Verbraucherzentralen kritisieren Ethno-Handytarife

Viele Mobilfunkanbieter, die sich mit sogenannten Ethno-Tarifen gezielt an russisch- und türkischsprachige Migranten wenden, verstoßen gegen Verbraucherrechte. Das ergibt ein Marktcheck der Verbraucherzentralen, der kürzlich präsentiert wurde. Zudem seien die Angebote wenig transparent, so die Kritik.

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14.12.2014, 12:52 Uhr

„Alle untersuchten Ethno-Mobilfunktarife beinhalten zahlreiche Kostenfallen und sind intransparent“, fasste Eva Bell das Ergebnis des Marktchecks zusammen. Hier werde eine ganze Verbrauchergruppe mit wettbewerbsrechtlichen Verstößen und Lockangeboten in die Irre geführt. Der Marktcheck der Verbraucherzentralen solle in diesem Zusammenhang die Transparenz erhöhen.
  Telefonieren mit dem Handy ins Ausland
Zwischen Mitte Juni und Ende Juli 2014 untersuchten die Verbraucherzentralen Berlin, Hamburg und Bremen zehn Ethno-Tarife von fünf häufig genutzten Mobilfunkanbietern in die Türkei und in die Russische Föderation. Geprüft wurden die transparente Darstellung der Preise, die leichte Zugänglichkeit der AGB, die Widerrufsbelehrungen, die Mehrsprachigkeit von Webseiten und Kundenhotlines sowie Datenschutzerklärungen und Pflichtangaben im Impressum. Außerdem wurden die Darstellung von Mindestvertragslaufzeiten und monatlich anfallenden Kosten sowie die Verfügbarkeit von 12-monatigen Vertragslaufzeiten überprüft. Neben den Rechtsverstößen fanden die Verbraucherschützer weitere kritisch zu beurteilende Praktiken – so u.a. eine verwirrende Gestaltung der Webseiten und fehlende muttersprachliche Informationsmaterialien.
„Der Marktcheck zeigt, dass wir eine rasche Verabschiedung und Umsetzung der Telekommunikations-Transparenzverordnung brauchen“, erklärte Bell. Insbesondere die Verpflichtung zum Informationsblatt werde mehr Licht in den Tarifdschungel bringen. „Darüber hinaus benötigen wir mehr Information und Aufklärung für Migrantinnen und Migranten zu ihren Verbraucherrechten“, so Bell weiter.
Eventuell Möglichkeit zur Kündigung
Einen konkreten Tipp hat die Verbraucherzentrale für alle Nutzerinnen und Nutzer, die einen der überprüften Ethno-Tarife für Gespräche nach Russland und in die Türkei abgeschlossen haben: "Alle seit Mitte Juni untersuchten Tarife enthielten keine gültigen Widerrufsbelehrungen", so Bell. "Verbraucher, die die untersuchten Tarife abgeschlossen haben, können diese daher noch widerrufen. Bei älteren Verträgen lohnt sich eine rechtliche Überprüfung."
Der Marktcheck wurde im Rahmen des Projektes „Migranten und Verbraucherschutz in digitalen Märkten“ durchgeführt. Das Projekt wird vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert und von der Verbraucherzentrale Berlin in Kooperation mit den Verbraucherzentralen Hamburg und Bremen durchgeführt. Ziel des Projektes ist es, türkisch- und russischstämmige Konsumenten über Verbraucherrechte, Markt- und Beratungsangebote in digitalen Märkten aufzuklären.