Smartphone-Markt: Überholt Microsoft Apple?

Hase und Igel, der ständige Wettlauf um Kunden und Marktanteile: iPhone-Erfinder Apple war meist einen Schritt vor der Konkurrenz, nicht unbedingt bei den Handy-Features, sondern insbesondere bei Bedienung, Design und der Verknüpfung mit weiteren Diensten. Rein auf den Marktanteil bezogen hat Windows aber aufgeholt, so ein Experte.

Apple© Apple
31.05.2014, 17:58 Uhr

Eine "stark wachsende Nachfrage" nach Smartphones von Microsoft hat Mobilfunk-Experte Raimund Hahn von der Rhino Inter Group festgestellt. "Rund um den Globus gewinnt Microsoft Phone derzeit erhebliche Marktanteile hinzu, während Apple sukzessive verliert".
Microsoft zu früh als Verlierer ausgezählt
In 24 Staaten hat Microsoft Phone nach Recherchen der Großhandelsgruppe bereits einen höheren Marktanteil als Apple, darunter bevölkerungsreiche Länder wie Indien. Auch in Europa sieht die Rhino Inter Group Microsoft Phone auf dem Vormarsch. Vorreiter sei Italien: Während Apple im letzten Jahr einen Marktanteilsverlust von über acht Prozent auf insgesamt 10,1 Prozent hinnehmen musste, habe Windows Phone mit vier Prozent Zuwachs beim Marktanteil Apple überholt.
Eine ähnliche Entwicklung sagen die Experten in den nächsten Jahren für Deutschland voraus: Im letzten Jahr hatte Apple hierzulande Einbußen von rund 1,6 Prozent zu verzeichnen, während Microsoft Phone um vier Prozent auf 6,3 Prozent Marktanteil zulegen konnte. "Im Hype um neue Produkte wie das iPhone 6 und den öffentlichen Zweikampf zwischen Apple und Samsung wird leicht übersehen, dass Microsoft auf die Überholspur gewechselt ist und sich anschickt, den Smartphone-Markt zusehends aufzurollen", analysiert Raimund Hahn.
Preisgestaltung entscheidender Faktor
Als wesentlichen Grund für das allmähliche Vordringen von Microsoft nennt der Rhino-CEO die Preisgestaltung. "Microsoft Phones kosten im Schnitt nicht einmal die Hälfte eines iPhones", rechnet der Mobilfunkexperte vor. Bei dieser Modellrechnung wird ein Windows Phone mit rund 220 Euro und ein iPhone mit durchschnittlich 480 Euro angesetzt. Weitere wesentliche Ursache für Microsofts Erfolg: App-Käufe werden bei Microsoft direkt von der Telefongesellschaft eingezogen statt wie bei Apple über ein Kreditkartenkonto oder einen Prepaid-Code. Der Vorteil laut Hahn: "Ausnahmslos jeder Smartphone-Nutzer hat eine Telefongesellschaft für die Abrechnung, muss sich also nicht um Kreditkarte oder Codes kümmern. Gerade in Schwellenländern sind Kreditkarten nicht sonderlich weit verbreitet".
Der Mobilfunkexperte geht davon aus, dass über dieses sogenannte "Carrier Billing" heute schon etwa viermal mehr App-Umsatz generiert wird als über Kreditkarten. "Apples 800 Millionen Kundenkonten mit Kreditkartendaten relativieren sich angesichts von über sechs Milliarden für Carrier Billing verfügbaren Mobilfunkanschlüssen weltweit", gibt Raimund Hahn zu bedenken.
"Viele Beobachter des Mobilfunkmarktes haben Microsoft unter der Ära von Steve Ballmer zu früh als Verlierer ausgezählt. Dem neuen CEO Satya Nadella könnte tatsächlich gelingen, was kaum noch einer geglaubt hat, nämlich Microsoft zu neuer Stärke im Mobilfunkmarkt zu verhelfen", meint Raimund Hahn.