Vorsorge für den Ernstfall - Handy sperren

Angefangen von Adressen, Telefonnummern oder Geburtstagen von Bekannten und Freunden, über Termine und komplett eingerichtete E-Mail-Postfächer bis hin zu hochsensiblen Zugriffsdaten für das Girokonto oder auch privaten Fotos und Videos - das Smartphone beinhaltet heute jede Menge Daten, die niemand gern in fremden Händen sehen möchte.

Frau mit Smartphone© kaboompics / Pixabay.com
05.12.2005, 10:49 Uhr

Ein erster Tipp ist, so wenige Passwörter und Zugangsdaten wie möglich direkt auf dem Gerät zu speichern. Denn die manuelle Eingabe hochsensibler Daten, wie beispielsweise dem Zugangspasswort für das E-Mail-Konto, sorgt nicht nur für mehr Kontrolle über die eigenen Daten, sondern trainiert auch die kleinen grauen Zellen. Handy- wie Smartphone-Nutzer sollten zudem zu keiner Zeit die Abfrage der PIN der SIM-Karte in ihrem Mobiltelefons ausstellen.

 Alles zum Thema Sperrung über die Hotline


Will der Bestohlene zusätzlich auf Nummer sicher gehen, hilft nur eins: Das Handy aus der Ferne zu sperren. Dies geschieht in der Regel online über das eigene Benutzerkonto. Über denselben Weg lassen sich auch alle Daten auf dem Smartphone löschen. Solche Funktionen bieten auch manche Anbieter von Virenscanner meist in ihren kostenpflichtigen Apps an. Doch moderne Betriebssysteme von Apple, Google und Microsoft bieten bereits einen hohen Diebstahl-Schutz ab Werk, wenn man ihn einzurichten weiß.


Nicht weniger ärgerlich als das Abhandenkommen des Handys ist der Verlust der gespeicherten Rufnummern und anderer persönlicher Daten. Deshalb sollten Sie regelmäßig Ihre Kontakte und sonstigen Daten synchronisieren bzw. sichern.

Entsperrmuster, PIN, Passwort, Fingerabdrucksensor, Iris-Scanner

Forscher der Uni Bonn, die mit Ihrer App "Menthal“ das Nutzungsverhalten von Smartphone-Besitzern untersuchen, haben festgestellt, dass wir 88-130 Mal pro Tag unser Handy entsperren. Wenn keine Sicherheitssperre eingerichtet ist, dann geschieht dies in den meisten Fällen durch das Drücken des Power-Buttons und einem anschließenden Wischen über den Bildschirm. Das ist die Berührungssperre, die verhindern soll, dass das Mobiltelefon unbeabsichtigt in der Hosentasche auf Eingaben reagiert.

Wer nun die Sicherheit erhöhen will, muss eine Sicherheitssperre einrichten, die dann dementsprechend auch die 88-130 Mal am Tag eingegeben werden muss. Ein zugegebenermaßen aufwendiges Unterfangen. Dabei neigen wir dann dazu, ein besonders schnell zu zeichnendes Sperrmuster oder eine einfache PIN zu nehmen – und nein, das eigene Geburtsjahr ist nicht besonders kreativ. Nicht umsonst verbieten Kreditkarteninstitute, die den eigenen Kunden die Möglichkeit geben, die PIN der Magnet-Streifen-Karte selber zu wählen, die Auswahl des Geburtsjahrs.

Wirkungsvoll sperren

Ein einfaches Muster ist schnell gezeichnet, aber auch genauso schnell von Unbefugten herausgefunden. SternTV hat die am häufigsten verwendeten Muster herausgefunden und bietet mit einer eigenen App die Möglichkeit festzustellen, welches Muster eine Komplexität aufweist, die auch dem Streben nach mehr Sicherheit gerecht wird. Bei beiden Verfahren besteht jedoch auch die Möglichkeit, anhand der  Schmierspuren auf dem Touch-Display die verwendeten Kombinationen herauszufinden. Die Eingabe eines Passwortes, das am besten aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen besteht, erscheint in der alltäglichen Nutzung aber kaum praktikabel.

Seien Sie sich aber auch bewusst darüber, dass dieses eine Passwort gegebenenfalls viele anderer Ihrer Logins schützt. Wer bei Facebook, Amazon, Ebay und Co. auf dem Handy eingeloggt bleibt, mit dessen Accounts kann viel Schaden angerichtet werden, wenn der Dieb es schafft das Handy zu entsperren. Sehr komfortabel im Alltag sind da mittlerweile Fingerabdrucksensoren, die sehr schnell und zuverlässig reagieren. Diese müssen zwar auch mit einer PIN oder einem Passwort zusammen eingerichtet werden, doch die Eingabe ist nur noch dann nötig, wenn das Smartphone neu gestartet wurde oder der Fingerabdruck nicht erkannt wird, weil sich an dem Finger vielleicht eine Verletzung oder Schmutz befinden.

Microsoft verbaut teilweise eine Technik, die an Agenten-Filme erinnert, indem mit der Frontkamera die Augenpartie des Nutzers gescannt wird. Das funktioniert aber noch lange nicht so zuverlässig, wie die Fingerabdrucksensoren der Konkurrenz.

Diebstahlschutz von Drittanbietern

Einige Anti-Viren-Apps bieten Zusatzfunktionen, um Benachrichtigungen zu versenden, wenn eine andere SIM-Karte eingelegt wird, deren neue Handynummer Ihnen dann zugeschickt werden kann, oder wenn jemand mehrmals versucht das Mobiltelefon erfolglos zu entsperren, nimmt die Frontkamera ein Foto von dem Täter auf und übermittelt es per E-Mail. Der Hersteller für Smartphone-Prozessoren "Qualcomm" bietet die Möglichkeit einen sogenannten "Kill-Switch" im Chipsatz unterzubringen, sodass er unumgänglich mit dem Handy verbunden ist. Die Steuerung erfolgt dann ebenfalls über Drittanbieter, die auf den "SafeSwitch“ Zugriff bekommen.

Die Ortung eines gestohlenen Smartphones kann aber auch gefährlich sein. Wer sein Handy selber zurückholen will, weiß vorher nicht, auf wen er trifft, und wie dieser reagiert, wenn er als Dieb enttarnt wird. In den USA wurde ein 18-jähriger erschossen, der sein verlorenes Mobiltelefon zu einem Parkplatz verfolgte, wo drei Männer in einem Auto mit der Beute saßen und mit den Vorwürfen konfrontiert den jungen Mann mit mehreren Schüssen töteten.

Aktivierungssperre seit iOS 7

Seit der siebten Version des Apple-Betriebssystems für Mobiltelefone kann ein iPhone nur noch zurückgesetzt werden, wenn die AppleID und das Passwort des registrierten Eigentümers eingegeben wird. So sind zwar die Daten auf dem Handy nicht geschützt, aber der Weiterverkauf eines iPhones wird dadurch deutlich erschwert. In der Regel kann das Mobiltelefon dann nur noch ausgeschlachtet werden, indem es in Einzelteilen verkauft wird. Durch aktivieren der Funktion "Mein iPhone suchen“ kann das Smartphone nicht nur geortet, zum Klingeln gebracht oder eine Nachricht auf dem Sperrbildschirm eingeblendet werden, es kann auch aus der Ferne gelöscht werden.

Durch die "Aktivierungssperre" kann das iPhone aber weiterhin nur durch die AppleID und das Passwort des Eigentümers wieder neu aufgesetzt werden. Wenn Sie Ihr Telefon mit "Mein iPhone suchen" in den Modus "Verloren" setzen wird der Bildschirm mit einem sechs- oder vierstelligen Code gesperrt und zeigt eine von Ihnen festgelegte Meldung mit Rufnummer an, damit der Finder sich bei Ihnen melden kann. Sie können Ihr Gerät aus der Ferne löschen. Dann wird die festgelegte Meldung weiterhin auf dem Bildschirm angezeigt, womit der Modus "Verloren" dem Finder eindeutig anzeigt, dass das Gerät weiterhin Ihnen gehört und nur mit Ihrem Passwort wieder aktiviert werden kann.

So bereichert das Handy einen Dieb nicht in dem Maße, wie es bei einem auf Werkszustand zurückgesetzten iPhone der Fall wäre. Im September 2013 wurde diese Funktion eingeführt und erste Statistiken zeigen, dass bereits 12 Monate später die Zahl der gestohlenen iPhones in New York um 25 Prozent, in San Francisco um 40 Prozent und in London sogar um 50 Prozent gesunken ist.

Mit iOS 9 wurde eine 6-stellige PIN in Verbindung mit dem Fingerabdrucksensor  (TouchID) eingeführt, um das Erraten des Codes gegenüber der vorher 4-stelligen PIN noch schwieriger zu machen. Noch sicherer ist allerdings die Verwendung eines Passwortes aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen, was seit der Einführung von  iOS 9 ebenfalls möglich ist.

"Kill-Switch“ fest mit dem Betriebssystem verankert

Dass die Funktionen zum Löschen und dauerhaften Sperren aus der Ferne durch die notwendige Eingabe von Benutzername und Passworts eingeführt wurden, verdanken wir einem Gesetz aus Kalifornien, das am 1. Juli 2015 in Kraft getreten ist. Seitdem ist der sogenannte "Kill-Switch“ dort nicht mehr durch das Installieren einer App optional, sondern als fester Bestandteil des Betriebssystems vorgeschrieben, damit die Hehlerei mit geklauten Mobiltelefonen erschwert, und somit der Diebstahl unattraktiver wird. Denn es geht um einen Sicherheitsgewinn in mehreren Schritten.

Die Sicherheitsmechanismen der Betriebssysteme müssen nun auch vor dem Wiederverkauf oder dem Einschicken zur Reperatur deaktiviert werden, damit der neue Besitzer oder das Service-Personal das Handy nutzen bzw. überprüfen können.

Micro-SD-Karte verschlüsseln

Durch das Einrichten einer Displaysperre können die Daten auf dem internen Speicher und auf einer Micro-SD-Karte nicht mehr durch das Anschließen des Handys an den Computer ausgelesen werden, solange die Sperre aktiv ist. Entsperrt man das Smartphone erscheinen beide Speicherplätze und ihre Ordner und es kann darauf zugegriffen werden. Damit ist der interne Speicher vor fremden Blicken geschützt, allerdings können die Dateien auf der Speicherkarte ausgelesen werden, indem der Speicher aus dem Mobiltelefon entnommen wird und in ein anderes Smartphone oder ein Kartenlesegerät eingelegt wird.

Nun sind Speicherkarten ein beliebtes Mittel, um den internen Speicher zu entlasten. Zum Beispiel kann eingestellt werden, dass sämtliche Fotos automatisch auf dem Zusatzspeicher abgelegt werden. Um die Speicherkarte zu verschlüsseln bietet Samsung dies als Feature in den Sicherheitseinstellungen an. Ab Android 6.0 ist es meist möglich die Speicherkarte dem internen Speicher zuschreiben zu lassen. Dabei sollte man zwar auf die Geschwindigkeitsklasse der Micro-SD-Karte achten, um die Performance des Smartphones nicht einzubremsen, doch durch diese Funktion sind die Daten in einem anderen Smartphone oder einem PC nicht mehr ohne weiteres auslesbar.

Allerdings kann die Verschlüsselung nur noch durch das Löschen aller Daten rückgängig gemacht werden. Microsoft bietet leider nur die Verschlüsselung des internen Speichers und nicht der Micro-SD-Karte an.

Sperrung über die Hotline

Zwar können Sie bei einigen Anbietern ihre SIM-Karte auch per Fax oder per E-Mail sperren lassen, damit kann jedoch eine umgehende Deaktivierung nicht garantiert werden. Deshalb empfiehlt handytarife.de Ihnen den schnellen und direkten Weg über die Hotline des jeweiligen Mobilfunk-Anbieters.

Leider sind die Hotlines in den seltensten Fällen kostenlos; und dann auch nur vom eigenem Handy aus, welches eben nicht mehr da ist. Im Idealfall ist ein Bekannter beim selben Anbieter, so dass man von dessen Handy aus die Hotline kostenfrei erreichen kann. Bedenken Sie jedoch, dass Sie laut Geschäftsbedingungen des Anbieters verpflichtet sind, unverzüglich Meldung zu machen. Warten Sie also nicht mit Ihrem Anruf bis zum Abend! Zur Sperrung Ihrer SIM-Karte benötigen Sie Ihre Mobilfunk-Rufnummer sowie ein Kennwort, das in der Regel bei Vertragsabschluss festgelegt wurde. So können Sie sich gegenüber dem Hotline-Personal identifizieren.


Eine neue SIM-Karte ist in der Regel kostenpflichtig, die Kosten dafür variieren je nach Anbieter. Bei den Prepaid-Anbietern werden die Kosten für die neue SIM-Karte und eventuelle Sperrkosten meist direkt vom Guthaben der SIM-Karte abgezogen. Ist also kein Guthaben vorhanden, müssen Sie die SIM-Karte erst aufladen. Beruhigend zu wissen ist, dass die meisten Anbieter für fremd verursachte Gebühren haften. Aber eben auch nur, wenn Sie als Kunde unverzüglich Ihren Anbieter informieren und nicht fahrlässig handeln.


Alle Hotlines und Sperrdetails im Überblick


Wenn Sie sich vorab informieren wollen, finden Sie in unserer Tarif-Anbieter-Übersicht zahlreiche Mobilfunkanbieter mit allen relevanten Informationen zu Telefon-Hotline, SIM Karten Sperrung etc. Wählen Sie einfach Ihren Anbieter durch einen Klick aus und drucken Sie sich das Datenblatt Ihres Anbieters für den Ernstfall aus.

Eine weitere Möglichkeit, um unverzüglich zu handeln ist der Sperr-Notruf den Sie unter "116 116"  24 Stunden am Tag erreichen. Die zentrale Aufgabe des Vereins zur Förderung der Sicherheit in der Informationsgesellschaft ist die Vermittlung Ihrer Meldung eines Verlusts oder Diebstahl an die entsprechenden Stellen. Dabei kann es sich um die Sperrung ihrer SIM-Karte handeln, aber auch um Kredit- und ec-Karten, Online-Banking-Zugänge oder auch die elektronischen Identitätsfunktion des neuen Personalausweises. Der Sperr-Notruf ist über das Festnetz gebührenfrei erreichbar. Wer aus dem Ausland dort anruft, muss die Landesvorwahl von Deutschland (+49) vorweg wählen. Die Höhe der Gebühren für die Nutzung im Mobilfunknetz im In- und Ausland, richtet sich nach den Preisen des jeweiligen Netzbetreibers.

Die unverzügliche Meldung des Diebstahls beim Anbieter und die damit verbundene Sperrung der SIM-Karte hat aber nicht nur den Effekt, dass mit Ihrem Handy keine Telefonate und SMS auf ihre Kosten geführt bzw. versendet werden können, sondern auch den Verlust der Internetverbindung zur Folge. Das ist nicht grundsätzlich von Vorteil:

 Lesen Sie hier weiter, warum das so ist und erfahren Sie mehr zum Thema Datendiebstahl

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