"Merkel-Phone": Zulassung für Hochsicherheits-Handy

Das Security-Smartphone SiMKo 3 der Telekom hat die Prüfung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bestanden. So erhält die neue Generation des "Merkelphone" genannten Hochsicherheitshandys die Zulassung für die Geheimhaltungsstufe VS-NfD (Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch).

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10.09.2013, 10:13 Uhr

Mitgliedern der Bundesregierung sowie Mitarbeitern von Ministerien und Bundesbehörden steht für besonders vertrauliche Nachrichten damit künftig erstmals ein Mobilgerät zur Verfügung, das den neu entwickelten L4-Hochsicherheits-Mikrokern als Betriebssystem in sich trägt. Der Kern hat nur wenige 10.000 Zeilen Programmcode, handelsübliche Smartphones haben dagegen Millionen Zeilen. Mikrokern und Sicherheitstechnik kommen aus Deutschland.
Möglich wurde die Implementierung des Kerns nur durch die besonders enge Zusammenarbeit mit Samsung. "Durch die tiefgreifende Kooperation des SiMKo 3-Projektteams und unserer Entwicklungsabteilung haben wir es gemeinsam geschafft, ein Hochsicherheits-Smartphone auf Basis des Samsung Galaxy S III auf den Markt zu bringen. Damit haben jetzt auch Kunden mit hohen Sicherheitsansprüchen die Möglichkeit, eines der erfolgreichsten Smartphones in Deutschland als mobiles Arbeitsgerät zu nutzen", erklärt Dongmin Kim, Präsident Samsung Electronics Germany.
L4-Kern ermöglicht zwei Geräte in einem Gehäuse - strikt getrennt
Die ausgeklügelte Sicherheitstechnik des neuen SiMKo arbeitet bereits beim Einschalten und Hochfahren des Smartphones. Der L4-Kern übernimmt sofort die Kontrolle über das Gerät und erlaubt nur noch, was sicher ist. Ein weiteres Novum der neuen SiMKos ist: Sie vereinigen ein sicheres und ein offenes Gerät in einem Gehäuse. Mit einem Wischen über den Bildschirm wechselt der Nutzer zwischen den Betriebsarten "secure" und "open" - etwa, um von einer vertraulichen Nachricht zu einer Zug- oder Fluginformation zu wechseln. Dabei sorgt der L4-Kern dafür, dass der offene Smartphone-Teil nicht zum Sicherheitsrisiko wird. Er ermöglicht es, auf dem SiMKo 3 zwei separate Betriebssysteme laufen zu lassen, die sich wie zwei völlig autarke Geräte verhalten. Die Daten der offenen und der sicheren Seite sind aufgrund der hohen Isolationswirkung des Mikrokerns strikt getrennt. Anwendungen kann der Nutzer sowohl für den offenen als auch den sicheren Bereich installieren. Dabei können die Programme entweder aus einem besonders geschützten App-Store der Telekom oder von kundeneigenen Servern heruntergeladen werden.
Verschlüsselte Telefonate, Löschen aus der Ferne
SiMKo 3 ist nicht nur für Datenanwendungen wie Mail, Kalender, Kontakte und Aufgaben da. Schon heute lässt es sich auch als abhörsicheres Krypto-Telefon verwenden, das künftig verschlüsselte Telefonate auf Basis von Voice over IP mit hochsicheren Verschlüsselungsverfahren bieten soll. Zusätzlich wird der Behörden-Standard SNS (Sichere Netzübergreifende Sprachverschlüsselung) in den nächsten Monaten entwickelt. Geht ein Gerät verloren, kann niemand nachschauen, was darauf gespeichert ist. Die certgate-Kryptokarte sorgt für die Benutzer-Authentisierung und verschlüsselt alle Daten auf dem Gerät. Zudem lässt sich der Inhalt des Geräts aus der Ferne löschen.
Sicher - und teuer
Die neuen SiMKos sind ab sofort verfügbar, und werden bei einer Vertragszeit von zwei Jahren ab 1700 Euro kosten. Ebenfalls in Kürze kommt eine SiMKo 3-Version auf den Markt, die den schnellen LTE-Funkstandard unterstützt.
Mit den SiMKo-Geräten adressiert die Telekom neben der öffentlichen Hand auch die Wirtschaft. Fast 90 Prozent aller Unternehmen statten ihre Mitarbeiter mit mobilen Endgeräten aus, damit sie ortsunabhängig auf Unternehmensdaten zugreifen können. Viele Unternehmen sichern den mobilen Datenzugriff jedoch nicht ausreichend genug ab.