird es sein, dass Käufer und Verkäufer Überschneidungen im Freundeskreis feststellen können und so einfacher nachprüfen können, ob der Gegenüber ein vertrauensvoller Handelspartner ist. Das Soziale Netzwerk steigt allerdings erst sehr spät in das Annoncen-Geschäft ein und hat damit das Problem, dass die Rubriken mit Angeboten gefüllt werden müssen, damit das Interesse geweckt wird. Dass viele potenzielle Käufer zum Stöbern eingeladen werden, und damit die Nachfrage von Beginn hoch sein soll, begegnet Facebook mit der prominenten Platzierung in der App. Ob das die Anbieter überzeugt, eine weitere Plattform zu nutzen, wird sich zeigen.