Mobile World Congress 2016: Unser Fazit aus Barcelona

Die großen News sind schon alle veröffentlicht und nun ist Zeit für ein Fazit von der größten Mobilfunkmesse der Welt. Welche kleineren Hersteller haben uns auf der Messe ihre neuen Produkte gezeigt? Was halten wir von den Innovationen? Und wie sieht die Zukunft aus? handytarife.de fasst den MWC 2016 für Sie zusammen.

Smartphone im Café© Drobot Dean / Fotolia.com
25.02.2016, 12:12 Uhr

Von unseren ersten Eindrücken der beiden vorgestellten Flaggschiffen konnten wir noch am Sonntagabend berichten. Bei Ford zeigte man uns am Montag den neuen Kuga und das Infotainmentsystem SYNC 3 mit AppLink, das auf der Messe überzeugte und bald auch von uns ins der Praxis getestet werden wird. Hier gibt es nun mehr zu ZTE, Wiko, Nokia, Sony und LG zu lesen, wobei wir bei letzteren nicht nur die Gelegenheit hat das LG G5 einem ausführlichen Hands-On zu unterziehen, sonder auch die neuen X-Modelle anfassen konnten.

 

ZTE mit druckempfindlichem Display

Die Chinesen zeigten zwischen den Pressekonferenzen von LG und Samsung am Sonntag ihre akzuellen Axon-Smartphones. Dabei fiel uns insbesondere das Axon mini ins Auge. Das recht leichte Handy hat zwar ein Metallgehäuse, aber es kann aufgrund seiner 140 Gramm haptisch nicht mit der Optik mithalten. Es fällt mit einem 5,2 Zoll großen Full-HD-Bildschirm auch schwer den Beinamen "mini" zu verstehen.

Dafür beeindruckte das Smartphone mit einem druckempfindlichen Display, wie wir es bereits vom iPhone 6S kennen. Das Mobiltelefon von ZTE kostet allerdings nur 369 Euro. Bei der Pressekonferenz funktionierte das Display gut und durch festeres Drücken öffnete sich ein kleines Menü mit weiteren Optionen. Dies ist in die Benutzeroberfläche des chinesischen Hersterllers integriert. Nutzer sind also davon abhängig, dass ZTE diese Funktion einbaut, die somit nur für System-Apps zur Verfügung steht.

Desweiteren müssen Updates noch aufwendiger angepasst werden, sodass abzuwarten bleibt, ob das installierte Android 5.1 ein Update erhält. Das Smartphone bietet eine recht ordentliche Hardware und zeigt, zumindest für die Zukunft, dass auch mit Android druckempfindliche Bildschirme funktionieren können und nicht so teuer sein müssen, wie bei Apple. Außerdem wurde das Blade V7 für diesen Sommer angekündigt.

Wiko-Neuheiten kommen im Mai

Wiko lässt das Lenny in der dritten Generation erwachsenener werden und damit macht es der eigenen Rainbow-Baureihe konkurrenz. Denn das Lenny 3 bekommt eine Rückseite aus Aluminium, wird in vielen bunten Farben angeboten und das HD-Display misst 5 Zoll in der Diagonalen. Dazu gesellen sich 16 Gigabyte interner Speicher, ein Micro-SD-Karten-Slot, Dual-SIM-Funktion, zwei Kameras mit 5 und 8 Megapixeln und ein 2000 mAh Akku.

Auf LTE müssen Interessenten leider verzichten, aber dafür gibt es das aktuelle Android 6.0 Betriebssystem. Und der Preis? Der ist mit 129 Euro ausgesprochen niedrig angesetzt und könnte das Wiko Lenny 3 zu einer günstigen Alternative machen. Im Mai ist Marktstart. Dann wissen wir mehr.

Die anderen Neuheiten für Mai kommen aus der U-Serie, die mit den Modellen "Feel" und "Feel Lite" startet. Ihren Namen haben sie von ihrer Rückseite, die sich mit einer textilen Oberfläche von dem Einheitsbrei der anderen Smartphones abhebt und schon beim Wiko Ridge 4G zum Einsatz kam. Die Lite-Version ist in ihrer Austattung etwas abgespeckt und wird 199 Euro kosten. Das bessere Wiko U Feel schlägt mit 229 Euro zu Buche. Dafür gibt es zwar das 5 Zoll Display nur in HD-Auflösung, aber immerhin 3 Gigabyte Arbeitsspeicher, 16 Gigabyte internen Speicher plus der Möglichkeit eine Speicherkarte unterzubringen.

Leicht gewölbtes Glas nimmt den Trend der Oberklasse auf und es gibt einen Rahmen aus Aluminium. Dazu haben die U-Feel-Geschwister erstmals einen Fingerabdrucksensor. Android 6.0 kommt auch hier zum Einsatz und beide Smartphones haben neben der 5 Megapixel Frontkamera einen seperaten Blitz und unterstützen LTE. Auf der Rückseite finden sich eine 13 bzw. in der Lite-Version eine 8 Megapixel Kamera.

Sony und der Satz mit X

Also Sony verabschiedet sich von seiner Z-Reihe und stellte beim Mobile World Congress die Xperia X-Reihe vor: XA, X und X Performance, wobei letzteres wohl nicht seinen Weg nach Deutschland finden wird. Mit den neuen Produkten hätte sich die Chance ergeben ein neues, sich von der Konkurrenz abhebendes Design einzuführen, doch die Handys mit dem X sehen aus wie eine weitere Evolutionsstufe der Z-Serie.

Der Buchstabe "X" erfreut sich gerade großer Beleibtheit in der Welt der Mobiltelefone: Honor 5X, LG bringt eine Produktreihe mit X (zu der wir gleich kommen), One Plus X, Huawei Shot X Motorola Moto X und so weiter. Nun hat sich Sony gedacht doppelt hält besser, ein "X" haben wir schon in Xperia, nehmen wir doch noch ein dazu. Das Sony X hatten wir am Stand in der Hand und das Mittklasse-Smartphone will mit seiner 23 Megapixel Kamera und deren Schnelligkeit prahlen. Also in unserer Hand löste die Kamera nicht schnell aus - ein Satz mit X, Sony.

Bei LG genauer hingeschaut

Unser persönlicher Termin bei den Koreanern bot uns die Möglichkeit nochmal genauer auf das LG G5 zu schauen und uns wurden zwei neue Smartphones der X-Serie vorgeführt. Dabei wurde verraten, dass man mit dem neuen Flaggschiff nicht teurer sein werde als die direkte Konkurrenz. Gemeint ist das Samsung Galaxy S7 und die Edge-Variante. Zu erwarten ist also vermutlich ein Preis zwischen 699 und 799 Euro. Darin inbegriffen ist zwar der Schubladen-Mechanismus, um den Akku zu tauschen, aber noch keins der erweiternden Module. 

Das Abnehmen des unteren Teils des Handys geschieht über einen kleinen Knopf im linken Rahmen, der die Verriegelung löst. Das ist ungewohnt, aber nicht kompliziert. Die Preise für die Module "Cam Plus" und "Hifi Plus" von Bang und Olufsen konnten uns leider auch nicht genannt werden, sollten aber ebenfalls in den nächsten zwei Wochen bekanntgegeben werden. 

Die Dual-Kamera im LG G5 besteht übrigens aus einem 16- und einem 8-Megapixel-Sensor. Der kleinere nimmt die Weitwinkel-Fotos aus. Dabei kann sie direkt in der Kamera-App aktiviert werden oder durch das Herauszoomen mit zwei Fingern auf dem Sucher. Dann nimmt die Kamera deutlich mehr von der Umgebung auf und wurde in der Auflösung kleiner gehalten, weil LG davon ausgeht, dass hier weniger die Details, als das Panorama für den Fotografen zählt. 

Das Glas über den Linsen ist rahmenlos eingelassen und mit der horizontalen Anordnung der Linsen liegt das Smartphone trotz kleinem Buckel ohne zu wackeln auf dem Tisch. Die neuen X-Handys sind in der Mittelklasse angesiedelt und werden für unter 300 Euro nach dem G5 auf den Markt kommen. Dessen Verwandtschaft zum X cam ganz besonders ins Auge fällt. Nicht nur von vorne ähneln sie sich stark. Auf der Rückseite hat das neue Mitteklasse-Handy die Dual-Kamera vom G5 übernommen.


 

Für ein gutes Arbeitstempo sorgt ein Octacore-Prozessor mit 2 Gigabyte Arbeitsspeicher. Intern stehen 16 Gigabyte für zum Beispiel Fotos zur Verfügung, die im Weitwinkel in maximal 5 Megapixeln, mit der Hauptkamera mit 16 Megapixeln und als Selfie mit 8 Megapixeln auflösen. Android 6.0 und ein 5,2 Zoll Full-HD-Bildschirm runden das in Titansilber, Gold und Pink-Gold erhältliche Smartphone ab.

 

Das zweite Modell heißt LG X screen und wird das günstigere Modell von beiden sein. Die X-Reihe will herausstechen, indem diese Mobiltelefone zwar im mittleren Preissegment angesiedelt sind, aber jeweils ein Oberklasse-Feature haben. Bei dem X screen ist das der Dual-Screen vom LG V10. In der günstigeren Ausführung besitzt das Smartphone einen kleinen zweiten Bildschirm zur Anzeige von Uhrzeit und Benachrichtigungen über dem eigentlichen 5 Zoll HD-Display.

Als Betriebssystem läuft Android 6.0 auf dem Handy, bei 2 Gigabyte Arbeitsspeicher und 16 Gigabyte internem Speicher. Die Selfie-Cam löst mit 8 und die Hauptkamera mit 13 Megapixeln auf. Angetrieben von einem Quadcore-Prozessor mit LTE wird es das X Screen in schwarz, weiß, pink und gold geben.

 

Das durchgehend dominanteste Thema über viele bekannte Hersteller hinweg war die Umsetzung von Virtual Reality. Samsung hielt die Pressekonferenz zum neuen Galaxy S7 teilweise in der virtuellen Realität ab, indem alle Pressevertreter eine spezielle Brille aufsetzen mussten. Dabei stellte Mark Zuckerberg dann auch die Partnerschaft der Facebook-Tochterfirma Oculus mit Samsung vor, deren Gear VR, also eine Brille, in die man vorne sein Handy steckt, um Virtual Reality nutzen zu können, es zum Galaxy S7 gratis dazu gibt.

Die Gear VR ist zwar mit rund 100 Euro relativ günstig, allerdings auch klobig. LG stellte, ohne Preise zu nehnnen, seine eigene Interpretation einer solchen Brille vor, die deutlich kompakter, und damit angenehmer zu tragen, aber auch kabelgebunden ist. Beide koreanischen Hersteller präsentierten Kameras, die 360 Grad Aufnahmen machen könen und drahtlos an das Handy übermitteln. LG kooperiert dabei mit Google Streetview, die Außenaufnahmen dann auch in ihre Karten einbinden wollen, wenn die Nutzer ihnen die Fotos zur Verfügung stellen.

Als Gegenleistung können die großen Fotos in voller Auflösung kostenlos in der Cloud gespeichert werden. HTC zeigte erneut eine VR-Brille, die sich mit speziellen Controllern an Gamer richtet und Nokia gab mit OZO ein Lebenszeichen von sich. Diese Kamera ermöglicht 360-Grad-Videos als Live-Stream. Bei Youtube und Facebook oder der Oculus-Bibliothek kann man solche bewegten Bilder, bereits sehen, während man sich selber im Raum umschauen kann.

Als Live-Stream könnte dies ganz neue Erlebnisse ermöglichen: Die Teilnahme an einem Konzert der Lieblingsband am anderen Ende der Welt oder an einem Fußballspiel von der Trainerbank aus. Damit eröffnen sich ganz neue Einnahmequellen. Die Nokia OZO hat allerdings ihren Preis. Mit 60.000 Dollar richtet sie sich an professionelle Produktionen, die zu den ersten gehören wollen, die diesen Markt erobern.

Jérôme Lefèvre / Redaktion handytarife.de