Handy-Konflikt in Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien werden Kamera-Handys von den sogenannten Sittenwächtern für ein Teufelszeug gehalten. Die Bevölkerung hingegen ist begeistert. Wegen des öffentlichen Drucks hat die Regierung ein Verbot der umstrittenen Handys kürzlich wieder aufgehoben. Nun verschärfen sich die Fronten zwischen Religionsgelehrten und Technikjüngern. Auslöser: Es war bekannt geworden, dass viele Männer Kamera-Handys benutzten, um heimlich Frauen zu fotografieren.

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19.01.2005, 20:15 Uhr

Bereits herkömmliche Handys hatten die konservativen Religionsgelehrten mit Argwohn betrachtet, sind diese doch seit langem das beliebteste Mittel der Kontaktanbahnung zwischen jungen Männern und Frauen. In Saudi-Arabien sind Kontakte zwischen beiden Geschlechtern außerhalb der Verwandtschaft tabu, und die staatliche Religionspolizei kontrolliert die Einhaltung dieser Vorschriften und ahndet Verstöße mit Stockhieben.

Als die Gelehrten im Jahre 2002 protestierten, verbot die Regierung Mobiltelefone mit eingebauter Kamera. Doch so leicht war das Problem nicht aus der Welt zu schaffen, nicht einmal im autokratischen Wüsten-Königreich. Im vergangenen Monat musste die Regierung dem massiven öffentlichen Druck nachgeben und die Kamera-Handys wieder zulassen. Herrscher und Religionsgelehrte hatten die Technikbegeisterung des saudischen Volkes unterschätzt. Das Verbot hatten die Saudis ohnehin dadurch umgangen, dass sie die Geräte aus den benachbarten Golfstaaten eingeschmuggelt und auf dem Schwarzmarkt verkauft hatten. Nach Angaben der englischsprachigen saudischen Tageszeitung "Arab News" betrug der Wert der illegal nach Saudi-Arabien eingeführten Handys umgerechnet etwa 220 Millionen Euro.