Wikipedia wird abgeschaltet

Bevor Sie jetzt verzweifelt anfangen alle 2.283.814 enzoklopädischen Artikel auszudrucken und für die Nachwelt zu sichern - die Abschaltung dauert nur 24 Stunden. Damit möchten die Wikipedia-Aktiven ein Zeichen gegen die Einführung der umstrittenen Artikel 11 und 13 durch die Urheberrechtsreform der EU setzen.

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20.03.2019, 15:02 Uhr

Am 26. März könnte das EU-Parlament über die Urheberrechtsreform abstimmen, gegen die vielerorts demonstriert wird. Obwohl für Wikipedia als Enzyklopädie eine Ausnahme von Artikel 13 in den Gesetzentwurf geschrieben wurde, wird die deutschsprachige Seite als Protest am 21. März für 24 Stunden abgeschaltet.

Netz der FIlter

Wikipedia setzt sich für freies Wissen und ein freies Netz ein. Wissen soll über das Internet möglichst ungehindert geteilt werden können. Die Umstellung auf eine direkte Haftung für Plattformbetreiber unterstützt die Wikipedia-Community deswegen nicht.

Betroffen könnte Wikipedia allerdings auch mit der Einführung von Artikel 11 sein. Ein eigenes Schutzrecht für Presseverleger soll Textteile (sogenannte Snippets) unterbinden. Unklarheiten erzeugt das vor allem für belegende Zitate in der Wikipedia, die auch kurze Auszüge von Presse-Artikeln enthalten. Durch Artikel 11 droht außerdem die Abschaltung von Google News, wie es in Spanien schon passiert ist.

Federführend ist Axel Voss von der CDU im Europa Parlament, der Vice ein Interview gegeben hat. Angesprochen auf die mögliche Lösung per Uploadfilter das Hochladen von gschützten Inhalten zu unterbinden sagte er: "Hinsichtlich der technischen Lösungen sagen wir: Ja, es kann sein, dass was blockiert wird, was nicht blockiert werden soll. Man muss schon davon ausgehen, dass das nicht 100 Prozent funktioniert. Ich bin kein Techniker und kann Ihnen auch nicht erklären, ob man Remixe dann wirklich so gut unterscheiden kann. Aber bei Google, da gibt's ja noch die Seite, wo man Memes anklicken kann, eine richtige Rubrik."

Axel Voss kämpft für die Refom

Die Autorin von Vice stellte außerdem die Frage: "Es gibt durchaus alternative Vorschläge für ein neues Urheberrecht, zum Beispiel Fair Use, was Nutzerinnen und Nutzern deutlich mehr Rechte einräumt, wenn sie aus urheberrechtlich geschütztem Material etwas Eigenes erschaffen. Was halten Sie davon?"
Darauf antwortete Voss: "Da könnte man mal drüber nachdenken. Aber das passt nicht so richtig in unser System."

Nachgedacht haben könnte man darüber schon längst, denn die Europa-Abgeordnete Julia Reda hatte einen solchen Vorschlag bereits 2015 eingebracht. Gestärkt werden durch die Reform die Verwertungsgesellschaften, wie es Joe McNamee in einem übersetzten Gastbeitrag auf netzpolitik.org treffend zusammenfasst. Ist das die späte Rache der GEMA für den zähen Streit mit Google über Musik-Videos, die vergütet werden sollten?

Auf der Startseite der GEMA befinden sich derzeit 28 Beiträge, von denen 11 die Notwendigkeit der Urheberrechtsreform adressieren. Die Idee des "user generated content" - also des Uploads von durch Nutzern angefertigter Inhalte - hat die GEMA anscheinend nicht verstanden, so vergleicht der Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Ralf Weigand Plattformen wie YouTube mit Fernsehsendern, die eigene Lizenzverträge mit den Verwertungsgesellschaften abschließen.

Verkannt wir dabei, dass die Youtuber die Medienschaffenden sind, die sich gefälligst an das Urheberrecht zu halten habe. YouTube kann zur Mitwirkung bzw. Herausgabe von Daten des Uploaders verpflichtet werden, damit Urheber ihre Rechte geltend machen können, aber auch laut Axel Voss ist ein sogenanntes overblocking zu befürchten, also dass durch die Plattformen lieber zu viel zu blockiert wird, als die Gefahr einzugehen, haftbar gemacht zu werden.

Jérôme Lefèvre / Redaktion handytarife.de