Mit dem Smartphone auf Fahrradtour

Handys sind aus unserem Alltag nicht  mehr wegzudenken. Mittlerweile nutzen 44 Millionen Deutsche ein Smartphone. Die Redaktion von handytarife.de hat sich Zubehör und Apps angeschaut, die den alten Drahtesel und das hochmoderne E-Bike mit den smarten Mobiltelefonen kombinieren wollen. Wir zeigen, ob die Symbiose gelingt.

Handytarife© kite rin / Fotolia.com
30.04.2015, 13:18 Uhr

Wie beim Autofahren ist die Benutzung eines Handys während der Fahrt verboten. Der Fahrradfahrer soll stets beide Hände zum Lenken und Bremsen frei haben. Bei Verstoß drohen 25 Euro Bußgeld. Um das Smartphone im Auto zu nutzen, sollten eine Halterung und eine Freisprecheinrichtung zum Einsatz kommen. Eine solche Auslegung ist auch für Fahrradfahrer in Betracht zu ziehen. So können mit einem Handyhalter spezielle Apps rund um das Zweirad während der Fahrt genutzt werden. Zum Telefonieren ist ein Headset ratsam. Oder vielleicht die two-in-one Lösung von Sminno? Das erfahren Sie in unserem Bericht!

Apps

Komoot – Die geplante Tour

Die App Komoot ist ein soziales Netzwerk für Wanderer, Mountainbiker, Fahrrad- und Rennradfahrer.  Hier erstellt man sich ein eigenes Profil und kann die Aktivitäten und  Touren von Freunden verfolgen. Der Login bietet dabei zwei Vorteile: Zunächst bekommt man die Karten für eine Wunschregion gratis. Danach fallen für Einzelregionen 3,99 Euro, Regionen-Pakete 8,99 Euro an oder man erwirbt alle Karten für 29,99 Euro. Zweitens ist es so möglich, die eigene Tour am PC zu planen und dann nur noch auf dem Handy abzurufen. Danach kann die geplante Tour auch auf dem Smartphone gespeichert werden, um sich offline navigieren zu lassen, wodurch in abgelegeneren Regionen eine Internetverbindung nicht benötigt und das Datenvolumen geschont wird. 

Mit der Komoot App kann man sich klassisch von einem Startpunkt zum Ziel navigieren lassen aber auch eine Rundtour planen. Das funktioniert mit dem iPhone, Android-Handys und-Smartwatches sowie der Apple Watch. Als registrierter Nutzer können besonders schöne Orte in den Karten markiert und ein Foto dazu hochgeladen werden. So kann man anderen Bikern aus der Community diese Plätze empfehlen und profitiert bei der Planung der eigenen Touren von den Erfahrungen der registrierten Nutzer. Solange man nicht nur in einer einzigen Region unterwegs ist, müssen alle weiteren Karten dazugekauft werden. Dafür erhält man allerdings zur geplanten Route auch topografische Angaben, um einzuschätzen, wie anstrengend die Fahrradtour wird.

Runtastic Road Bike Pro – Der Fitness-Trainer

Ursprünglich war Runtastic - der Name ist ein Hinweis – für Läufer gedacht,  die ihren Trainingsfortschritt dokumentiere wollen. Inzwischen haben die Entwickler eine ganze Palette von Anwendungen aus dem Fitness-Bereich zum Download in die App-Stores gestellt. Die Road Bike Pro App ist für Rennradfahrer vorgesehen, während Mountain Bike Pro mehr  die Sportler abseits der asphaltierten Wege ansprechen soll. Im Funktionsumfang unterscheiden sich beide Applikationen nicht. Sie dokumentieren in erster Linie die Leistung. Zwar kann man sich als eingeloggter Nutzer auch im Browser eine eigene Tour erstellen, doch eine klassische Navigation mit Start- und Zieleingabe bietet Runtastic nicht.

Der sportliche Anspruch wird nicht nur durch den Sprachcoach, der den Biker über Geschwindigkeit, Distanz, Höhenmeter etc. auf dem Laufenden hält untermauert, sondern auch von Zubehör, das mit der App gekoppelt werden kann. Nicht nur ein Herzfrequenzgurt, sondern auch das Runtastic Sports Armband und der Speed & Cadence Sensor speziell für Fahrräder zur Messung von Trittfrequenz und Geschwindigkeit sind kompatibel und liefern weitere Daten für das Fitness-Training. Für 4,99 Euro können iPhone- und Android-Nutzer die vollausgestattete Anwendung im App-Store herunterladen. Die abgespeckte, kostenlose Version Runtastic Road Bike Tracker bietet einen ersten Überblick, um die Applikation zu testen und könnte dem Einen oder Anderen bereits reichen.

Bike citizens von BikeCityGuide

Die kürzlich in “Bike citizens” umbenannte App hat drei Funktionen: Sie dient als Fahrradcomputer, um die Gesamtstrecke, die Durchschnittsgeschwindigkeit und die insgesamt auf dem Fahrrad verbrachte Zeit zu messen. Zum Planen von Touren eignet sich die Applikation ebenfalls. Aus einer Liste mit Points-of-Interest werden die Sehenswürdigkeiten ausgewählt und die App erstellt daraus eine Tour. Hierbei haben sich die Entwickler also gegen den Community-Gedanken entschieden, der bei Komoot im Vordergrund steht. Trotzdem ist eine Registrierung notwendig, um in der App neue Karten zu kaufen.

Es werden pro Stadt 4,49 Euro fällig. Dabei wird das Kartenmaterial heruntergeladen, sodass auch offline navigiert werden kann. Wer die sich den ebenfalls von BikeCityGuide entwickelten Handyhalter „Finn“ für 15 Euro kauft, bekommt die erste Stadt gratis dank eines mitgelieferten Aktionscode. Vorher sollte man sich registrieren, damit bei einem Handywechsel oder einer Neuinstallation der App die Karte im Benutzerkonto hinterlegt bleibt. Der Handyhalter ist in seiner Handhabung so einfach wie praktisch. Er besteht aus Silikon, kann einfach abgenommen und in der Hosentasche verstaut werden und ist so universell, dass auch Phablets wie das Huawei Ascend Mate 7 sicheren Halt finden. Auf der nächsten Seite stellen wir Ihnen zwei weitere Handyhalter vor.

Handyhalter

Sminno – die passive Freisprecheinrichtung

Sminno ist ein junges Unternehmen aus Kassel, das mit der ZDF Sendung WISO „Kampf der Start-ups“ bekannt geworden ist. Die beiden Gründer und Brüder habe die Handyhalterung Cesa Cruise entwickelt, die tatsächlich stark an eine Schale erinnert und daher etwas klobig wirkt. Doch diese Erscheinung hat System, denn durch die runde Form wird der Schall nach vorne verstärkt. Dies funktioniert mit Einschränkungen: Die Widergabe von Musik wird damit wirklich lauter. Dafür muss aber der Lautsprecher auf der Rückseite oder im Rahmen des Handys platziert sein. Sind die Lautsprecher wie beim HTC One M9 in der Font untergebracht, dann wirkt der Effekt nicht.

Der Sound soll beim hineinsprechen in die Schale ebenso verstärkt werden, sodass auf eine klassische Freisprecheinrichtung verzichtet werden kann. Man muss auf dem Fahrrad sitzend trotzdem recht laut in die Richtung des Cesa Cruise sprechen. Dabei kann sich der der gewünschte Effekt der Verstärkung auch ins Negative wandeln, wenn Wind in die Schale hineinbläst. Die Handyhalterung ist in schwarz, weiß, gelb oder grau erhältlich. Sie hält das Mobiltelefon sicher fest und eignet sich dank cleverer, stufenloser Verstellbarkeit, indem man die Schale in die Länge zieht, auch für Phablets.

Die Entwickler von Sminno arbeiten zurzeit an einer Dashboard-App, die das Smartphone zusammen mit dem Cesa Cruise zu einem Fahrradcomputer machen soll, womit man während der Fahrt leichter auf Features des Mobiltelefons zugreifen kann und gleichzeitig die wichtigsten Funktionen auf einen Blick erfasst. Die Montage ist einfach, doch das gesamte Paket hat auch seinen Preis: 59,99 Euro verlangen die beiden Erfinder, womit diese Handyhalterung nicht für jeden Geldbeutel erschwinglich ist.

Teasi – der Baukasten

Teasi bietet verschiedene Lenkerbefestigungen für sein 4-Quick-Fix-System an. Dabei ist eine Platte mit vier Häckchen die Basis, um die Handyhalterungen anzubringen. Mit zwei gegenüberliegenden mechanischen Knöpfen lassen sich die Haken bewegen, um das Smartphone samt Halterung abzunehmen. Bei zwei angebotenen Varianten für den Lenker oder den Lenkervorbau kommen Kugelgelenke zum Einsatz, womit sich der Handy-Bildschirm zwar in Blickrichtung neigen lässt, allerdings sich bei holprigen Fahrten verstellen kann. Das ist insbesondere dann ärgerlich, wenn die Mobile Power Bank mit LED-Licht im Einsatz ist.

Damit kann unter der Halterung für das Mobiltelefon noch ein externer Akku platziert werden, der 49 Euro kostet. Dieser sorgt unterwegs mit einer Kapazität von 5400 mAh für ausreichende Reserven und kann mit seiner LED, die in zwei Helligkeitsstufen weiß oder rot leuchten kann, auch zum Einsatz als Fahrradlampe taugt. Das Smartphone wird entweder in einer gerätespezifischen Schale (iPhone 4, 5/ Samsung Galaxy S2, S3 + mini, S4, Note 2, Blackberry Z10, HTC One M7) oder einer universellen Halterung eingeklemmt und mit einem Gummi gesichert. Die Preise starten bei 19,90 Euro. Für den Schutz bei Wind und Wetter gibt es auch ein Fahrradschutzcase in verschiedenen Größen.

Hierbei ist die Halterung mit einem Deckel und einem Sichtfenster versehen. Allerdings kommt man so nicht mehr an den Ein- und Ausschalter heran und das Feature mancher Smartphone-Bildschirme, bei denen auch im Standby-Betrieb das Antippen reicht (z. B beim Nokia Lumia 930), funktioniert nicht. Die von Teasi beworbene App „Bike Map“ ist gratis und eignet sich nicht zur Navigation mit Zieleingabe. Hierbei handelt es sich vielmehr um eine Sammlung von Fahrradtouren anderer Nutzer, in denen man stöbern kann, um eine Route nachzufahren oder seine eigene der Community zur Verfügung zu stellen.

Weitere Tipps erhalten Sie in unserem Ratgeber: Headsets und Freisprechanlagen.

Jérôme Lefèvre / Redaktion handytarife.de

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