Wir packen unsere Siebensachen: Apps für Handwerker

Ein schlechter Handwerker schimpft immer auf sein Werkzeug? Bei Smartphones trifft diese Weisheit nicht zu, denn der Test von handytarife.de beweist: So manche Handwerker-App hält nicht was sie verspricht. Das Handy kann aber auch ein Helfer auf der Baustelle sein. Wir verraten mit welchen Apps.

Frau mit Handy© oneinchpunch / Fotolia.com
14.09.2018, 11:55 Uhr

Es gibt eine Vielzahl von Apps, die Hobby-Bastlern und professionellen Handwerkern bei ihren Projekten helfen können sollen. Damit nicht schon die zur Hilfe genommene App Sie fertig macht, haben wir uns eine Auswahl der kleinen Programme angeschaut und verraten Ihnen, welche Applikation auf ihr Smartphone gehört, und welche Sie im App-Store getrost links liegenlassen können.

Die Wasserwaage

Die Wasserwaage ist das Arbeitsgerät für alldiejenigen, die zum Beispiel ein Regal gerne so anbringen, dass die darauf abgestellten Bücher nicht alleine von der Schwerkraft angezogen wieder herunterrutschen. Getestet haben wir die Wasserwaage Pro – Bubble Level, die auf iPhones vorinstalliert App Maßband und die Makita MobileTools.

Schaut man genau auf die Maurerwaage, dann sieht man, dass die konvexe Baumscheibe, die dem Beistelltisch als Platte dient sich nicht im Wasser befindet, sie leicht nach links abfällt. Die App Wasserwaage Pro – Bubble Level erkannte dies, wobei sie horizontal ein Gefälle von -0,4 Grad anzeigte, vertikal von -0,6 Grad. Im direkten Vergleich mit dem iPhone zeigte sich hier ein Bauart bedingter Vorteil bei dem Android-Smartphone, das an der linken Seite keinerlei Tasten aufwies. Denn so zeigte das iPhone mit den Makita MobileTools stehend minus 0,3 Grad an, liegend hingegen plus 0,3 Grad.

Nochmal mit dem Huawei P20 Pro überprüft, werden hier Werte von -0,8 bzw. -0,4 Grad angezeigt. Mit dieser Applikation lässt sich durch Zugriff auf das Bild der Kamera, den Lagesensor im Smartphone und durch die Darstellung von Hilfslinien auch aus der ruhigen Hand nivellieren. So genau misst die in der Maßband App integrierte Richtwaage hingegen nicht. Sie vernachlässigt die Stellen hinter dem Komma.

Fazit: Wegen ihrer Genauigkeit spielen sich die Apps Wasserwaage Pro – Bubble Level und die Makita MobileTools in den Vordergrund. Letztere ist jedoch kostenlos und entscheidet das Rennen deswegen für sich. In dieser Disziplin konnte Maßband zwar nicht restlos überzeugen, die ab iOS12 erhältliche App sollte aber an dieser Stelle noch nicht abgeschrieben werden.

Der Zollstock

Denn die Funktion zum Messen von Distanzen funktioniert mit den Makita Mobile Tools so gar nicht. Es werden irgendwelche Fabelwerte angezeigt. Witziges Gimmick ist die Taschenlampen-Funktion, die über einen Übersetzer für Morsezeichen verfügt. Hier kann man einen Text eingeben, der dann mithilfe der LED des Smartphones auf der Rückseite gemorst wird.

Ihrem Namen nach, könnte sich die App Maßband auch zum Messen eignen. Mit einem echten Maßband haben wir dabei die Genauigkeit dieser App und „Measure“ von Google überprüft. In einer eigenen Disziplin haben wir weiter unten Apps aufgeführt, die auch messen können sollen, allerdings dabei direkt auch Grundrisse anfertigen. Nach dem Motto „ein Zentimeter ist kein Maß“ arbeiten bekanntlich nicht nur Maurer, das ist bisher auch noch die Philosophie der Mess-Applikationen, die dazu Augmented Reality nutzen. Nach dem Start der App werden auf dem Bildschirm einfach zwei Messpunkte festgelegt und die Distanz dazwischen angezeigt. Die Basis dafür bilden AR Kit2 von Apple und ARCore von Google.

Auf beiden Betriebssystemen ist es beeindruckend, wie sich die Punkte trotz der Änderung des Blickwinkels mit der Kamera des Smartphones auf das Objekt, das abgemessen werden soll, kaum verschieben. Apple bietet aber augenscheinlich die akkuratere Technologie für solche Apps. Zum einen misst die hauseigene Maßband-App am genauesten mit wenigen Zentimetern Abweichung. Dass die Measure App von Google für Android und iOS zur Verfügung steht, lässt sich hiermit auch ein direkter Vergleich anstellen. So wurden mit dem iPhone X keine exakten, aber gute Werte erreicht, unter Android betrug die Differenz zum realen Messwert teilweise mehrere Dezimeter.

Fazit: Als Maurers Freund beweist sich hier also weniger eine bestimmte App, sondern ein Betriebssystem. Mit dem iPhone misst man genauer. Auf den letzten Zentimeter darf es dabei aber nicht ankommen. Der klassische Zollstock ist also noch nicht wegzudenken.

Mit der App Bosch Toolbox kann man manuell ermittelte Maße übrigens im Foto festhalten und in verschiedenen Ordnern sortieren. Sie richtet sich mit ihrem Funktionsumfang eher an diejenigen, die weniger Werkzeug durch eine App ersetzen wollen, als dass Verwaltungsaufgaben vom Smartphone übernommen werden sollen.

Es ist zwar auch eine Taschenlampen-Funktion integriert, es lassen sich Bluetooth-fähige Werkzeuge der Professional-Serie koppeln, Boni für den nächsten Werkzeugkauf abstauben oder auch verschiedene Einheiten umrechnen, man kann damit aber auch ganze Baustellen dokumentieren und Rapportzettel erstellen.

Die Planung

„Wenn es in die Suppe hagelt, ist das Dach wohl schlecht genagelt.“ Heißt es bei den Dachdeckern. Den Apps, die zum Erfassen und Zeichnen von Grundrissen gedacht sind, können wir auch nur einen Dachschaden diagnostizieren. Die Testergebnisse unter Android und mit dem iPhone weichen soweit von der Realität ab, dass hiermit niemand seine Planung machen sollte.

Wir haben CamToPlan und Magicplan ausprobiert und erhielten Grundrisse, in denen sich gegenüberliegende, eigentlich gleichlange Wände unterschiedliche Maße hatten, somit die Winkel in den Ecken gar nicht stimmten. Magicplan arbeitete hier genauer, die Punkte an den Ecken waren mit dieser App einfacher zu setzen, allerdings stimmten dennoch die ermittelten Maße nicht. Abweichungen von wenigen Zentimetern bis hin zu mehreren Dezimetern waren möglich.

Fazit: Für eine Grundstruktur kann Magicplan als App erhältlich für Android und iOS verwendet werden, da sich die automatisch ermittelten Maße danach recht leicht anpassen lassen. So erfüllt zwar keine dieser Apps ihre Aufgabe zufriedenstellend, doch mit Magicplan lässt sich – einen Zollstock vorausgesetzt – ein genauer Grundriss erstellen. Möchte man dieses exportieren, dann muss man dafür jedoch bezahlen.

Der Anstrich

Sollte sich doch noch alles geradegezogen haben, dann geht es ans Streichen. Die richtige Farbe zu finden kann ganze Ehekrisen auslösen, manchmal findet man vielleicht auch unterwegs eine Farbe, die gefällt, und wüsste gerne wie sie heißt. Damit die nächsten Malerarbeiten gelingen, haben wir uns die App von Brillux angeschaut und den ColorReader von Datacolor.

Die Brillux-App bietet nicht nur eine Übersicht über die Produkte des Münsteraner Vollsortimenters im Lack- und Farbenbereich , mit ihr hat man einen Farbfächer und eine Farbtonsuche. Letztere hält verschiedene Paletten vor, in die eine Nummer oder ein Name eingetragen werden kann, wonach man nicht nur eine Darstellung der Farbe, sondern auch den RGB- den Hellbezugwert sowie die Hexadezimal Farbdefinition erhält.

Mithilfe des Farbfächers lässt sich durch den Vergleich mi einem Muster eine ähnliche Farbe manuell heraussuchen. Die große Auswahl führt hierbei aber schnell zur Überforderung. Da Belichtung Kamerasensor, deren Software und auch das Display zur Ausgabe der Ergebnisse die Ermittlung einer Farbe stark beeinflussen, eignen sich Apps zum Abfotografieren von Farben kaum.

Hier kommt Zubehör ins Spiel, wie es auch Brillux anbietet, das dann mit der App gekoppelt werden kann. So ein Farbtonscanner von Brillux kostet aber mehrere hundert Euro. Eine Alternative ist der ColorReader von Datacolor. Form und Größe erinnern an ein Filmdöschen. Der Abnehmbare Deckel schützt die Linse und dient mit einem in der Mitte aufgeklebten Farbpunkt zum Kalibieren des Gerätes, das per Bluetooth seine Daten an die ColorReader-App überträgt.

In der Applikation wird dann die gemessene Farbe dargestellt und zeiht die dem am nächsten kommenden Farbtöne aus dem schwedischen NCS-Index (Natural Color System) und verschiedenen RAL-Farbkatalogen. Zu den daraus ermittelten Farben werden dann der Lab-Farbraum, RGB-, der Hex- und CMYK-Wert angegeben. Zudem lässt sich die Position auf den jeweiligen Farbfächern anzeigen. Eine hilreiche Funktion ist auch Farbe koordinieren zu können, um zum Beispiel Komplementärfarben zu finden oder passende Farbtöne im Dreifach-Schema zu ermitteln.

Fazit: Die kostenlose Lösung ist die Brillux-App, die Basis-Funktionen bietet. Wer häufiger mit Farben arbeitet, sich von unterwegs gefundenen Farbtönen inspirieren lassen möchte, der sollte sich den ColorReader von Datacolor genauer anschauen. Er kostet 119 Euro, ist klein und handlich und bestimmt die Farben im ihm vogegebenen Farbraum schon recht genau.

Der Einkauf

Das Vergleichen von Preisen lohnt sich nicht nur vor dem Abschluss eines neuen Handytarifs, sondern auch im Baumarkt. Es gibt viele Apps, die Barcodes scannen können. Einen Allrounder hat kürzlich Google vorgestellt. Google Lens gibt es bisher nur für Android und kann aus Fotos Texte kopieren, Pflanzen und Tiere bestimmen, Bücher, Filme, Musikalben und Videospiele analysieren.

Im Baumarkt hilft der QR-Code- und Barcode-Scanner auf der Suche nach dem besten Preis oder Produktinformationen, wobei Google Lens dafür nicht mal mehr zwangsläufig einen Code braucht, denn die App erkennt auch Objekte und schlägt ähnliche Produkte vor.

Beim Einrichten hilft im Anschluss auch die App von Ikea mit Augemented-Reality. Und obwohl Handwerk goldenen Boden hat, wird händeringend Nachwuchs gesucht. Ausbildungsstellen findet man zum Beispiel mit der App TalentHero.

Unser Fazit: Nicht alle haben das Zeug zum Handwerker

Ein guter Werkzeugkasten besteht aus unterschiedlichen Arbeitsgeräten. Es gibt nicht das Instument oder die Ausstattung, sondern nur Rüstzeug, das als Summe aller Teile eine Ausrüstung ausmacht, die für die meisten Lebenslagen eines Handwerkers ein Hilfsmittel bereithält. Sinnvoll ist in jedem Fall auch eine gute Handyhülle, wenn man das Mobiltelefon auf der Baustelle nutzen möchte. Die von uns vorgestellten Apps sind keine abschließende Aufzählung. Wenn Sie einen Tipp für die Redaktion von handytarife.de haben, erreichen Sie uns unter: redaktion@handytarife.de, per Twitter und auf Facebook.

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