Abschlussberichte zu Samsung Galaxy Note 7 vorgestellt

Um 10 Uhr Ortszeit bzw. 2 Uhr unserer Zeit hat Samsung in Südkorea die Abschlussberichte zu den explodierenden Akkus des Galaxy Note 7 vorgestellt. Auch der TÜV Rheinland war an der Ursachenforschung beteiligt. Das Desaster zwingt den Konzern zum Umdenken und neuen Leitlinien.

Samsung© Samsung Electronics GmbH
23.01.2017, 03:03 Uhr

Zu Beginn der Pressekonferenz entschuldigte sich der Präsident von Samsung Mobile Communication öffentlich und rekapitulierte das Geschehen, das am 19. August 2016 mit der Weltpremiere des Galaxy Note 7 seinen Anfang nahm. Nur 14 Tage später mussten die Koreaner das Smartphone wegen sich entzündender Akkus zurückrufen und boten dafür Austausch-Handys an. Am 11. Oktober folgte dann jedoch auch der Rückruf der ausgetauschten Smartphones, weil auch hier Akkus explodierten und zur Gefahr für Leib und Leben wurden. Samsung nahm das Phablet komplett vom Markt.

Die bis dahin 3 Millionen verkauften Mobiltelefone sind bis heute zu 96% zurückgegeben worden. Samsung ordnete eine umfassende Untersuchung der aufgetretenen Defekte an, denn kurios war tatsächlich, dass auch die Austausch-Smartphones betroffen waren, obwohl deren Akkus von einem anderen Hersteller produziert wurden. Samsung begann mit einer internen Untersuchung und heuerte dazu noch drei weitere externe Firmen an. Dazu gehörte auch der TÜV Rheinland.

Untersucht wurden nicht nur die Akkus, sondern auch alle anderen verbauten Komponenten, die Software, der Produktionsprozess und auch die Logistik. Dabei testete Samsung Die Schnellladefunktion mit Kabel und drahtlos, mit und ohne die wasserdichte Rückseite, den Iris-Scanner, die USB-Type-C-Buchse und die Belastung des Smartphones durch Apps von Dritt-Anbietern. Dabei konnten die Koreaner, wie auch in der Produktion und der Logistik, den Defekt nicht reproduzieren. 700 Ingenieuren gelang die Reproduktion des Fehlers durch die Untersuchung von 200.000 Smartphones und 30.000 Akkus.

Ausschließen konnte auch der TÜV Rheinland, dass die Defekte beim Transport auftreten. Dafür hat man 2 Paletten Akkus mit Sensoren ausgesstattet und auf ihrem Weg zwischen China und Vietnam begleitet. Auch der Zusammenbau der Smartphones wurde begutachtet und nicht beanstandet. Samsung, die Safety Science Organization "UL" und der Dienstleister "Exponent" kommen zu sehr ähnlichen Ergebnissen:

Der erste Akku von einer Tochterfimra von Samsung weist vermehrt Deformationen in den Ecken auf. Insbesondere in der oberen rechten Ecke, führte die daraus resultierende Berührung von Bauteilen zu einem Kurzschluss. Bei den Austausch-Geräten trat dieser Fehler nicht auf. Hier waren es Löt-Punkte an der positiven Lasche, die nicht akurat ausgeführt wurden.

Durch das Lötzinn mit teils scharfen Kanten wurde vermehrt Druck auf die verschiedenen Schichten in dem Akku ausgeübt. So kam es auch hier zu Kurzschlüssen. Somit waren die brennenden Akkus des Samsung Galaxy Note 7 zwar daselbe Symptom, aber die Ursachen waren dennoch unterschiedlich.

Samsung hat zuviel gewollt

Nun geben sich die Koreaner Regeln, um ein solches Desaster für die Zukunft auszuschließen. Dazu gehört ein neuer "8-point-battery-safety-check", aber auch eine neue Leitlinie, die das Design betrifft. Denn im Note 7 sollte ein Akku mit großer Kapazität, bei gleichzeitig kleinstem Volumen dazu beitragen, dass ein kompaktes Gerät trotzdem den multimedialen Anforderungen einer vernetzen Welt gerecht wird. In Zukunft will Samsung den Platz für Akkus großzügiger bemessen. Ob und wann es ein neues Note-Smartphone geben wird, wurde bei der Pressekonferenz nicht verkündet. Bleibt zu hoffen, dass für das Samsung Galaxy S8, das wir zum Mobile World Congress in Barcelona Ende Februar erwarten, alle selbstauferlegten Anforderungen umgesetzt werden. Wer schon jetzt ein neues Phablet sucht, für denjenigen gibt es auch aktuell schon Alternativen auf dem Markt.