Der iPhone-Koeffizient: Kaufkraft im weltweiten Vergleich

Am 3. November startet der Verkauf des iPhone X. Mit seinem hohen Preis ab 1149 Euro hat es für viel Furore gesorgt. Selbst bei Abschluss eines Handyvertrages bei einem der drei großen Mobilfunkbetreiber werden bis zu 949,95 Euro Zuzahlung fällig. handytarife.de hat iPhone-Preise in Relation zum Einkommen international verglichen.

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01.11.2017, 23:00 Uhr

Die Tarifexperten von handytarife.de haben international die Preise für iPhones verglichen und dafür eine neue Kennzahl geschaffen: den iPhone-Koeffizienten. Er gibt an, wie viele Monate die Bürger eines Landes durchschnittlich arbeiten müssen, um den Kaufpreis eines iPhones zu erwirtschaften. In der Finanzwelt ist der Big-Mac-Index wohl bekannt. Er wurde von der Journalistin Pam Woodall als internationaler Preisvergleich des bekannten Hamburgers der Fastfood-Kette McDonald’s und Indikator der Kaufkraft in dem jeweiligen Land entwickelt.

Denn für einen solchen Index braucht es ein homogenes Gut, das unverändert in vielen Ländern angeboten wird. Dies trifft auch auf das iPhone zu. Im Zuge der Diskussion um die hohen Preise der neuen Apple-Smartphones erschien der Redaktion von handytarife.de eine Auswertung der Kaufpreise im Verhältnis zum Einkommen aussagekräftig.

Die Weltbank ermittelt das Bruttonationaleinkommen

Das Bruttonationaleinkommen (BNE), früher auch Bruttosozialprodukt genannt, ist ein wichtiger Indikator für das Einkommen einer Volkswirtschaft. Er beziffert den Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in der Regel innerhalb eines Jahres mithilfe der Agrarwirtschaft, Industrie und dem Dienstleistungssektor hergestellt werden und sich im Besitz von Inländern befinden. Dies wird als gleichbedeutend mit dem an Inländer geflossenen Einkommen aus Erwerbstätigkeit und Vermögensbesitz angesehen. Da die Weltbank das BNE pro Kopf für nahezu jedes Land ermittelt, bietet dieser Datenstamm die belastbarste Möglichkeit, diesen Wert zum Kaufpreis der iPhones in Relation zu setzen.

Die Werte können bei der Weltbank online abgefragt werden, das Statistische Bundesamt erstellt mit den Daten eine eigene Tabelle und auch das Auswärtige Amt zieht das Bruttonationaleinkommen pro Kopf (gross national income per capita) für seine Länderberichte heran. Teilt man den Wert durch 12, kommt man auf das BNE pro Kopf pro Monat.

BNE pro Kopf von Deutschland im oberen Drittel

Am Bruttonationaleinkommen gibt es berechtigte Kritik, doch um vergleichen zu können, muss man auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Will man Länder miteinander vergleichen (andere Länder, andere Sitten), dann ist es häufig der kleinste gemeinsame Nenner. Die Inflation wird zum Beispiel anhand eines Warenkorbes berechnet. In Deutschland übernimmt dies das Statistische Bundesamt. Eine solche Institution hat aber nicht jedes Land. Daher behelfen sich Volkswirte auch der Methode, vom relativen Wachstum der Geldmenge M3 das relative Wirtschaftswachstum abzuziehen. Dann hätte die Inflationsrate in der Eurozone im Jahr 2016 bei 3,2 Prozent gelegen, deutlich mehr als der Wert von 0,2 Prozent nach der Warenkorb-Methode. Der kleinste gemeinsame Nenner führt also zu Abweichungen.

2016

  • Geldmenge M3: +5%
  • Wirtschaftswachstum Eurozone: + 1,8%
  • Inflationsrate Eurozone: + 0,2%

In Deutschland wurde das durchschnittliche Bruttoeinkommen eines Vollzeitbeschäftigten im Jahr 2016 mit 44.436 Euro (= 52.369 US-Dollar) vom Statistischen Bundesamt angegeben. Nun arbeiten hierzulande aber nicht alle Bürger in Vollzeit. Die Deutsche Rentenversicherung nennt für alle Versicherten in Beschäftigung einen durchschnittlichen Bruttojahresverdienst von 36.267 Euro (= 42.742 US-Dollar). Das BNE pro Kopf liegt in Deutschland bei 43.660 US-Dollar oder 37.045,86 Euro. Diese relativ kleine Differenz von rund 900 US-Dollar spricht dennoch für einen guten Näherungswert.

Wie lange muss man für ein iPhone arbeiten?

Teilt man den Kaufpreis eines iPhones, wobei hier zunächst eine Umrechnung in US-Dollar (Kurs vom 21. Oktober 2017) erfolgen muss, durch das BNE pro Kopf pro Monat des jeweiligen Landes erhält man den iPhone-Koeffizienten. Er beantwortet die Frage, wie viele Monate für den Erwerb eines iPhones gearbeitet werden muss.

Am längsten muss ein Nigrer arbeiten. Durchschnittlich 25,4 Monate müsste das Bruttonationaleinkommen pro Kopf angespart werden, um ein iPhone kaufen zu können. In Madagaskar und Peru sind es über 22 Monate. Für unsere Nachbarn in Polen ist es beinahe das Einkommen eines Monats, in Saudi-Arabien immerhin noch das eines halben Monats, um sich ein Apple-Smartphone leisten zu können.

Deutschland, Österreich und die Niederlande schaffen es mit knapp 25 Prozent nicht in die Top 10 der Länder mit der kürzesten Arbeitszeit. Auf Platz 4 liegt mit 12,6 Prozent die Schweiz und auf Platz 3 Katar mit 12,4 Prozent. Schweizer und Kataris müssen also rund 4 Tage arbeiten, um sich ein iPhone leisten zu können. Auf Platz 2, mit kaum mehr als 3 Tagen, sind die Liechtensteiner. Sie müssen fast doppelt so lange arbeiten wie die Monegassen, die mit dem weltweit höchsten BNE pro Kopf von 186.800 US-Dollar im Jahr binnen 1,8 Tagen ein neues iPhone erwirtschaftet haben.

Kaufpreis schwankt von Land zu Land stark

In Japan ist das iPhone 8 mit umgerechnet 694,07 US-Dollar am günstigsten. In Argentinien kostet der Vorgänger noch unglaubliche 1412,57 US-Dollar. Das teuerste iPhone 8 ist uns mit 1190,04 US-Dollar in Kroatien begegnet, dicht gefolgt von der Türkei (1143,71 US-Dollar). Das ist eine Preisspanne von fast 500 US-Dollar. Deutschland liegt mit 941,66 US-Dollar im Mittelfeld. 

Apple listet auf seiner Internetseite 117 Länder, in denen es Apple-Produkte gibt. Dort können aber nicht immer auch die Smartphones gekauft werden. In 23 Ländern wird das iPhone offiziell nicht angeboten. An der Elfenbeinküste gibt es nur das iPhone 7 Plus, für Guinea konnten keine belastbaren Werte ermittelt werden, genauso nicht für Venezuela, wo sich der Wert der Währung seit 2013 halbiert hat und eine Hyper-Inflationsrate von rund 1000 Prozent den Venezolanischen Bolivar als Zahlungsmittel unbrauchbar gemacht hat.

Es bleiben also 91 Länder, in denen die jeweilige nationale Apple-Webseite auf zertifizierte Händler oder den eigenen Online-Shop verlinkt. In 19 Ländern gibt es das iPhone 8 mit 64 Gigabyte noch nicht. Hier wurde dann der Kaufpreis des iPhone 7 mit 32 Gigabyte herangezogen, mit der Ausnahme von Kenia und Kamerun, wo wir das nur das iPhone 7 mit 128 Gigabyte Speicher beziehungsweise nur das iPhone 6S gefunden haben. In allen anderen Ländern wurde das iPhone 8 berücksichtigt.

* Monaco ist strenggenommen das 118. Land in der Liste von Apple. Auf der Webseite wird der Stadtstaat nicht separat aufgeführt und zu Frankreich gezählt.

Kursiv geschriebene Zeilen beziehen sich nicht auf das iPhone 8, sondern ein Vorgänger-Modell.

Jérôme Lefèvre / Redaktion handytarife.de