Handy Schuld? Deutsche können sich nichts mehr merken

Droht durch die Digitalisierung der Gesellschaft eine neue Vergesslichkeit? Dass die permanente Verfügbarkeit des Internets per Smartphone großen Einfluss auf das Erinnerungsvermögen der Bevölkerung hat, zeigen die Ergebnisse einer europaweiten Studie von Kaspersky Lab – mit teils erschreckenden Folgen.

Frau mit Smartphone© kaboompics / Pixabay.com
28.07.2015, 09:00 Uhr

Nur sechs von zehn Deutschen kennen die Telefonnummer ihres Partners auswendig – das war früher sicher auch mal anders.
Der Studie nach können sich nämlich beispielsweise mehr Deutsche an Telefonnummern aus ihrer Kindheit und Jugend erinnern als an die aktuellen Nummern der eigenen Kinder oder des Partners. Menschen merken sich wohl kaum noch Telefonnummern, die sie ihren digitalen Endgeräten anvertraut haben. Kaspersky Lab bezeichnet die Neigung des Menschen, auf einem digitalen Gerät gespeicherte Informationen zu vergessen als „digitale Amnesie“.
Die Folge: eine zunehmende Abhängigkeit von Technologie und Web hinsichtlich dem Erinnerungsvermögen.
Verblöden die Deutschen?
Die Kaspersky-Studie offenbart, dass 54 Prozent der befragten Eltern in Deutschland die Telefonnummer ihrer Kinder zwar im Smartphone abgespeichert, aber nicht mehr in ihrem Gedächtnis haben. Nur jeder Zehnte kennt die Rufnummer der Schule auswendig. Damit liegen deutsche Eltern etwa im Mittelfeld aller befragten Europäer. Die neue Vergesslichkeit macht aber auch vor den Lebenspartnern nicht halt. Deren Telefonnummern können in Deutschland nur sechs von zehn Befragten (61,1 Prozent) aus dem Gedächtnis abrufen. Noch schlechter schneiden die jeweiligen Arbeitgeber ab. An diese Nummern können sich nur 52,7 Prozent ohne Hilfe erinnern.
Dabei sind die befragten Deutschen durchaus in der Lage, sich Telefonnummern langfristig einzuprägen. So kennen 55,3 Prozent (61,0 Prozent) noch die zumeist im Festnetz befindlichen Anschlüsse, unter denen sie im Alter von 10 Jahren (15 Jahren) erreichbar waren.
Offensichtlich besteht also ein Zusammenhang zwischen der Nutzung mobiler Geräte beziehungsweise des Internets sowie der im Gedächtnis abgespeicherten Nummern. Das Phänomen der digitalen Amnesie zieht sich laut Studie durch alle Altersgruppen und kennt keine signifikanten Geschlechterunterschiede.
Handy weg - oh nein!
Weil viele Menschen fast alle wichtigen Daten nur noch auf ihrem Smartphone und anderen vernetzten Geräten ablegen, sind die Folgen eines möglichen Verlusts des Mobiltelefons beträchtlich. So wären laut der Studie 43,5 Prozent der Befragten in Deutschland in diesem Fall traurig, weil auch viele Bilder oder Videos und damit Erinnerungen unwiederbringlich verloren wären.
Jeder Sechste (17,7 Prozent) würde sogar in Panik verfallen, weil er alles verloren hätte.