UPDATE: Anbieter o2 will Bewegungsdaten vermarkten

Der spanische Telefon-Konzern Telefonica, auf dem deutschen Handy-Markt aktiv mit seiner Marke o2, will erstmals Bestandsdaten mit Bewegungsdaten seiner Nutzer verknüpfen, berichtet der HR. Diese Datenpakete will der Konzern dann an die Werbeindustrie weitergeben. Datenschützer warnen vor Nutzung "hochsensibler Daten".

o2© Telefónica
31.10.2012, 10:14 Uhr

Die Aussicht klingt verlockend: Welcher Geschäftsmann wüsste nicht gerne mehr über jene Personen, die gerade vor dem Schaufenster oder in seinem Laden stehen? Genau das will der spanische Telekommunikationskonzern Telefonica nach Recherchen von hr-iNFO künftig möglich machen, indem er Daten seiner Nutzer zum Kauf anbieten will. Die Idee: Relevante Informationen wie Alter und Geschlecht eines Handy-Nutzers werden verknüpft mit seinem aktuellen Aufenthaltsort. Und dieses Paket wird Händlern angeboten, "um ihre Geschäftstätigkeiten besser zu planen", wie es in einer schriftlichen Stellungnahme von Telefonica Deutschland heißt.
 Handy überwachen - geht das?
Um diese Idee in die Tat umzusetzen, hat das Unternehmen einen eigenen Geschäftszweig in London gegründet. Mit Hilfe des Telefonica-Programms "Smart Steps" können Unternehmer unter anderem herausfinden, wer ihre Geschäfte besucht, aus welcher Richtung die Besucher kommen und wie lange sie sich dort aufhalten.
Mit beteiligt an dem Projekt ist auch die "Gesellschaft für Konsumforschung" (GfK). Die GfK bestätigt, dass der Einsatz von "Smart Steps" auch in Deutschland geplant sei. Die Telefonica-Zentrale teilte dazu auf Anfrage von hr-iNFO schriftlich mit: "Wann oder in welcher Form ein solches Projekt in Deutschland eingeführt wird, steht noch nicht fest. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir aus wettbewerblichen Gründen keine weiteren Ausführungen zu dem Vorhaben machen können."
 Datensicherheit bei Smartphones
Allerdings würden für Smart Steps "ausschließlich anonymisierte Daten" genutzt, Telefonica halte sich "grundsätzlich an die gesetzlich vorgegebenen und länderspezifischen datenschutzrechtlichen Bestimmungen".
Trotzdem sind Datenschützer in Deutschland alarmiert. Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, warnt: "Standortdaten sind hochsensibel, weil eben über sie eindeutig erkennbar ist, wo sich jemand aufhält. Insofern sehe ich es mit großen Bauchschmerzen, dass jetzt offensichtlich Telekommunikations-Unternehmen versuchen, diese Daten in die Welt zu streuen. Vermarktung und Werbung sind nun wirklich Zwecke, die definitiv fragwürdig sind, und für die diese sensiblen Daten nicht genutzt werden sollten".
UPDATE 2.11.2012:
Inzwischen hat sich o2 entscheiden, den umstrittenen Dienst in Deutschland nicht einzusetzen! Auch rechtlich gesehen hätte die Aktion wohl zu erheblichen Problemen geführt und wäre nicht genehmigt worden, so das Wirtschaftsministerium.