Computer Bild: Apple spioniert iPhone-Nutzer aus

Alle wollen Nutzerdaten, nur Apple nicht? Das zumindest sage Apple-Chef Tim Cook und kritisiere damit Konkurrenten wie Google, so das Magazin. Die Redaktion der Fachzeitschrift schickte das iPhone 6 Plus ins Labor und überprüfte, ob der Hersteller hält, was er verspricht. Fazit: Auch das iPhone sammle eifrig Informationen.

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10.11.2015, 19:45 Uhr

"Es stimmt nur teilweise, dass Apple Kundendaten schützt. Tatsächlich macht es das iOS-Betriebssystem Drittanbieter-Apps aber weitaus schwerer als Android, Daten abzugreifen", so Computer Bild Ressortleiter Christian Just.
Kombination von Informationen identifiziert einzelnen Nutzer
An wen genau liefern iPhone-Nutzer Daten? Informationen, zum Beispiel über Standort, Name, Adresse und Zahlungsdaten, gehen schon bei der Ersteinrichtung direkt an Apple. Die Daten werden zwar verschlüsselt übertragen, Anonymität garantiere das System trotzdem nicht: Denn bereits durch die Kombination weniger Informationen könne man einzelne Nutzer problemlos identifizieren, so die Zeitschrift. Auch bei der iCloud sei demnach Vorsicht geboten: Alle Daten, die hier gesichert sind, landeten auf Apple-Servern - und seien mindestens für US-Ermittlungsbehörden auf Antrag zugänglich.
Der Nutzer merkt gar nichts
Diese und weitere Kundendaten, wie Kaufverhalten und Alter, nutze Apple für Werbung: Über seinen eigenen Werbedienst iAd schalte der Hersteller personalisierte Anzeigen bei Apps. Außerdem ermögliche Apple über die sogenannte "Ad-ID" auch externen Werbeunternehmen die Nachverfolgung der Nutzung. Diese sei zwar zunächst anonymisiert. Doch je nachdem welche Daten der Nutzer der App preisgibt, könnten Werbenetzwerke so auch Persönlichkeitsprofile erstellen. Zudem gebe es laut Computer Bild für Apps selbst unter iOS ganz legale Wege, Daten zu erheben, um den Nutzer auch auf Dauer wiederzuerkennen - selbst nach Wechsel des Geräts. So zeigten Forscher, dass allein die Liste der 50 meistgehörten Songs auf dem iPhone eine Identifizierung mit 94 Prozent Genauigkeit erlaube. Der Nutzer bekomme von der Datensammlung nichts mit und könne sie nicht stoppen.
Android saugt noch mehr Daten
Dennoch schütze Apple seine Kunden besser vor Datenspionage durch Drittanbieter-Apps als Android. So verwehre iOS 9 Anwendungen den Zugriff auf Informationen oder sorge dafür, dass der Handybesitzer etwa zur Übermittlung des Standorts oder Adressbuchs erst seine Zustimmung geben muss. Auch nachträglich liessen sich Apps diesem Datenzugriff entziehen.
Bei Android biete erst die neue Version 6.0 einen ähnlichen Schutz. Die Krux: Während iOS 9 bereits auf den meisten iPhones installiert ist, läuft ein Großteil der Android-Geräte aktuell noch mit dem zwei Jahre alten Android 4.4. Selbst viele Top-Geräte erhalten Android 6.0 erst rund ein Jahr nach Vorstellung - ältere und günstigere Android-Smartphones oft gar nicht.