Kostenfalle: Rückgabe von SIM-Karten

Eine Umfrage der Verbraucherzentrale NRW bei 25 Providern und Netzbetreibern zeigt: Wer nach dem Ende seines Handyvertrags die SIM-Karte nicht retour schickt, muss bei sieben Anbietern zahlen: bis zu 29,65 Euro. Die Begründungen für die Klauseln im Kleingedruckten erscheinen skurril.

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12.11.2010, 17:00 Uhr

Ohne SIM-Karte geht beim Handy fast nichts. Die Benutzerausweise im Mini-Format sind unverzichtbar beim mobilen Telefonieren und Surfen. Doch unverhoffter Ärger droht, wenn bei SIM-Karten der Vertrag endet. Das zeigt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW bei 25 Handy Netzbetreibern und Providern.
Das überraschende Ergebnis: Während es zehn Unternehmen ihren Kunden überlassen, was sie mit den ausrangierten Mikrochips anstellen, fordern acht in ihren Geschäftsbedingungen, mehr oder weniger nachdrücklich, die Rückgabe. Weitere sieben Unternehmen bekräftigen diese Aufforderung noch mit einem deftigen Kartenpfand. Das bedeutet: Wer seine SIM-Karte nicht zurückgibt, zahlt bei Talkline 9,97 Euro, der berappt bei sechs Partner- und Tochterunternehmen der Drillisch AG sogar 29,65 Euro.
Pfand-Posten in der Rechnung beachten
Raffiniert dabei: Die Beträge werden meist mit einer der beiden letzten Rechnungen eingezogen. Nur wer den Pfand-Posten entdeckt und die SIM-Karte retour schickt, bekommt das Geld erstattet. Mal bleibt den Kunden dafür eine Frist von 14 Tagen (Talkline), mal verfällt das Pfand nach drei Wochen (Drillisch-Gruppe).
Peter Eggers von der Drillisch AG begründet die Praxis mit dem Datenschutz: "Da sich auf der SIM-Karte kundenunabhängige Daten Dritter befinden, ist ein Rückforderung sinnvoll." Es sei auch im Interesse der Kunden, die Karten "fachgerecht unbrauchbar" zu machen. Eigenhändig mit einer Schere die Daten zu zerstören, trauen die Drillisch-Firmen ihren Kunden offenbar nicht zu, im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten.
Zusätzliche Einnahmequelle bei Handytarif-Anbietern?
Zur Verwunderung führt das bei zahlreichen Diskutanten in Internetforen. Sie vermuten, dass Talkline und die Drillisch-Gruppe schlicht eine zusätzliche Einnahmequelle erschlossen haben. Quasi ein Ersatz für die von verschiedenen Gerichten gekippte "Deaktivierungsgebühr" für SIM-Karten. Für diese These spricht auch ein Kuriosum: Wer eine Basic-Karte beim Drillisch-Ableger Simply geordert hat, entgeht dem Kartenpfand, wer sich für Easy entschieden hat, zahlt erst einmal 29,65 Euro.
Wirrwarr der Begründungen
Wiederum eine andere Begründung des Pfands führt Talkline ins Feld. Das gehe auf eine Verpflichtung zurück, "das Eigentum an den SIM-Karten für den jeweiligen Netzbetreiber zu bewahren". Den Netzbetreibern o2 und Vodafone ist diese Verpflichtung allerdings "nicht bekannt". Folglich werden deren eigene Kunden nicht mit Rückforderungen behelligt.
Damit nicht genug. Die Provider Base, Blau und Medion (Aldi-Talk) bemühen gar ihre "Verantwortung gegenüber der Umwelt" sowie die ökologischen Aspekte ihrer Produkte, um eine Rückgabe zu begründen. Der "Elektroschrott" werde von ihnen umweltgerecht entsorgt. Wer seine Karte dennoch selbst bei der Sammelstelle abgibt, soll allerdings - trotz der teils rigiden Klauseln - nicht bestraft werden, versichern Pressesprecher aller drei Unternehmen.
Mittlerweile scheinen einige Firmen selbst nicht mehr zu wissen, warum sie was tun. Das belegt ein Blick in den Freenet-Verbund: Dort erhebt Talkline ein SIM-Kartenpfand, Klarmobil fordert von Vertragskunden - ohne Strafandrohung - die Rückgabe und Debitel-Mobilcom wiederum verzichtet aufs Retour-Schicken.
(Quelle: Verbraucherzentrale NRW)