Achtung: Handyabzocke – wie Sie sich schützen können

SMS sind im Lauf der Zeit zu einem der beliebtesten Kommunikationsmittel geworden. Kein Wunder also, dass auch immer mehr Betrüger versuchen, sich auf dem Gebiet der Telekommunikation zu bereichern. Mit perfiden Methoden versuchen sie, Handybesitzern das Geld aus der Tasche zu ziehen. handytarife.de zeigt die gängigsten Varianten der Handyabzocke und erklärt, wie man diese und andere Kostenfalle vermeidet.

Handytarife vergleichen© Viktor Hanacek / picjumbo.com
28.04.2010, 11:43 Uhr

Egal ob durch bunte, animierte Handylogos, mit den neusten Charthits als Klingelton, durch Lockanrufe und -kurzmitteilungen oder über die vermeintliche Traumpartnersuche via SMS-Chat – die Varianten, durch die betrügerische Unternehmen versuchen, ihre gutgläubige Kundschaft auszunehmen, sind vielfältig. Und leider fallen viele Verbraucher nach wie vor darauf herein. Nicht zuletzt, weil die Abzocker nicht schlafen, sich stetig an die Neuerungen des Telekommunikationsmarktes anpassen und diese für ihre Zwecke nutzen.
Vorsicht bei Klingeltönen und Handylogos
Gerade bei den bunten Animationen, witzigen Tools und Spielen für das Mobiltelefon ist Vorsicht geboten. Oft erfahren die Kunden erst nach Erhalt der Handyrechnung, wie teuer der süße Hase, der jetzt das Handy ziert, wirklich war. Dabei müssen die Kosten für die Bestellung der Anwendung für das Handy in der Werbung angegeben sein. In den meisten Fällen sind sie das auch, jedoch ist die Schrift oftmals so klein, oder lediglich für wenige Sekunden eingeblendet, dass ein unkritischer Zuschauer diese überhaupt nicht registriert. Ebenso wenig merken viele Nutzer, dass sie sich mit der Bestellung per SMS gleichzeitig für ein Abo angemeldet haben. Verbraucherzentralen raten in solchen Fällen, keinesfalls die geforderten Beträge zu zahlen. Anbieter, die den Preis in der Werbung nicht deutlich angeben, verstoßen gegen das Telekommunikationsgesetz.
Ping-Anrufe und -SMS

Hinter so genannten Ping-Anrufen verbergen sich Lockanrufe, die den Handybesitzer dazu verführen sollen, die fremde Nummer, die das Mobiltelefon als Anruf in Abwesenheit anzeigt, zurückzurufen. Meistens klingelt es lediglich einmal, so dass rechtzeitiges Annehmen des Anrufs von vornherein ausgeschlossen ist. Möchte man wissen, wer der geheimnisvolle Anrufer war, muss man zurückrufen, und so ein Anruf kostet nicht selten mehrere Euro pro Minute. Hierbei sollte immer bedacht werden, dass jemand, der Sie wirklich erreichen will, sein Glück erneut versuchen oder Ihnen eine Nachricht hinterlassen wird.
Diese Art des Betrugs tritt in vielen Varianten auf. Ebenso gut kann es passieren, dass man eine SMS mit Bitte um Rückruf oder SMS-Antwort erhält. Ruft man zurück, werden hohe Kosten fällig. Mit der SMS bestätigt man erneut ein Abo oder einen sonstigen kostenpflichtigen Service.
Ebenfalls kommt es vor, dass man ganz überraschend eine SMS von einer vermeintlich alten Bekannten auf dem Handy vorfindet. Da ziemlich viele Leute eine Sabine, einen Thomas oder einen Alexander kennen, werden solche SMS mit Allerweltsnamen schnell für echt gehalten. Schickt man eine SMS zurück, antwortet nicht der Schulfreund, sondern eine Firma, die sogenannte Premium-SMS verschickt. Diese werden meistens von Nummern mit 5-stelliger Vorwahl abgeschickt. Durch die Antwort-SMS des Handybesitzers weiß der Anbieter, dass die zufällig gewählte Handynummer aktiv ist. Nun können zahlreiche Kurzmitteilungen folgen, die den Empfänger dazu auffordern, eine erotische Bildmitteilung oder andere zwielichtige Services zu aktivieren. Die Betreiber hoffen, dass der Empfänger irgendwann einknickt und antwortet. Tun Sie das auf keinen Fall! Ignorieren Sie diese SMS. Ein guter Hinweis ist zudem, dass es sich bei diesen Kurznachrichten stets um Massenmitteilungen handelt und der Empfänger nie persönlich angesprochen wird. Auch an der 5-stelligen Vorwahl lassen sich solche Betrugs-SMS erkennen.
Nach dem gleichen Prinzip funktionieren übrigens SMS oder Anrufe von einem Tonband, die einen Gewinn versprechen. „Sie haben gewonnen!“ liest oder hört man da und wird aufgefordert, zurückzurufen oder eine SMS zu schicken – danach erhalte man seinen Gewinn. Derartige Versprechen gibt es auch im Festnetz. Genau wie hier sollte man bei einem solchen Anruf einfach auflegen bzw. die SMS ignorieren. Ein seriöses Unternehmen würde seine Gewinner wohl kaum auf diese Art kontaktieren. Abgesehen davon sollte man kurz überlegen, ob man überhaupt an einem Gewinnspiel teilgenommen hat.

SMS-Chats

„Nette Leute per SMS treffen“,  „Die große Liebe ist nur eine SMS entfernt“ - Die TV-Werbungen und kleinen Anzeigen in Zeitungen richten sich an kontaktsuchende Handybesitzer und versprechen SMS-Chats mit realen Personen. Natürlich stecken hinter einem Großteil diese Angebote perfide ausgefeilte Unternehmensstrategien. Oft sind Callcenter für die Beantwortung der eingehenden Kurzmitteilungen zuständig, Antwort-SMS werden häufig sogar standardmäßig von Computern generiert. Manche Unternehmen bezahlen jedoch auch reale Mitarbeiter dafür, dass sie die SMS-Schreiber bei Laune halten, sie psychologisch einschätzen und emotional auf sie eingehen – so werden die Kunden dazu animiert, immer weiter teure SMS zu schicken. Einen echten Kontakt knüpft man dabei natürlich nicht. Das System ist reine Geldschneiderei. Jüngst liefen mehrere Gerichtsverfahren gegen derartige Firmen. Also Finger weg von solchen Angeboten! Seriöse Datingportale verzichten auf derartige Machenschaften.
Wie ist die Gesetzeslage?
Betroffene sind rechtlich gesehen oftmals auf der sicheren Seite. Im Telekommunikationsgesetz sind zahlreiche Verbraucherschutzvorschriften vorgeschrieben, die gerade die Opfer von Handy-Kostenfallen betreffen. Demnach sind die meisten Machenschaften von Abzockerfirmen gesetzlich verboten. So muss beispielsweise ein SMS-Abonnementvertrag vor Abschluss bestätigt werden, was windige Firmen mit den oben beschriebenen Tricks zu erreichen versuchen. Handy-Abos müssen laut Telekommunikationsgesetz innerhalb einer Woche kündbar sein. Eine intensivere Auseinandersetzung mit der bestehenden Rechtlage kann sich also auszahlen. Das Telekommunikationsgesetz gibt es hier zum Download.
Was können Opfer tun?
Verbraucherschützer raten, Handynummern und Adresse keinesfalls bei Umfragen oder Preisausschreiben im Internet anzugeben. Wer eine Rechnung für eine Dienstleistung erhält, die er nicht in Anspruch genommen hat, sollte die Zahlung schlichtweg verweigern. Hat man sich versehentlich mit einem fragwürdigen Anbieter eingelassen, muss nur bezahlt werden, wenn die Kosten vorher klar und deutlich zwischen beiden Seiten vereinbart wurden. Bei unabsichtlichen Abonnements sollte zur Sicherheit stets beim Anbieter gekündigt werden, am besten per Einschreiben mit Rückschein.
Wenn Sie gegen die Betreiber vorgehen möchten, müssen Sie zuvor Beweise sichern. Die empfangenen SMS sollten sicher abgespeichert werden. Danach kann Strafanzeige erstattet werden. Auf jeden Fall beim Mobilfunkprovider Widerspruch gegen die unrechtmäßig erhobenen Gebühren einlegen. Bei unfreiwillig abgeschlossenen Verträgen sollten Sie mit der Zuhilfenahme eines Anwalts den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten. Der Widerspruch muss schriftlich innerhalb von sechs Wochen eingelegt werden. Sollten bereits Geldbeträge von Ihrem Konto abgebucht sein, fordern Sie diese auf jeden Fall unter Darlegung der Umstände von Ihrem Anbieter zurück. Wer seine Handyrechnung überweist, lässt den strittigen Betrag einfach weg.
Gesunden Menschenverstand nicht vergessen
Der beste Ratschlag bleibt jedoch: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Nehmen sie Angebote und Nachrichten von Fremdem grundsätzlich erst einmal kritisch unter die Lupe, bevor Sie ihnen blindlings Glauben schenken. Bei wichtigen Anliegen wird man wiederholt versuchen, Sie zu erreichen; und bei Preisausschreiben, an denen man gar nicht teilgenommen hat, kann man auch nicht gewinnen. Zudem kommt es äußerst selten vor, das Firmen Dienstleistungen zu extrem günstigen Preisen, oder gar kostenlos anbieten – solche Offerten haben meistens einen Haken.
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