Internet hilft Menschen mit Behinderung

Das Internet hat vielen Menschen mit Behinderung erhebliche Verbesserungen ihrer Lebensqualität gebracht, aber es gibt auch noch viel zu tun, um die virtuelle Welt barrierefreier zu gestalten. Diese Meinung vertritt der Verband eco angesichts des internationalen Tags der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember.

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02.12.2015, 11:29 Uhr

„Es geht nicht nur darum, die Inhalte von Webseiten etwa durch eine Vorlesesoftware für Sehbehinderte verfügbar zu machen. Vielmehr gilt es weit darüber hinausgehend das Community-Konzept des Internet smart zu nutzen, um behinderten Menschen zu helfen“, betont der Verband der Internetwirtschaft.
Online-Karte macht Rollstuhlfahrer mobiler
Als bestes Beispiel für Rollstuhlfahrer nennt eco die WheelMap, eine Online-Karte mit rollstuhlgerechten Geschäften, Restaurants, Behörden und sonstigen öffentlich zugänglichen Orten – wie zum Beispiel ganz aktuell barrierefreien WCs. Jeder kann mitmachen und Lokationen mit einem Ampelsystem markieren: grün (durchgängig mit Rollstuhl nutzbar), gelb (prinzipiell zugänglich, aber nicht alle Räume) und rot (nicht zugänglich).
Apps helfen Blinden und Hörgeschädigten
Als weiteres gelungenes Beispiel hebt eco die Open-Source-App BeMyEyes hervor. Es handelt sich dabei um eine Online-Community, bei der Sehende sozusagen ihr Augenlicht Blinden zur Verfügung stellen. Der Blinde richtet die Smartphone-Kamera mit einer Frage („Ist die Milch noch haltbar?“) auf etwas, klickt auf „brauche Hilfe“ und ein Sehender, der zur Hilfe bereit ist, nimmt die Anfrage an und gibt die Antwort. Beide geben im Anschluss eine Bewertung ab, um „falsche Helfer“ auszuschließen.
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Vorbildlich ist nach Einschätzung von eco auch die App VerbaVoice für Menschen mit Hörschädigung. Über die App können schwerhörige, gehörlose und ertaubte Menschen sowohl Schrift- als auch Gebärdendolmetscher online zuschalten. Da VerbaVoice als Kommunikationshilfe anerkannt ist, übernehmen die zuständigen Kostenträger die Ausgaben für die Dolmetscher, so dass für den bzw. die Hörgeschädigte keine Kosten anfallen.
Künstliche Barrieren
Als Gegenbeispiel nennt eco die Captcha-Systeme, die dazu dienen, Software-Robots und Menschen zu unterscheiden. Die dabei verwendeten Schriftzeichen sind für Sehbehinderte praktisch nicht zu erkennen, so dass diese Menschen wie ein „Robot“ ausgegrenzt werden. Hier werde künstlich eine Barriere aufgebaut, die dem Ziel der Barrierefreiheit im Internet völlig entgegenstehe, kritisiert eco.