Smartphone Ortung: Bewegungsdaten abschalten?

Spätestens, seit kurz vor Ostern 2011 bekannt wurde, dass iPhone-Nutzern mit der Zeit recht detaillierte Bewegungsprofile nachzuweisen sind, ist das Thema Datenschutz auf dem Handy wieder in den Medien angelangt. Sogenannte Local Based Services nutzen allerdings zahlreiche Smartphone-Betriebssysteme.

Smartphone im Café© Drobot Dean / Fotolia.com
29.04.2011, 10:43 Uhr

Apple-Chef Steve Jobs äußerte sich dieser Tage noch verwundert zu den neuesten Erkenntnissen über „sein“ iPhone. „Der Bug überraschte uns selbst“, sagte er dem Wall Street Journal – ein Softwarefehler also? Darüber streiten nun Hersteller, Sicherheitsexperten und die Medienlandschaft gleichermaßen. Fakt ist: Das iPhone meldet auch, während man keine aktive App nutzt, wo man sich befindet. Immerhin gesteht sich Apple gerade Fehler bei der Kommunikation dieser Tatsachen ein.
Als nächstes Betriebssystem wäre Android zu nennen. Auch das Google-nahe Betriebssystem speichert Bewegungsdaten. Das ist kein Geheimnis und entspricht zudem auch dem Kerngeschäft des Unternehmens. Die Einwilligung zum Ansammeln von Daten erteilt der Nutzer dem Smartphone bereits vor dem ersten Gebrauch des Geräts. Will der Nutzer nun die umfangreiche Palette an Google-Zusatzprogrammen nutzen, muss er zähneknirschend akzeptieren, dass sein Android-Gerät Bewegungsdaten speichert. Diese lassen sich allerdings, anders als beim iPhone, weniger einfach auslesen und sind nicht über einen derart langen Zeitraum abrufbar.
„Jedes Smartphone sammelt“
Fest steht: Die Tatsache, dass Smartphones Daten sammeln, ist keine Überraschung. „Vermutlich sammelt jedes Smartphone, egal ob Android oder WP7“, vermuten die Macher vom windowsblog.at. Zumindest die Ortungsfunktion lässt sich unter  Windows Phone 7 mit dem berühmten Fingerwisch schnell abstellen.
Beim Nokia-Navigationsdienst Ovi besteht die Möglichkeit, schon vor Reisebeginn das komplette Kartenmaterial auf das Handy zu übertragen. So kann unterwegs getrost auf Assisted-GPS verzichtet werden, da das integrierte GPS-Modul von Nokia-Handys dann lediglich als Empfänger arbeitet. Ob man damit allerdings völlig der Datenspeicherung entgehen kann, bleibt zumindest fraglich.
Bei BlackBerry blieb man uns bis zum Erscheinen dieses Beitrags einer Antwort schuldig. Wir hoffen aber, Informationen schnellstmöglich nachreichen zu können.

Starenkasten effektiver eingesetzt

In abgewandelter, aber genauso besorgniserregender Form, mischte die niederländische Polizei beim Thema Bewegungsdaten mit. Kürzlich wurde bekannt, dass TomTom als Hersteller von Navigationsgeräten Bewegungsdaten seiner Kunden verkaufe, damit die Staatsmacht unserer Nachbarn anhand der erhobenen, immerhin anonymen Datensätze, Radarfallen „lohnenswerter“ aufstellen könne. Rechtlich einwandfrei wohlgemerkt, da TomTom einen entsprechenden Passus in den allgemeinen Geschäftsbedingungen führt. Auch in Deutschland wäre daher ein solches Szenario denkbar. Umgesetzt wurde es bisher noch nicht.

Statusmeldungen sorgfältig lesen

Aktuelle ist der viel zitierte „Datensammelwut“ der Hersteller recht wenig entgegenzusetzen, möchte man nicht auf die vielen Möglichkeiten seines Smartphones verzichten. Nutzungsdaten irgendeiner Form sammeln fast alle. Politiker streben Gesetzentwürfe an, die Speicherdauer sämtlicher ermittelten Bewegungsdaten einzuschränken. Wöchentlich, so der Vorschlag, sollen dann die angesammelten Datenbestände gelöscht werden. Datensicherheit ist und bleibt ein wichtiges Thema in der Mobilfunkbranche.

Bis dahin gilt es, sämtliche Systemmeldungen der eingesetzten Smartphones, egal welchen Herstellers, sorgfältig zu lesen. So beugt man unangenehmen Überraschungen zumindest vor und weiß, worauf man sich einlässt. In einem separaten Artikel stellt handytarife.de weitere Informationen zu den wichtigsten Handy-Betriebssystemen bereit.
Smartphone-Nutzern, die nicht geortet werden möchten, sei zudem ans Herz gelegt, ihr Gerät hin und wieder einfach mal für ein paar Stunden auszuschalten.