Mobilfunkfrequenzen versteigert – Verlierer E-Plus

Die flächendeckende Versorgung Deutschlands mit schnellen mobilen Internet-Zugängen ist einen großen Schritt näher gerückt. Nun ist bei der Bundesnetzagentur die Auktion von Mobilfunk-Frequenzen beendet worden. Verlierer der Auktion ist Deutschlands kleinster Mobilfunkanbieter E-Plus.

E-Plus© Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
21.05.2010, 11:34 Uhr

Besonders begehrt waren die Frequenzen aus der so genannten Digitalen Dividende im Bereich von 800 Megahertz. Sie sind durch die Digitalisierung des terrestrischen Rundfunks frei geworden und eignen sich besonders gut für eine Versorgung dünn besiedelter Regionen mit Breitband-Internet.
In diesem Frequenzbereich waren die Unternehmen Deutsche Telekom, Telefonica o2 und Vodafone mit ihren Geboten erfolgreich und werden insgesamt 4,4 Milliarden Euro an den Bund bezahlen. Vodafone zahlt mit 1,43 Mrd. Euro den höchsten Betrag. Darauf folgte Telefonica o2 mit einem Gebot im Wert von 1,38 Mrd. Euro. Die Telekom bot 1,3 Mrd. Euro. E-Plus hat durch den Verzichtes auf die teureren LTE-Lizenzen bei der Versteigerung nur 284 Millionen Euro gezahlt.
E-Plus: Schnelles Internet nur in Städten?
E-Plus konnte keine 800er-Frequenzpakete ersteigern und muss daher zukünftig eine andere Strategie als die Wettbewerber fahren. "Dadurch, dass sie keine 800er-Frequenz haben, wird es E-Plus schwer fallen, deutschlandweit mobile Datendienste anzubieten", sagte Matthew Bloxham, Analyst der Deutschen Bank, der FTD. Funkwellen im Bereich von 800 Megahertz strahlen weiter als andere und wären dadurch insbesondere für den Netzausbau in ländlichen Gebieten interessant gewesen. E-Plus dürfte künftig darauf setzen, Datendienste in Ballungszentren anzubieten und mit aggressiven Preisen gegen die Konkurrenz anzutreten.
Einzige Möglichkeit für Breitband-Versorgung
„Die Gebote zeigen, wie groß der Bedarf an neuen Frequenzen unterhalb von einem Gigahertz ist. Nur mit diesen Frequenzen ist eine schnelle und effiziente Versorgung ländlicher Regionen möglich“, sagte BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer. Die jetzt erfolgreichen Netzbetreiber hatten bereits im Vorfeld zugesagt, die unversorgten Regionen vorrangig auszubauen. Die Bundesnetzagentur hat zudem strenge Ausbauverpflichtungen erlassen. In Deutschland gibt es noch rund 700 Kommunen, in denen Breitband für die Mehrzahl der Haushalte nur über Satellit verfügbar ist.
Schnelles Internet für alle
Die Bundesregierung hat sich mit ihrer Breitband-Strategie ehrgeizige Ziele gesetzt: Ende dieses Jahres soll für jeden deutschen Haushalt ein Internet-Zugang mit mindestens einem Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen. Derzeit ist das nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums bei über 96 Prozent der Haushalte der Fall. Ob die vollständige Versorgung bis zum Jahresende trotz der Verzögerungen im Vergabeverfahren noch erreicht werden kann, hängt entscheidend vom weiteren Verlauf der Vergabe und der Lizenzerteilung ab.
Mit der Frequenzauktion wird die Basis für die Mobilfunknetze der nächsten Generation gelegt. Diese neuen, so genannten LTE-Netze, ermöglichen mobile Internet-Geschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde. LTE steht für „Long Term Evolution“.
Jeder fünfte Internet-Nutzer geht mobil ins Netz
Derzeit besitzen rund 64 Prozent aller deutschen Haushalte einen schnellen Internet-Zugang per Festnetz. Bis Ende des Jahres sollen es 68 Prozent werden. Ende 2009 entfielen 22,4 Millionen Breitband-Anschlüsse auf DSL, gut 2,3 Millionen auf TV-Kabel und rund 0,3 Millionen auf andere Technologien wie Glasfaser oder Satellit. Zum Festnetz kommen die Nutzer von mobilem Breitband. Zum Jahreswechsel gab es rund 24 Millionen UMTS-Anschlüsse in Deutschland, ein Anstieg um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Nach einer aktuellen BITKOM-Umfrage geht bereits jeder fünfte Internet-Nutzer mit mobilen Computern wie Laptops oder Netbooks online, jeder zehnte mit dem Handy. Auch der Datenverkehr in den Mobilfunknetzen steigt rasant an. Die drahtlos übertragene Datenmenge hat sich im vergangenen Jahr auf 40 Millionen Gigabyte nahezu vervierfacht.