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Was ist RCS?


© contrastwerkstatt / Fotolia

Was sind Rich Communication Services?

Zuerst war die SMS. Sie war sehr beliebt. Ihr folgten die EMS, und dann die MMS mit überschaubarem Erfolg. Das Versenden von reinen Text-Nachrichten blieb, sicherlich auch aufgrund der deutlich niedrigeren Kosten, der Standard für Kurznachrichte. Doch die Zahl der versendeten SMS sinkt. Kommt nun die RCS?

Nicht erst seit Kurzem sind es Messenger wie Whatsapp, Threema, Signal und Telegram, über die kommuniziert wird. Sie bieten einen deutlich größeren Funktionsumfang, denn mit ihnen lassen sich Audio-Dateien, Videos, Fotos, Dokumente wie auch Texte verschicken, angereichert mit Emojis und Stickern und dabei benötigen die Nutzer keinen spezielle Tarif-Option, sondern das alles läuft über das Datenvolumen ihrers Handytarifs.

 

RCS-e aka Joyn war der erste Versuch

 

Und hier machen die Messenger einen Punkt, der die RCS hierzulande im ersten Anlauf scheitern ließ. Denn den Nachfolger-Standard versuchten die deutschen Mobilfunkbetreiber mit Joyn einzuführen (so heißt nun die Streaming-Plattform von ProSiebenSat1). Joyn war eine gemeinsame Entwicklung von Telekom, Vodafone und Telefonica und sollte die SMS ablösen. Doch die Mobilfunkbetreiber waren zu raffgierig. Sie wollten den Endkunden bezahlen lassen, und so die schwindenden Einnahmen aus dem SMS-Geschäft kompensieren. Das war zu kurz gedacht.

 

Erfolgreiche Produkte aus der Vergangenheit zeigen, dass es viel wichtiger ist, eine Plattform zu schaffen. Die sogenannte Plattform-Ökonomie setzt auf den Netzwerkeffekt. Wenn sich genug Nutzer auf einer Plattform tummeln, dann zieht dies weitere Nutzer nach sich, um ebenfalls von dem Netzwerk zu profitieren. Gleichzeitig wird das Netzwerk ungern verlassen, wenn man sich an die Vorzüge gewöhnt hat, weil bei einem Umstieg zum Beispiel Funktionen oder Kontakte verlorengehen könnten.

 

Wie bekommt man viele Nutzer auf seine Plattform? Indem man ein gutes Produkt kostenlos anbietet. Was sich zunächst nach einem ökonomischen Selbstmord anhört, ist das Freemium-Modell. Der Bereitsteller der Plattform nutzt die Vielzahl der Teilnehmer im zweiten Schritt, um Premium-Funktionen zu verkaufen. Im Falle von Facebook ist diese Premium-Funktion die Werbung. Unternehmen können sich in das Blickfeld der vielen Facebook-Nutzer einkaufen.

 

Die Premium-Funktion kann aber auch vom Konsumenten bezahlt werden, wenn dieser - zum Beispiel bei Spotify - werbefrei Musik hören möchte. Bei Paypal können sich die Nutzer wiederum kostenlos ein Konto einrichten und sich Geld hin und her überweisen, allerdings nur in einem privaten Kontext. Geschäftskunden und Geldsendungen mit dem sogenannten „Käuferschutz“ kosten anteilig der übertragenen Summe.

 

Messenger als Dreh- und Angelpunkt

 

Als funktionierendes Netzwerk zeigt der chinesische Messenger WeChat, dass sich viele Aufgaben des täglichen Lebens auf einer Plattform erledigen lassen. So lassen sich per WeChat zum Beispiel Einkäufe und Restaurantbesuche bezahlen - und auch Whatsapp wird schon länger die Planung einer Bezahlfunktion angedichtet. Vielleicht kommt sie 2020 mit Facebooks Kryptowährung Libra und der Integration der digitalen Geldbörse Calibra in den Facebook Messenger und Whatsapp. Ist die Plattform ein Kommunikationskanal, dann kann sie aber auch für Unternehmen interessant sein, die ihren Kundenservice darüber abwickeln wollen, mit ihren Kunden in Kontakt treten möchten, ihnen zum Beispiel neue Angebote unterbreiten wollen.

 

Whatsapp Business deutet schon heute an, wohin die Reise gehen könnte. So sollen Unternehmen mithilfe eines solchen speziellen Kontos mit ihren Kunden kommunizieren können. Dafür wird Whatsapp ihnen voraussichtlich auch spezielle Formate für Posts anbieten, um ihre Dienstleistung besser darstellen zu können und Chat-Bots anzubinden. Denkbar ist also zum Beispiel, dass das digitale Flugticket per Whatsapp-Nachricht verschickt wird, dann Erinnerungen an den Check-In oder der Verspätungsalarm empfangen werden können und zuletzt der Kunde auch selber Fragen an die Fluggesellschaft stellen kann, wenn zum Beispiel nochmal das maximal zulässige Gewicht des Koffers erfragt werden muss.

 

Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber was wäre gewesen, wenn Joyn als Messenger kostenlos für jeden zugänglich gewesen wäre? Wenn man eine Plattform gebaut hätte für alle Handys in Deutschland, über die privat hätte kostenlos kommunizieren werden können? Also einen echten SMS-Nachfolger geschaffen hätte. Geschäftliche Nachrichten hätten dann über Joyn etwas gekostet. So hätten die Nahverkehrsbetriebe zum Beispiel ein Entgelt dafür bezahlen müssen, dass Kunden per Joyn ihr eTicket für die Straßenbahn bekommen und Behörden dafür, dass sie eine digitale Wartenummer oder Terminbestätigung verschicken - eGovernment lässt grüßen.

 

Rich-Communication-Services

 

Was kann nun die RCS mehr als die SMS? In den USA unterstützt die Android App Messages von Google bereits „Smart Replies“. Dabei handelt es sich um Schaltflächen, die eine direkte Antwort im Kontext vorschlagen.

 

 

Nehmen wir eine Online-Bank als Beispiel, die zur Verifizierung einer Online-Überweisungen eine RSC-Nachricht mit sogenannten „Smart Replies“ verschickt, um zu einer Bestätigung aufzufordern. Dafür werden nicht nur nochmal die Eckdaten der Überweisung in der Nachricht genannt, sondern auch mehrere Schaltfläche eingebunden, über die sich die Überweisung bestätigen, aber gegebenenfalls auch der Abbruch vornehmen lässt, bei gleichzeitiger Mitteilung, dass eine kriminelle Handlung dahinterstecken könnte und das Konto gesperrt werden soll. Das alles ohne eine separate App, ohne einen Umweg in einen Browser oder dem Anruf beim Kundenservice.

 

 

RCS ist ein universeller Standard, der von der GSMA festgelegt wurde, und seit Android 2.3 Teil des Betriebssystems ist, sodass keine separate App benötigt wird, um die Nachrichten zu empfangen. In iOS ist RCS derzeit nicht integriert. Die GSMA ist ein Verband, in dem sehr viele wichtige Unternehmen sitzen, die in der Telekommunikationsbranche tätig sind. Sie vereinbaren weltweite Standards, so auch für UMTS, LTE, 5G und eben auch RCS, um die Kompatibilität sicherzustellen.

 

RCS als gemeinsamer Standard für Messenger?

 

 

Kennen Sie IRC? Hierbei handelt es sich um ein Chat-Protokoll, durch das sich Gruppen in „Channels“ unterhalten und Nutzer unereinander einen Dialog als „Query“ führen. Darauf setzen sogenannte Clients auf. Das sind unterschiedliche Programme, über die die Nachrichten empfangen und versendet werden. Das Besondere: Egal für welches Programm man sich entscheidet und welche Programme die anderen Anwender verwenden, man kann mit ihnen in Kontakt treten. Es herrscht Interoperabilität. Alte Internet-Hasen erinnern sich vielleicht auch noch an Anwendungen wie Miranda IM, die mehrere solcher Protokolle vereinten, um zum Beispiel ICQ, MSN und den AOL Instant Messenger miteinander zu verknüpfen, da jeder dieser Dienste sein eigenes Protokoll nutzte. Heute nutzen auch Whatsapp, Facebook Messenger, Google Hangouts etc. ihre eigenen Protokolle und wollen, dass die Nutzer möglichst viel Zeit in ihere App aufbringen und erlauben daher anderen Programmen die Nutzung ihrer proprietären Protokolle nicht.

 

RCS könnte als kleinster gemeinsamer Nenner ein Mindeststandard sein, sodass in den unterstützden Formaten über unterschiedliche Messenger-Apps hinweg kommuniziert werden. Somit könnte auch ein größerer Wettbewerb darum entsteht, die besseren Zusatz-Features zu bieten. Bisher unterstützt Apple zwar RCS nicht, doch in iMessage von Apple ist es so, dass Nachrichten an andere Kontakte entweder in einer blauen Sprechblase als iMessage oder einer grünen Sprechblase als SMS dargestellt werden. iPhone-Nutzer haben zum Beispiel den Vorteil, dass sie Apples Animojis ganz leicht untereinander über das Internet verschicken können. Verschickt man eins dieser animierten Emojis an ein Android-Smartphone, dann wird die Grafik in eine Video-Datei umgewandelt und per MMS verschickt. Das verursacht nicht nur in den meisten Fällen Kosten, der Empfänger muss die Datei auch in einer separaten Video-App öffnen.

 

Kuzer Exkurs: Es gibt in den USA Leute, die sich einen größeren Erfolg auf Dateing-Plattfomen erhoffen, wenn sie nachdem die Handynummern ausgetauscht wurden, ein „Blue-Bubble-Boy“ sein wollen, also dem Gegenüber als iPhone-Nutzer angezeigt werden, dem iMessages statt SMS geschickt werden können. In einem Video erklärt der YouTuber Austin Evans darum ,wie man mithilfe eines ausrangierten Apple-Computers auch als Android-Nutzer eine blaue Sprechblase bekommt.

 

Zauberwort Verschlüsselung

 

Die Achillesferse des Rich-Communication-Services ist die Verschlüsselung. Leider setzt RCS im Gegensatz zu WhatsApp, iMessage, Signal und vielen anderen Messengern keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein. Nun sind Mobilfunkbetreiber weltweit teils oder ganz in der Hand des Staates, werden gesetzlich stark reguliert und vielleicht auch deswegen wird ein internationaler Standard für Kurznachrichten von Geheim- und Nachrichtendiensten unverschlüsselt bevorzugt (auch deswegen lieben die Geheimdienste die SMS). Die Ende-zu-Ende-verschlüsselung ist selbst dem deutschen Innenministerium ein Dorn im Auge. Regierungen erwägen Gesetze, die Messenger-Dienste dazu verpflichten sollen, die verschickten Nachrichten für Ermittlungsbehörden wieder zu entschlüsseln.

 

Dabei verkennen sie, dass einen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung die Diskussion über Zugriffe ausländischer Firmen zum Beispiel auf Mobilfunknetze - an dieser Stelle sei an Huawei und den 5G-Ausbau erinnert - obsolet machen würde, weil sie zwar die Daten im schlimmsten Fall umleiten, aber den Inhalt nicht wiederherstellen könnten. Das zweite Argument sind Ermittlungen gegen die eigenen Bürger, die unverschlüsselt deutlich leichter sind. Jan-Peter Kleinhans, Projektleiter für den Bereich "IT-Sicherheit im Internet der Dinge" in der Stiftung Neue Verantwortung bringt das in einem Spiegel-Artikel über die Mobilfunk-Überwachung bei 5G  auf den Punkt: "Entweder ist das Kommunikationsnetz leicht zu überwachen, oder es ist sicher und vertrauenswürdig. Beides steht im Zielkonflikt miteinander."

 

 

Den Justizministern ist dabei durchaus bewusst, dass der kleine Drogen-Dealer aus dem Park vielleicht gefasst wird, aber der clevere Terrorist der per VPN, über das Darknet und Messenger, die sich der staatlichen Kontrolle entziehen, kommuniziert, ihnen weiterhin durch die Lappen geht. Deshalb darf dies kein Argument gegen die Verschlüsselung von RCS sein. Die GSMA sollte den Standard dringend dahingehend erweitern. Google hat zuletzt angekündigt, in der Messages-App notfalls eine eigene Verschlüsselung einzusetzen.

 

Doch selbst wenn Google dies tut, dann bleiben immer noch die Meta-Daten, die immer anfallen, und bei denen geklärt werden muss, wie damit umzugehen ist. Davon abgesehen, dass die SMS stets unverschlüsselt kein sicherer Kommunikationskanal ist, speichern die Mobilfunkbetreiber Daten darüber ab, wer, wann, mit wem und an welchem Ort kommuniziert hat. Diese Daten werden dann zum Beispiel zu Abrechnung verwendet. Die noch ausgesetzte Vorratsdatenspeicherung soll diese Meta-Daten aber staatlichen Behörden zugänglich machen.

 

Auch wenn der Inhalt von Nachrichten, die per Messenger verschickt werden, verschlüsselt ist, fallen auch hier Meta-Daten an. So erfragte der Journalist Zack Whittaker bei Apple alle Daten, die dort über die letzten 10 Jahre über ihn gespeichert wurden. Ausgehändigt wurden ihm dabei unter anderem auch Daten mit wem und wann er Nachrichten per iMessage oder Anrufe per FaceTime ausgetauscht hatte.

© handytarife.de

Google wird in Europa die RCS-Funktion zunächst in Großbritannien und Frankreich einführen. Dabei sieht es bisher so aus, als würde hier eine Kooperation mit den Mobilfunkbetreibern stattfinden, die zwar ihre „IP Multimedia Subsysteme“ dafür bereitstellen, die Verarbeitung der Nachrichten aber Google überlassen, um dafür keine eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen. Selbst wenn Google eine eigene Verschlüsselung einbaut, wird der Suchmaschinengigant dadurch zur Leitstelle der Nachrichten, dem die Meta-Daten der Nachrichten so zugänglich werden. Was kann man damit machen?

 

Es lassen sich Verbindungen zwischen Menschen herstellen. Facebook weiß, wer mit wem befreundet ist. Whatsapp weiß, wer mit wem redet. Beide Plattformen führen ihre Daten zusammen und können so besser Werbung schalten. Google hat kein Soziales Netzwerk und alle Anläufe für einen eigenen Messenager waren nicht von Erfolg gekrönt. So könnte die Suchmaschine endlich Zugang zu Informationen bekommen, bei deren Gewinnung sie bisher das Nachsehen hatte. Wer schreibt sich hauptsächlich innerhalb der Geschäftszeiten und führt vermutlich eine berufliche Beziehung? Wer schreibt sich auch zu später Stunde noch Kurznachrichten und führt eine innigere Beziehung? Wie groß ist die Distanz zwischen den Gesprächspartnern? Verknüpft mit dem Google-Konto des Android-Smartphone ein weiterer "Datenschatz", der da gehoben werden könnte.



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