LG stellte in New York das G2 vor

Um 16 Uhr unserer Zeit wurde am Mittwoch in New York das Smartphone LG G2 vorgestellt. Nachdem die Enttäuschung über das Motorola Moto X noch nicht ganz verflogen ist, da nicht bekannt ist, ob es in den europäischen Handel kommen wird, hatte LG die Chance, neuen Optimismus zu verbreiten. Ob es dazu kam, lesen Sie hier.

LG© LG Electronics
07.08.2013, 21:34 Uhr

Die Begrüßung in der Frederik P. Rose Hall übernahm Dr. Jong-seok Park als Präsident und CEO von LG Electronics Mobile Communication. Die aufgezählten Eckdaten des neuen Flaggschiffs konnten bereits überzeugen: Als erstes Smartphone ist das G2 mit einem Qualcomm Snapdragon 800 Quad-Core Prozessor mit 2,26 GHz und LTE-Chip ausgestattet. Darum war einer der Gastredner auch kein geringerer als Steve Mellenkopf, Präsident und COO von Qualcomm.

Ins Detail ging dann James Fishler, Senior Vice Präsident von LG Electronics USA. Wir haben aufmerksam zugehört und stellen die Highlights nun vor: Das Motto der Veranstaltung war "G2 learns from you". Die Redner wurden nicht müde zu erwähnen, dass alle Neuerungen aus Studien resultieren. Wie schon auf der Präsentation des Huawei P6 war es am Mittwoch Dr. Park, der erklärte, dass man den Konsumenten zuhört und von ihnen lernt.

An Superlativen fehlte es in seiner Rede natürlich auch nicht. Er sprach vom "aufregendsten und ambitioniertesten Telefon der Smartphone-Geschichte" und begründete den Slogan "learns from you" damit, dass nichts so perfekt ist, wie der Mensch. Wie viel Wahrheit in letzterer Aussage steckt, kann jeder überprüfen, der sich jetzt mal seine Mitmenschen anschaut. Die erste Aussage, wollen wir nun aber mit Fakten füllen.
 

Alles im Blick: Das Display
Der Full HD IPS Display ist 5,2 Zoll groß. Bevor jetzt die ersten in die Chirurgie rennen, um sich ihre Hände vergrößern zu lassen: Die Bedienbarkeit des Smartphones soll weiterhin mit einer normalen Hand möglich sein. Die Maße unterscheiden sich kaum von einem Samsung Galaxy S4: Das LG misst 138,5 x 70,9 x 8,9 Millimeter (S4: 137 mm x 70 mm x 7,9 mm). Dies wurde mit einer neuen Displaytechnik ermöglicht.

Normalerweise befindet sich unterhalb eines ordinären Touch-Bildschirms ein sogenannter "Connector". Dank einer Gitterstruktur empfängt dieser dort Signale, wo der Screen gerade berührt wird. Da die meisten Displays länger als breit sind, hat das Gitter viele horizontale und weniger vertikale Leiter. Die Vielzahl horizontaler Leiter wurde bisher rechts und links vom Bildschirm nach unten zum Connector geführt. LG verbaut nun jeweils einen "Connector" oben und unten. Die obere Hälfte der Leiter wird zum einen und die untere Hälfte zum anderen "Connector" geführt. So wird ein schmalerer Rahmen möglich.
Die Neuheiten
Nur am Rande sei erwähnt, dass der LG-Schriftzug unterhalb des Displays sitzt und dort keine Sensor-Tasten liegen. Die Steuerung des Android 4.2.2 Betriebssystems verläuft über Softkeys als im Bildschirm eingeblendete Leiste und über die drei Hardkeys dieses Handys, die man nicht dort findet, wo man sie vermutet. Die Rede ist von "Rear-Keys" und die liegen auf der Rückseite des LG G2.

Dies soll ebenfalls eine Innovation sein, die man aus den Studien heraus entwickelt hat. Die meisten Menschen halten ihr Smartphone so, dass ihr Zeigefinger immer an einer Stelle mittig auf dem Gehäuserücken verweilt. LG wollte diesem Finger auch eine Aufgabe geben. Nun kann man dort während eines Telefonats die Lautstärke anpassen. Mittig liegt der Ein- und Ausschalter und mit der Lautstärke-Taste nach oben kann man die QuickMemo-Anwendung starten.

Der Regler um die Laustärke zu verringern, kann auch als Auslöser für Selbstportraits mit der Frontkamera dienen. Diese löst mit 2,1 Megapixeln auf, während die Hauptkamera, unterstützt duch eine Foto-LED, 13 Megapixel-Aufnahmen schießt und über einen Bildstabilisator verfügt, ohne dass eine Erhebung am Gehäuse nötig ist. Damit man beim Bedienen der "Rear-Keys" nicht ständig Fingerabdrücke auf der Linse hinterlässt, ist diese besonders beschichtet.

Das LG G2 besitzt nicht nur 2 GB Arbeitsspeicher, sondern auch Graphic-RAM (GRAM). Damit sollen bis zu 26 Prozent Energie eingespart werden. In Verbindung mit dem 3000 mAh Akku, der möglich wurde, indem man „tote Räume“ nutzbar gemacht hat, sind hervorragende Ausdauerwerte zu erwarten. Es wird zwei Speicher- und Farbvarianten geben mit entweder 16 oder 32 Gigabyte in weiß oder schwarz. Dabei scheint auf einen Micro-SD-Kartensteckplatz verzichtet worden zu sein.
 

Was Sie vom Sound erwarten können
Herausragenden Sound verspricht LG dank 24 Bit mit 192 KHz. Der Konsument soll sich fühlen, als ob er bei der Studioaufnahme dabei wäre. Deswegen bewirbt man das G2 auch mit den Wiener Chorknaben, die nicht nur am Ende der Präsentation auftraten, sondern auch vorinstallierte Klingeltöne beisteuern. Fishler betonte, dass ein normales Smartphone seinem Nutzer 88 Minuten Zeitersparnis am Tag bringt, was 22 Tagen im Jahr entspricht.

Um diesen Nutzen zu erhöhen, wurden noch softwareseitige Neuerungen unter dem Oberbegriff UX (User experience) vorgestellt. Bei manchen ist vielleicht schon die Frage aufgekommen, ob der Ein- und Ausschalter auf der Rückseite unpraktisch sein könnte, wenn das Smartphone auf dem Rücken liegt. Muss man es dann extra in die Hand nehmen, um das Display einzuschalten? Nein, anklopfen reicht. Mit der Funktion „KnockOn“ reicht es, wenn man zweimal auf den Bildschirm tippt. Das kennt man auch schon vom Nokia Lumia 925.


Was das G2 sonst noch zu bieten hat


„TextLink“ soll einen schnelleren Umgang mit Texten ermöglichen. Beeindruckend war bei der Vorstellung, dass bei einer empfangenen SMS, die eine Terminanfrage enthielt, dies vom G2 erkannt wurde und ohne Umwege direkt in den Kalender eingetragen werden konnte. Bei „Plug & Pop“ erscheint mit dem Anschluss von Kopfhörern am unteren Bildschirmrand eine Leiste mit Anwendungen, die in der Regel mit Kopfhörern genutzt werden. Mit einer drei-Finger-Geste wird es außerdem möglich sein, im Multitasking zwischen den Apps zu wechseln.

Der „GuestMode“, den Fishler „KidMode“ nennt, funktioniert wie ein zweites Benutzerkonto, bei dem man entscheiden kann, worauf der Gast zugreifen kann. Zeichnet man auf den Sperrbildschirm ein „G“, öffnet sich das eingeschränkte Konto. So kann man der Tochter das Handy in die Hand geben, ohne dass sie bei Ebay ein Auto ersteigert, aber auch Freunden, die nicht auf alles Zugriff haben sollen. Wie schon andere Top-Handys, soll das G2 auch als Fernbedienung im Wohnzimmer fungieren.

„AnswerME“ erkennt bei einem Anruf, dass man das Smartphone zum Ohr führt, reduziert daraufhin die Lautstärke des Klingeltons und nimmt das Gespräch automatisch an. LG will sein neues Flaggschiff innerhalb der nächsten acht Wochen über 130 Partner verfügbar machen. Wann Europa mit der Auslieferung rechnen kann, wurde nicht gesagt. Leider wurden auch keine Preise genannt. Wir sind optimistisch.


 

Jérôme Lefèvre / Redaktion handytarife.de