International Roaming: Datentarife werden günstiger

Viele Mobilfunkanbieter senken derzeit ihre Daten-Tarife im Ausland. Sowohl beim SMS-Versand als auch bei der Nutzung des mobilen Internets wurden die Preise in den letzten Wochen billiger. Ganz freiwillig erfolgt dies jedoch nicht, die EU-Kommission droht den Unternehmen mit Regulierung.

Smartphone im Café© Drobot Dean / Fotolia.com
30.06.2008, 18:46 Uhr

Fast täglich gab es in den letzten Wochen Meldungen der Mobilfunkbetreiber über Preissenkungen bei den Datentarifen im Ausland (handytarife.de berichtete). Aktuell senkt Congstar die Preise für den SMS-Versand im Ausland von 49 auf 39 Cent. Beim mobilen Internet kann man fast von einem Preissturz sprechen: Hier berechnet Congstar statt 49 Cent pro 50 KB nun 19 Cent für 100 KB Datenvolumen – eine Preissenkung von rund 80 Prozent. Auch Vodafone bietet mit seinem Auslandstarif ReiseVersprechen nun ähnliche Preise an: Hier zahlt man 10 Cent für 50 KB Datenvolumen.
EU-Kommission macht Druck bei den Preisen
Der Grund für diese zum Teil drastischen Preissenkungen dürften vor allem die Drohgebärden der EU-Kommission sein. Nachdem im letzten Jahr für die Gebühren bei Handy-Telefonaten innerhalb der Europäischen Union verbindliche Höchstgrenzen beschlossen wurden, hat EU-Kommissarin Viviane Reding nun die Datentarife im Visier. Dabei setzt sie zunächst auf freiwillige Absenkung der Gebühren durch die Anbieter, die Frist dafür endet am 1. Juli. Sollten die Unternehmen bis dahin die Preise nicht auf ein marktgerechtes Niveau gesenkt haben, will Reding auch bei der mobilen Datennutzung einen Eurotarif einführen, wie sie in einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung bekräftigte: „Ich werde Mitte Juli mit der Analyse fertig sein und dann öffentlich erklären, welche Schlüsse ich daraus ziehe. Dann müssen wir gegebenenfalls eine EU-Verordnung ausarbeiten.“
Widerstand der Mobilfunkanbieter
Naturgemäß zeigen die Mobilfunkanbieter nur wenig Verständnis für die Bestrebungen der EU-Kommission und verweisen auf die weiterhin hohen Investitionen für den Netzausbau. Vor allem gegen die geplante Preisgrenze von 41 Cent pro SMS gibt es Widerstand. „Sowohl bei SMS als auch bei MMS bleiben die Preise bestehen“, zeigte sich ein Vodafone-Sprecher gegenüber dem Nachrichtenmagazin Focus hart. o2 lehnt weitere Preissenkungen ebenfalls ab, da das Unternehmen schon im Januar und Februar die Tarife gesenkt habe. Außerdem gefährde die Einmischung der EU die weitere Entwicklung der boomenden Telekommunikationsbranche, hieß es von o2.
Fazit: Spielraum für Preissenkungen
Die aktuell umgesetzten, teils drastischen Reduzierungen der Auslands-Datentarifen zeigen, dass die Anbieter durchaus noch Spielraum für Preissenkungen haben. Ob die Unternehmen aber freiwillig an der Preisschraube drehen, darf zumindest bezweifelt werden. handytarife.de wird die Entwicklung natürlich an dieser Stelle weiter verfolgen.
Weiterführende Informationen:
Mit dem Handy im Ausland: International Roaming