Schuldenfalle Handy? Immer mehr Jugendliche betroffen

In den letzten Jahren geraten vor allem junge Mobilfunkkunden aufgrund ihres sorglosen Telefonierverhalten und SMS-Versenden zunehmend in die Schuldenfalle. Die Zahl der verschuldeten Jugendlichen in Deutschland stieg in den letzten Jahren rapide an. Die vielfältige Nutzung des Mobiltelefons mit unter Umständen teuren 0190er-Nummern für attraktive Klingeltöne, Witze, Logos oder SMS und der schnelle Anruf bei Freunden treiben die Kosten rasch in die Höhe. Hinzu kommt, dass nach Meinung der Verbraucherzentralen die eingeblendeten Informationen über den Preis und die Vertragsbedingungen während der TV-Werbspots oft zu klein und zu kurz erscheinen, so dass der Kunde im Unklaren über die finanziellen Folgen gelassen wird.

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15.06.2005, 15:39 Uhr

Flirten und Chatten per Handy oder das Herunterladen von Klingeltönen und Logos sind vor allem für Jugendliche reizvoll. Werden diese Dienste über so genannte Premium SMS genutzt, kann man im Handumdrehen in die Schuldenfalle geraten. Bei einer Premium SMS sendet man ein angegebenes Kennwort per SMS an eine fünfstellige Service-Kurzwahl. Bis zu vier Euro werden dann fällig, auch wenn die SMS sehr kurz ist. Handyrechnungen von mehreren hundert Euro sind im Extremfall die Folge.
Im Gegensatz dazu kann bei Prepaid-Karten stets nur das bereits im Voraus bezahlte Guthaben abtelefoniert werden. Dies stellt sowohl für den Benutzer als auch den Provider einen hohen Sicherheitsgrad dar. Der Benutzer ist dadurch gegen Verschuldung geschützt und der Provider erspart sich eventuelle Mahnverfahren aufgrund nicht erfolgter Bezahlung.
Bei den normalen Handy-Verträgen dagegen wird praktisch auf Kredit telefoniert, da die Rechnung erst im Nachhinein kommt. Der beispielhafte Ablauf eines Mahn-/Inkassoverfahrens sieht dann so aus: Wird eine Rechnung nicht bezahlt, wartet der Provider zunächst einen Monat, um den Kunden mit einem Schreiben an die vergessene Rechnung zu erinnern. Erfolgt innerhalb von zehn Tagen kein Zahlungseingang, erhält der Kunde die erste Mahnung. Außerdem kann er ab diesem Zeitpunkt nicht mehr mit seinem Handy anrufen, sondern nur noch Anrufe empfangen. Ca. 10 Tage später folgt die zweite Mahnung. Wenn auch dann eine Reaktion ausbleibt, wird das Handy im nächsten Schritt für ankommende Anrufe gesperrt. Vier Wochen später wird der Vorgang einem Inkasso-Unternehmen übergeben.
Hier wird verständlich, weshalb Provider sich inzwischen per Abfrage über die SCHUFA über die Kreditwürdigkeit der einzelnen Mobilfunkkunden informieren, um finanzielle Ausfälle von vorneherein zu minimieren. Dabei sind bewusst angelegte Betrugsfälle in höheren Größenordnungen noch nicht berücksichtigt.
Die Auskünfte von der SCHUFA beinhalten Angaben zu natürlichen Personen, Informationen über nicht vertragsgemäße Abwicklungen von Geschäften sowie Daten aus öffentlichen Verzeichnissen und amtlichen Bekanntmachungen (bspw. also über unbezahlte Forderungen, Konto-Mißbrauch o.ä.).
Die Tipps von handytarife.de zum kostenbewussten Telefonieren:

  • Bei Angeboten, die per SMS bezahlt werden sollen, genau auf den kompletten (End-) Preis achten
  • Von "Chats" oder "Flirts" per SMS lieber generell die Finger lassen
  • Auf SMS oder Kurzanrufe mit direktem Auflegen von Unbekannten nicht antworten
  • Generell beim Beantworten von SMS auf die Nummer schauen: Ist es eine fünfstellige Premium- SMS-Nummer oder eine 0190er-Nummer?
  • Obwohl die Tarifpreise von Mobilfunkverträgen zunehmend günstiger werden, sollten sich Eltern gut überlegen, ob sie für ihre Kinder unter 18 Jahren einen Vertrag abschließen
  • Wenn sie sich für ein Vertrag entscheiden sollte es ein Vertrag mit monatlich begrenzbarem Tarifbudget oder eine Prepaid-Lösung sein