Zukunfts-Studie: Daten verdrängen Telefonate

Fast zwei Drittel der Deutschen haben ein Smartphone, mobiles Internet gehört zum Alltag, Sprach-Telefonie wird bald zur Randerscheinung werden. Traditionelle Preismodelle werden den veränderten Anforderungen immer weniger gerecht. Zeitgemäße Handytarife müssen dem neuen Nutzungsschwerpunkt Mobile Data unmittelbar Rechnung tragen.

Handytarife vergleichen© Viktor Hanacek / picjumbo.com
28.11.2013, 12:13 Uhr

Innerhalb der nächsten vier Jahre wird sich das Verhältnis von mobiler Sprachkommunikation und Datennutzung vollständig gedreht haben - fast 70 Prozent der Umsätze werden dann mit Datendiensten erwirtschaftet. Dabei werden "One size fits all"-Lösungen den unterschiedlichen Nutzeranforderungen immer weniger gerecht. Gefragt sind neue Tarife, die dem Verbraucherwunsch nach einer individuellen Tarifgestaltung nachkommen. Zurzeit mangelt es aus Nutzersicht bei Mobile-Data-Verträgen an Transparenz. Verantwortlich dafür sind unter anderem die existierenden "Daten-Flatrates", die keineswegs unbegrenzten Datenkonsum erlauben. Attraktiv aus Anbietersicht ist, dass über den Faktor Geschwindigkeit sowie über zusätzlich genutzte Endgeräte eine höhere Zahlungsbereitschaft generiert werden kann. Sie ermöglichen eine nach Volumen, Bandbreite und Hardware differenzierte Tarifgestaltung, wie der Deloitte-Report "Mobile á la carte - innovative Tarifmodelle für die Mobile-Data-Gesellschaft" zeigt.
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"Mobile Devices werden immer stärker zum Daten-Download genutzt - und immer weniger zum Telefonieren. Verbraucher wünschen sich maßgeschneiderte Handytarife, die ihren individuellen Datenkonsum berücksichtigen. Aber neben Transparenz wollen sie auch Übersichtlichkeit. Für die Anbieter kommt es deshalb umso mehr darauf an, den richtigen Weg zwischen Personalisierung und Benutzerfreundlichkeit zu finden", kommentiert Andreas Gentner von Deloitte.
Stimmiges Gesamtpaket
Neue Tarifangebote sollten die zunehmend heterogene Nutzung mobiler Dienste reflektieren - vom technikaffinen Heavy User bis zur breiten Masse. Dabei geht es vor allem um die vier Bausteine Datenvolumen, Bandbreite, Endgeräte und Content. Für die Netzbetreiber steht bei neuen Pricing-Ansätzen, die sich an den vier Bausteinen orientieren, natürlich die Monetarisierung der neuen Nutzungsprofile im Zentrum.
Bisherige sogenannte Flatrates tragen nicht zu mehr Transparenz bei, da sie keineswegs unbegrenzten Daten-Download erlauben. Dennoch gehört der Begriff zum Basisrepertoire des Netzbetreiber-Marketings. Nicht immer zum Vorteil des Kunden: Über 40 Prozent der Nutzer kennen ihr Datenvolumen nicht. Eine verständliche Kommunikation ist hier nicht nur sinnvoll, sondern dringend geboten.
Höhere Zahlungsbereitschaft für schnelle Datenverbindung
Aus Kundensicht sind nicht nur Transparenz, sondern leistungsfähige Infrastrukturen maßgeblich. Jedoch fließen bislang Aspekte wie die Geschwindigkeit der Datenverbindung nur unzureichend in Tarifmodelle ein. Um die Zahlungsbereitschaft für Bandbreite zu erhöhen, muss der Faktor Geschwindigkeit deutlich betont werden, sodass Nutzer mehr dafür ausgeben und die Refinanzierung neuer Infrastrukturen ermöglichen. Eine Chance auf mehr Einnahmen bedeutet die Abkehr von der bisherigen Kopplung der Maximalgeschwindigkeit an das gebuchte Datenvolumen.
Multi-SIM: Mehrere Geräte - ein Tarif
Auch die Hardware spielt bei neuen Pricing-Ansätzen eine Rolle. So genannte Multi-Device-Angebote, wie sie in den USA bereits existieren, integrieren mehrere Geräte in einem Tarif und können Zusatzeinnahmen bedeuten, wenn das Einbuchen für den Kunden unproblematisch und bequem ist. Zudem steigert Multi Device die Kundenbindung, da ein Anbieterwechsel deutlich aufwendiger wird.
"All you can App" als Einstieg
In jüngster Vergangenheit hat sich mit "All you can App" vielerorts ein neuer Tariftyp durchgesetzt: unbeschränkter Zugriff auf bestimmte Anwendungen inklusive der Kosten für Inhalte und Datenvolumen. In anderen Märkten haben sich solche Offerten bereits als Einstiegsangebote bewährt. In Europa existiert "All you can App" bislang nur als Premium-Option, beispielsweise für Streaming-Angebote.
"Derzeit haben Kunden keine klare Präferenz für einen bestimmten Mobile-Data-Tarif. Eine Möglichkeit wäre ein 'À-la-carte-Tarif', der nach Volumen und Geschwindigkeit differenziert und dem Kunden Hardware- und Content-Angebote nach Wahl zur Verfügung stellt. In jedem Fall sollten sich Mobilfunkanbieter auf einen erhöhten Beratungsbedarf der Konsumenten einstellen - was im Sinne der Kundenbindung keineswegs von Nachteil sein muss", schließt Andreas Gentner.