Nutzer können nicht ohne Handy

Wie häufig und lange nutzt man täglich sein Smartphone? Antworten darauf liefert die App „Menthal“, die von Forschern der Universität Bonn entwickelt wurde. Rund 150.000 Nutzer ließen sich bislang registrieren. Ergebnis: Im Schnitt griffen die Probanden tagsüber ca. alle 12 Minuten zu ihrem Handy und nutzten das Smartphone mehrere Stunden.

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26.06.2014, 15:43 Uhr

Das Smartphone ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – doch wie oft und lang tummelt man sich damit in Sozialen Netzwerken, nutzt Spiele und sonstige Angebote? Hat man die Kontrolle über sein Handy – oder umgekehrt? Jun.-Prof. Alexander Markowetz vom Institut für Informatik III der Universität Bonn hat mit seinem Team und der Abteilung Differentielle und Biologische Psychologie die Android-App „Menthal“ entwickelt, die Mobiltelefonnutzern das wahre Ausmaß des Konsums zeigt. „Selbsteinschätzungen der Nutzer liegen meistens daneben. Menthal liefert dagegen belastbare Daten“, sagt Markowetz. Die Ergebnisse aus einer Vorstudie mit 50 Studenten sind erschreckend: Im Schnitt aktivierten die Probanden ihr Telefon tagsüber etwa alle zwölf Minuten und nutzten das Smartphone teils mehrere Stunden.
Weiterführende Links:
  Neue App warnt vor Handy-Sucht
  Download der Menthal App
Wer eine „digitale Diät“ machen möchte, findet mit Menthal die dazu passende Waage. Der Ansturm auf die kostenlose App ist enorm: „In wenigen Monaten registrierten sich rund 150.000 Nutzer – selbstverständlich anonym“, berichtet der Juniorprofessor. Zunächst hoffen die Forscher, damit Nutzern direkt im Umgang mit ihren Telefonen zu helfen. Gleichzeitig erforschen sie im Rahmen einer offiziell angemeldeten Studie, wie Nutzer typischerweise mit ihren Telefonen umgehen. Mit Menthal haben sie damit eine weltweit einmalige Datenbasis geschaffen. Eines der zentralen Ziele ist beispielsweise die Entwicklung „digitaler Diäten“, die helfen sollen, den Handykonsum zu reduzieren. Außerdem soll die App der nächsten Generation nach schädlichen Nutzungsmustern suchen und aktiv davor warnen.
Server mit Datenerfassung überlastet
Eine solche wissenschaftliche Auswertung der Daten ist bislang nicht möglich, weil die Server des Forscherteams mit der Aufzeichnung der Nutzerdaten bereits voll ausgelastet sind. „Wenn wir darüber hinaus noch versuchen würden, die Daten wissenschaftlich auszuwerten, würden die Server zusammenbrechen“, sagt Markowetz. Ohne unmittelbare finanzielle Hilfe stehe die gesellschaftlich wichtige und stark nachgefragte App vor dem Aus. Um das Projekt fortzuführen, benötigen die Wissenschaftler unmittelbar Finanzmittel. Mit einem Crowdfunding-Projekt werben sie nun Spenden ein.