E-Plus steigt bei Handy-TV aus

Der drittgrößte deutsche Mobilfunkanbieter E-Plus will sich nicht an dem geplanten Handy-TV-Konsortium der Netzbetreiber beteiligen. „Wir entscheiden uns nicht gegen Handy-TV, sondern ziehen die Konsequenzen aus unseren bisherigen Erfahrungen“, so E-Plus Chef Michael Krammer. Die politisch-regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die wirtschaftlichen Erwartungen würden ein Engagement derzeit nicht rechtfertigen.  

E-Plus© Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
08.11.2006, 10:45 Uhr

Ursprünglich hatten die vier Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und o2 geplant, für die Umsetzung von Fernsehen auf dem Handy ein Konsortium zu gründen. Einen ersten Test über eine Dauer von 12 Wochen hatten die Unternehmen noch im August erfolgreich absolviert.
Da überrascht der Ausstieg des Düsseldorfer Unternehmens schon etwas. Die vier Netzbetreiber hätten sich bislang über wesentliche Eckpunkte des geplanten Konsortiums nicht einigen können. Ferner seien die lizenz- und regulierungsrechtlichen Bedingungen für den bundesweiten Betrieb von Handy-TV via DVB-H nicht erfüllt, wodurch ein erfolgreicher Vermarktungsstart weiterhin nicht kurzfristig erfolgen könne, hieß es aus der E-Plus Chefetage.
Unternehmensstrategie ohne technische Innovationen
Damit unterstreicht E-Plus seine Strategie des sogenannten „Smart Followers“, die sich Vorstandschef Krammer auf die Fahnen geschrieben hat: Die Entwicklungen technischer Innovationen überlässt man den Konkurrenten („First Mover“) und springt erst auf den Zug auf wenn sicher ist, dass sich mit dem neuen Produkt auch Geld verdienen lässt.
Vorteil: Dies ermöglicht den Kunden preisgünstige Basis-Dienstleistungen wie bspw. die simple Telefonie (derzeit von E-Plus massiv gepusht durch die Handy-Flatrate BASE), da keine teuren technischen Forschungen bezahlt werden müssen.
Nachteil: Neue technische Entwicklungen und Innovationen sind zuerst bei den Wettbewerbern zu finden. Während also T-Mobile-Kunden bereits munter per HSDPA (UMTS-Beschleuniger, der Downloads bis zu 1,8 MBit/s ermöglicht) surfen, können E-Plus Kunden derzeit nur davon träumen.
„E-Plus ist überzeugt, dass der Dienst Handy-TV durchaus Zukunft hat. Wir konzentrieren uns jedoch zuerst auf die Vermarktung von Produkten und Services, für die eine Kundennachfrage vorhanden ist und bei denen die wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen klar sind. Quersubventionierungen von unsicheren Zukunftstechnologien halten wir für wenig sinnvoll“, so Michael Krammer.
Welche Strategie die richtige war wird erst die Zukunft zeigen. Bislang jedenfalls ist E-Plus mit 363.000 Netto-Neukunden im dritten Quartal 2006 erneut deutlich stärker gewachsen als der Marktdurchschnitt.