Ubuntu Edge: Kommt genug Geld zusammen?

Auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo läuft in Kürze die vom Investitionsvolumen größte und wohl auch ambitionierteste Kampagne aus. Worum es sich bei dem Ubuntu Edge handelt und wie es funktioniert versucht die Redaktion von handytarife.de auf Grundlage der teilweise vagen Informationen zu erklären.

Handy Tarifvergleich© George Dolgikh / Fotolia.com
14.08.2013, 14:30 Uhr

Cloud-Computing wird mehr und mehr genutzt. Die Idee weltweit jederzeit auf einen Datenspeicher zugreifen zu können erscheint sinnvoll. Das fängt mit dem in der Cloud gespeicherten Adressbuch an. Notizbücher, die beispielsweise den Einkaufzettel enthalten und stets aktualisiert werden können, auch von mehreren Verwendern, ermöglichen, dass der Hausmann von zu Hause noch etwas in die Einkaufliste einfügt, damit die Karrierefrau auf dem Heimweg aus dem Büro noch ein paar Besorgungen machen kann.

Unternehmen nutzen die Cloud auch um Programme Standortunabhängig zugänglich zu machen. In den privaten Haushalt hält diese Entwicklung zum Beispiel mit Abo-Modellen von Microsoft Office 365 und Adobe CC Einzug. Um auf die Cloud zuzugreifen, benötigt man aber einen Zugang zum Internet. Außerdem sollte man das Speichern von sensiblen Daten auf Servern, nicht zuletzt durch Edward Snowden, mit gesunder Skepsis zu betrachten.

AVM bietet mit den neuen Fritzbox-Modellen mittlerweile die Möglichkeit zu Hause eine Festplatte anzuschließen und auf diese per Browser oder eigener App zuzugreifen. Damit bleibt der Speicher zwar physisch im eigenen Machtbereich, doch gleichzeitig setzt es auch vom Benutzer das Know-how voraus, die eigenen Daten zu schützen. Fraglich ist dabei sowieso, ob das jeweilige Gerät, von dem aus ich auf die Cloud zugreife kompatibel ist. Kompatibel mit den abrufbaren Daten und auch mit dem Menschen selber.

Ständige Systemwechsel gehen nicht immer leicht von der Hand. Sei es beim Smartphone, wenn man mal Windows Phone und mal Android benutzt oder am PC von Windows zu Appel wechselt. Wie wäre es also, wenn man alles mit ein und demselben Gerät machen würde? Denken wir an das Asus Padfone Infinity, das ein Smartphone ist, welches man in ein Tablet verwandeln kann, indem man es in eine dafür vorgesehene Docking-Station einsteckt. Das Smartphone ist der Rechner der 10 Zoll Bildschirm die Erweiterung.

Treibt man diese Idee nun auf die Spitze, landet man bei einer Firma namens Canonical. Das Vorhaben dieses Unternehmens ist kein geringeres, als das innovativste Smartphone der Welt zu bauen. Die Technik soll so aktuell sein, dass man die Spezifikationen nicht genau nennt, beziehungsweise sich vorbehält, diese nach oben anzupassen. Man will an den Rand des Möglichen, uns so trägt das geplante Handy den Namen Ubuntu Edge.
Handy und Smartphone scheinen aber Begriffe zu sein, die dem Ubuntu Edge nicht gerecht werden, denn man trägt damit nicht nur ein Telefon mit Apps mit sich herum, sondern einen vollwertigen Rechner, der den PC zu Hause ersetzen soll. Canonical spricht von der Formel 1 der Smartphones. Man möchte einer begrenzten Anzahl von Enthusiasten die Möglichkeit geben, die modernste Technik in den Händen zu halten, die so modern ist, dass sich Massenhersteller noch nicht trauen sie einzusetzen.
Wie funktioniert das? Zunächst wird die potenteste Hardware verbaut, die man bekommen kann. Das bedeutet aktuell: Der Prozessor wird nicht genau spezifiziert, weil man die neusten Entwicklungen abwarten will. Der unbekannten CPU sollen 4 GB Arbeitsspeicher zur Seite gestellt werden. Der interne Speicher soll sich auf 128 GB belaufen. Der Display wird 4,5 Zoll groß und liegt unter Saphir-Glas, das man nur zerkratzen kann, wenn man Diamanten in der Hosentasche mit sich herum trägt.

Bei der Auflösung des Displays sollen aber Abstriche gemacht werden, da man bei Canonical das Wettrennen um die Pixeldichte so nicht mitmachen will. Sie sehen darin einen ähnlichen Wettkampf, wie bei Digitalkameras vor ein paar Jahren um mehr und mehr Megapixel und wollen mit einem HD-Display mit 720 mal 1280 Pixeln vor allem auf Farbtreue und Kontrast setzen.LTE soll dank zwei Antennen weltweit nutzbar gemacht werden und es werden Stereo-Lautsprecher verbaut.
Die Kamera auf der Rückseite soll mit 8 Megapixeln auflösen, von einer Foto-LED unterstützt werden und auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut funktionieren. Auf der Front sitzt eine 2 Megapixel Kamera. Bluetooth 4.0 soll unterstützt werden, genauso wie NFC. Als WLAN-Standard ist 802.11n mit 2,4 und 5 GHz angegeben, wobei hier noch auf den ac-Standard aufgerüstet werden sollte, wenn man schon an die Grenzen gehen will.
Zwei Mikrofone sollen für klare Verständlichkeit, dank aktiver Geräuschunterdrückung, sorgen. Eine 3,5 mm Klinkenbuchse findet man ebenfalls in dem 124 Millimeter mal 64 Millimeter mal 9 Millimeter großen Smartphone. Unscheinbar aber wichtig wird nun folgendes aus dem Datenblatt: „11-pin connector providing simultaneous MHL and USB OTG“. Damit ist ein und dieselbe Buchse als Micro-USB- und Mini-HDMI-Anschluss vorhanden.
Das können zwar aktuelle Smartphones auch schon, doch wofür man das mit dem Ubuntu Edge nutzen kann, könnte den Anfang der Zukunft bedeuten. Auf dem Edge ist zunächst Android als Betriebssystem installiert sein. Wenn nun aber das Handy an einen HDMI-Monitor anschließt, sieht man als vollwertiges Betriebssystem Ubuntu Desktop auf dem angeschlossenen Bildschirm.

Während dessen kann man sein Smartphone normal weiter benutzen und alle Android-Apps können auch mit Ubuntu Desktop verwendet werden. Ein für nach der Auslieferung geplantes Update soll dann auch noch Ubuntu Phone installieren, sodass man das Betriebssystem des Telefons wählen kann, aber auch in Ubuntu Phone die Android-Apps nutzen kann. Ubuntu Phone wurde Anfang 2013 auf der CES in Las Vegas vorgestellt und wird nur über Gesten gesteuert, sodass es ohne Hard- und Soft-Keys auskommt.
Bis auf ein Thermometer sind alle erdenklichen Sensoren verbaut. Beim Akku soll eine neue, bisher kaum getestete, Technik zum Einsatz kommen. Der Lithium-Ionen-Akkumulator wird mit Silikon-Anoden ausgestattet. Diese sollen im Gegensatz zu herkömmlichen Graphit-Anoden nicht nur ausdauernder sein, sondern auch wesentlich mehr Ladezyklen überstehen.
Das Ubuntu Edge soll nicht auf dem freien Markt erhältlich sein. Um einer der erlesenen Enthusiasten zu werden, der ein solches Handy bekommt, muss man sich auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo an dem Projekt beteiligen. Für 695 Dollar kauft man sich ein und soll ab Mai 2014 ein Edge zugesendet bekommen. Wenn man, wie Bloomberg aus den USA, gleich 115 Smartphones haben möchte, zahlt man lediglich 80.000 Dollar. Die Kampagne läuft noch bis zum 21. August. Zurzeit fehlen zur Verwirklichung noch über 22 Millionen Dollar!
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