Mit dem Handy bezahlen – oder doch nicht? Oder doch??

Mehrmals im Jahr wird von unterschiedlichen Seiten beschworen, dass das Zeitalter des Mobile Payment begonnen habe. Andererseits kenne ich niemanden, der regelmäßig mit seinem Smartphone bezahlt und der Versender Otto hat gerade angekündigt, seinen Bezahldienst per Handy zu schließen. Ein Kommentar.

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25.11.2015, 11:35 Uhr

Leider habe ich es in den vergangenen Jahren versäumt, einen extra Ordner anzulegen für all die Meldungen und Pressemitteilungen, in denen in den höchsten Tönen vom mobilen Bezahlen per Smartphone geschwärmt wird. Dieses Jahr gehe es richtig los, der Trend sei eindeutig, soundsoviel Prozent der Deutschen wollen bald mitmachen und so weiter.
Gerne ganz vorne mit dabei ist der Bitkom (oh Wunder – als Verband u.a. der Mobilfunkindustrie…), dessen Meldung auch heute wieder vollmundig folgendes verheißt: „Das Smartphone wird zur Geldbörse und ersetzt Geldscheine, Münzen. (…)„Das Smartphone wird zur Bankfiliale, zum Beispiel indem ein Kredit direkt per App beantragt wird“.
Mal ehrlich – glauben Sie das? Würden Sie einen Kredit per App beantragen??
Ich gebe zu, ich bin etliche Jahre davon entfernt, ein Digital Native zu sein. Aber ich kenne einige. Keiner von Ihnen bezahlt mit seinem Handy. Niemand von ihnen besorgt sich einen Kredit über eine App auf dem Smartphone.
Denn die Realität sieht doch so aus: Das Versandhandels-Unternehmen Otto, nach Amazon immerhin zweitgrößter Online-Shop in Deutschland, teilte gestern mit, seinen eigenen Bezahl-Dienst per Handy („Yapital“) einzustellen. In der entsprechenden Verlautbarung heißt es dazu: „Die Geschäftsentwicklung und vor allem die Entwicklung der Endkundenzahl ist in diesem Bereich zum aktuellen Zeitpunkt schlicht nicht kalkulierbar. Bereits vor drei Jahren sprach man vom Mobile-Payment Durchbruch, und dennoch gibt es heute laut Studien gerade mal 200.000 Nutzer in Deutschland. Die Verbrauchergewohnheiten ändern sich deutlich langsamer als von allen Marktbeobachtern prognostiziert.“
Peng! Die Blase platzt
Wer jetzt also immer noch vom Durchbruch des Mobile Payment spricht, trotz aller Anstrengungen von Telekommunikationsanbietern, Handy-Herstellern und Co., hat meiner Ansicht nach den Knall nicht gehört. Die Deutschen wollen ihr Bargeld und ihre Kreditkarten. Das mag sich ändern, aber schleichend, und wird eher Jahrzehnte als Jahre brauchen.
Und derweil lege ich mir jetzt erstmal schnell einen Ordner an für alle Meldungen über gescheitertes Mobile Payment. Denn das werden zukünftig mehr werden.
  Funkloch: Die unendliche Geschichte des Mobile Payment