Handy-Überwachung

Lauschen, was die Kollegen im Nachbarbüro reden, stets wissen, wo der Partner sich gerade aufhält oder Telefonate der Kinder mithören? Was sich wie das Drehbuch für einem Agentenfilm anhört, funktioniert im Prinzip mit jedem aktuellen Smartphone. handytarife.de klärt auf, was technisch machbar ist.

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06.05.2008, 16:35 Uhr

Schlagwörter wie Online-Durchsuchung, Vorratsdatenspeicherung und Handy-Überwachung bestimmen aktuell die öffentliche Diskussion über Sicherheit. handytarife.de erklärt, wie Handys überwacht werden können und was Sie als Nutzer tun können, um die Sicherheit beim Mobiltelefonieren zu erhöhen.
Eines vorweg: Handys Dritter abzuhören oder zu orten ist ohne Zustimmung der betreffenden Person selbstverständlich strafbar. Selbst Ermittlungsbehörden dürfen ohne richterlichen Beschluss nicht ohne weiteres in das Grundrecht des Fernmeldegeheimnisses eingreifen. Handy-Überwachung aus Spaß ist kein Kavaliersdelikt!
Das Handy als Wanze
Im Prinzip kann jedes Handy zum Abhören eingesetzt werden. Und um dies durchführen zu können, muss man nicht einmal Mobilfunk-Experte sein. Zwar sind die heutigen Handys wesentlich größer als eine „Wanze“ wie man sie aus dem letzten James-Bond-Filmen kennt. Heimlich unter einen Tisch geklebt bieten sie Kriminellen aber eine einfach zu bedienende und günstige Möglichkeit zum Mithören von Gesprächen. Dafür muss das Handy lediglich auf „lautlos“ geschaltet und die automatische Rufannahme aktiviert werden. Wenn man dann dieses Gerät anruft hebt es unbemerkt ab und man kann alle Gespräche im Raum mithören. Wird dabei zusätzlich die Freisprechfunktion aktiviert, bekommt man sogar alle Geräusche aus der Umgebung mit. So einfach gelingt das Abhören mit dem Handy. 
Vorsicht: Um nicht ungewollt, auch ohne böse Absicht, belauscht zu werden, empfiehlt handytarife.de die Funktion der automatischen Rufannahme grundsätzlich zu deaktivieren. Auch die „Rufannahme mit jeder Taste“ kann dazu führen, dass man unbeabsichtigt ein Gespräch entgegen nimmt. Sie sollte daher im Zweifelsfall ausgeschaltet sein, damit man nicht beim Wühlen in den Hosentaschen versehentlich einen Anruf entgegennimmt. Zusätzliche Sicherheit bietet die automatische Tastensperre, die zudem verhindert, dass man ungewollt andere anruft.
Handy-Ortung: Kann sinnvoll sein
Nicht nur zum Abhören von Gesprächen eignet sich ein Mobiltelefon, sondern auch zur Bestimmung des Aufenthaltsortes. Denn das Handy teilt dem Netzbetreiber permanent mit, wo in etwa es sich gerade befindet. Dazu sucht es ständig den nächstgelegenen Funkmast und meldet sich dort an. Da der Netzbetreiber den Bereich, den der jeweilige Sender abdeckt, kennt, kann der Aufenthaltsort eingegrenzt werden. Die Größe dieser Zellen und somit der Genauigkeit der Ortung ist dabei recht unterschiedlich. Während sie in Innenstädten auf wenige hundert Meter genau sein kann, beträgt die Abweichung auf dem Land durchaus mehrerer Kilometer.


Besagte Funktion kann aber auch Sicherheit bieten. So sprechen verschiedene Sicherheits-Unternehmen die Smartphone-Ortung im Diebstahl- oder Verlustfalle an um das verlorene Endgerät ausfindig machen zu können. Auch könnte man derart sehen, wo sich der eigenen Filius derzeit aufhält. Aber auch hier gilt: Das Orten von Handys ohne Zustimmung der betroffenen Person ist strafbar.
 

Big Brother sieht noch mehr
Die Polizei kann bei der Aufklärung von Straftaten indes noch auf ganz andere Techniken zurückgreifen. Das funktioniert nicht nur im Tatort. Per speziellem Gerät können sich die Gesetzeshüter zwischen Handy und Sendemast schalten. Dem Telefon gegenüber gibt sich dieses Gerät als Sendestation aus, dem Funkmast gegenüber als Telefon. Damit ist es möglich, Telefongespräche mitzuhören. Auch eine Ortung des Handys ist möglich. Die Durchführung einer solchen Handy-Überwachung ist aber nur auf Grund einer richterlichen Anordnung oder zur Gefahrenabwehr zulässig. Legal erhältlich sind solche Geräte nicht.
Doch nicht nur Polizisten haben diese Möglichkeiten entdeckt, auch Kriminelle greifen darauf zurück. So machen gehackte Handys das Abhören noch leichter: Dabei wird die Software des Telefons so manipuliert, dass es ausgeschaltet erscheint. Das Display bleibt dunkel, auf Tastendruck reagiert es nicht, aber einen Anruf einer eingestellten Nummer nimmt es automatisch entgegen. In den USA wurde ein entsprechendes Handy schon zum Verkauf angeboten. Hochgradig kriminell sind auch Programme, mit denen sich bei Smartphones nicht nur SMS überwachen, sondern sogar Gespräche mitschneiden lassen. Gleiches gilt für so genannte GSM-Module, die nur aus einer SIM-Karte, Sendeeinheit und Akku bestehen und somit auch ortbar sind.
Missbrauch vorbeugen
Man sollte sich also ständig vor Augen halten, dass Gespräche über Handys nicht sicherer sind als über Festnetz. Ortungsdienste sind in manchen Situationen sicherlich sinnvoll, bieten aber auch eine Menge Missbrauchspotenzial. Um dem Vorzubeugen hier noch einmal unsere Tipps:
- schalten sie die „automatische Rufannahme“ nicht ein
- vermeiden sie die Funktion „Rufannahme mit jeder Taste“
- aktivieren Sie die Tastensperre
- lassen Sie ihr Handy nicht unbeaufsichtigt
- schalten Sie ihr Handy aus, wenn sie nicht erreichbar sein müssen oder wollen. 

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