Mit Whatsapp telefonieren können, aber nicht dürfen?

Wir haben ein erstes Telefonat geführt. Dabei lag unser Augenmerk zunächst auf der Sprachqualität und dem Datenverbrauch. Außerdem beleuchten wir die Frage, ob diese neue Funktion mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Mobilfunkbetreiber vereinbar ist. Der Praxistest von handytarife.de ganz ohne Aprilscherz – garantiert!

WhatsApp© Rido / Fotolia.com
01.04.2015, 14:08 Uhr

Seit kurzem könnten sich Besitzer eines Android-Smartphones und der neusten Version von Whatsapp daran erfreuen, dass sie über die beliebte Messaging-App nun nicht mehr nur Sprachnachrichten verschicken, sondern dem Gesprächspartner endlich ins Wort fallen können.

Sprachnachrichten bleiben zunächst das Mittel der Wahl, um in Gruppen-Chats unnötige Unterbrechungen einzubauen, weil es den Teilnehmern einer Unterhaltung nicht immer möglich ist die Audio-Nachrichten abzuhören. Aber vielleicht liefern die Entwickler von Whatsapp eine Konferenz-Funktion genauso nach, wie die zum Telefonieren für iPhone- und WindowsPhone-Nutzer.

Sprechen statt Tippen

Die Generation Y und ihr Nachfolger mit dem Kennbuchstaben Z haben sich über die Jahre abgewöhnt zu telefonieren und tippten sich von Instant Messages am PC per ICQ über die SMS zu Whatsapp. Jetzt erfindet das Tochterunternehmen von Facebook das Rad neu, und will die Menschheit tatsächlich wieder miteinander sprechen lassen! Doch machen da die Telekommunikationsanbieter mit? Whatsapp nutzt die Internetverbindung des Smartphones, um einen Anruf aufzubauen. Befinden sich beide Teilnehmer des Gesprächs im WLAN, dann kann dagegen nichts einzuwenden sein.

Die Sprachqualität ist nicht gut, aber für einen kurzen Informationsaustausch ist sie ausreichend. Gespräche über Server, die in den USA stehen, führen? Das muss jeder selber wissen! Diese Form des Telefonierens verbraucht circa 30 MB pro Stunde, also sollten Nutzer ihr Datenvolumen im Auge behalten, wenn sie in ihre mobile Internetverbindung ihres Providers eingebucht sind. Doch schauen wir an dieser Stelle mal in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von drei der vier großen Netzbetreiber:

Vodafone

„Sie dürfen Ihre MB nicht mit einem Computer, einem ans Handy angeschlossenen oder drahtlos verbundenen Computer nutzen und auch nicht für Voice over IP, Instant Messaging und Peer to Peer.“

Bei den Red-Tarifen ab 44,99 Euro im Monat gilt:

„[…] mit der jew. größtmögl. Bandbreite (bis zu 100 Mbit/s im Vodafone LTE Netz) auch mit einem ans Handy angeschlossenen oder drahtlos verbundenen Computer (Tethering) und zum Telefonieren übers Internet (Voice over IP) nutzen.“

Base

„Die in den Tarifen „BASE pur“, „BASE smart“, „BASE all-in light“, „BASE all-in“ und „BASE all-in plus“ enthaltene Internet Option mit Daten-Automatik gilt für paketvermittelte Daten im E-Plus UMTS- und GPRS-Netz, außer Roaming- und Auslandsverbindungen. Das enthaltene Inklusivvolumen erlaubt nur das Surfen mit einem UMTS- bzw. GPRS-fähigen Mobiltelefon ohne angeschlossenen Computer. Nicht für WLAN nutzbar. Die Nutzung von Voice over IP ist ausgeschlossen.“

O2

„Datenvolumen gilt nur für paketvermittelte nationale Datenverbindungen, nicht für Sprachtelefonie- (Voice over IP), Videotelefonie- (Video over IP) und Peer-to-Peer-Dienste.“

Beim Blue All-In L für 35,99 Euro im Monat gilt:

„Datenvolumen gilt nur für paketvermittelte nationale Datenverbindungen inklusive Voice over IP und Video over IP, nicht für Peer-to-Peer-Dienste.“

Bei der Deutschen Telekom ist ein solcher Passus in den AGB nicht zu finden, der Voice over IP – das ist der technische Begriff für die Telefonie-Funktion von Whatsapp – verbietet. Ist die Telekom hier etwa fortschrittlich? Klares Ja! Sind die anderen Rückständig? Jain!

Fazit: Dafür werden wir mal ein bisschen juristisch!

Streng genommen könnte es sogar ein Kündigungsgrund sein, wenn man mit seinem Vodafone CallYa Tarif zum Beispiel den Facebook-Messenger benutzt, denn das ist Instant Messaging und dafür darf das Inklusivvolumen nicht genutzt werden. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Telefonie-Funktion von Whatsapp oder auch dem etablierten VoIP-Dienst Skype von Microsoft. Diese dürfen bei Base gar nicht und bei O2 und Vodafone bis auf wenige Ausnahmen nicht über die Internetverbindung des Providers genutzt werden. Sind für die Nutzung schon Kündigungen ausgesprochen worden?

Wo kein Kläger da kein Richter! Und solange die Sprachqualität von Whatsapp nicht mit einer herkömmlichen Verbindung mithalten kann, und nicht alle Plattformen – also auch iPhone und WindowsPhone – unterstützt werden, müssen sich die Telekommunikationsunternehmen eh noch keine Sorgen machen.

Jérôme Lefèvre / Redaktion handytarife.de