Polizei in Bayern bekommt ihr eigenes Whatsapp

Vodafone hat den Polizei-Messenger entwickelt, mit dem Polizisten in Gruppen-Chats kommunizieren können. Bleibt zu hoffen, dass die Regeln der Funkdisziplin auch auf dem Smartphone Anwendung finden, damit „lustige“ Bildchen und Kettenbriefe die Konzentration im Einsatz nicht leiden lassen. Wozu braucht es so einen Messenger überhaupt?

WhatsApp© Rido / Fotolia.com
12.06.2017, 09:00 Uhr

1996 beschloss die Innenministerkonferenz den Aufbau des Digitalfunknetzes BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben). Das System für die rund 4500 Basisstationen lieferte EADS, die 2006, nach dem Zukauf Nokia-Sparte "Professional Mobile Radio", zusammen mit Siemens den Zuschlag für den Auftrag bekamen, und sich so gegen Vodafone und T-Systems durchsetzten. Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) betreibt des Netz.

2002 dachte man noch nicht an das Verschicken von  Fotos

Als eine Expertengruppe aus Bund und Ländern, die Gruppe „Anforderungen an das Netz“ ihren Bericht über die erforderlichen Leistungsmerkmale des Digitalfunks im Jahr 2002 vorstellte, führten die Mobilfunkanbieter nach und nach die MMS-Funktion per GPRS ein. Wirklich durchsetzen tat sich diese Technologie nie. So erdachte die GAN in ihrem Abschlussbericht ein Funknetz nur zur Übermittlung von Sprachnachrichten. Erst ab 2009 mit dem Start von Whatsapp wurde das Versenden von Fotos und Videos massentauglich. 

Wenn die Einsatzkräfte in einem Funkloch sind – die gibt es auch im Digitalfunk – dann greifen sie häufig zum Handy. Damit sind Streifenwagen der Polizei in der Regel ausgerüstet. Zum einen handelt es sich dabei aber nicht um Smartphones sondern klassische Mobiltelefone, zum anderen ist es aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich, Fotos und Videos von Tatverdächtigen, Vermissten, Tatorten und Einsätzen zu verschicken. Hier möchte nun Vodafone mit dem Polizei-Messenger Abhilfe schaffen, der über das Mobilfunknetz kommuniziert.

Damit soll einerseits der Nachteil des Digitalfunks beseitigt werden, dass Bilddateien nicht verschickt werden können, und andererseits eine sichere Kommunikation gewährleistet werden. Die Pilot-Phase, in der mehrere hundert iPhones mit der App im Einsatz waren, ist beendet, und nun werden bis Ende 2017 die bayrischen Polizeiverbände mit 2800 Smartphones ausgestattet, sodass schließlich im Jahr 2018 alle Streifenwagen der Polizei-Einsatzkräfte in Bayern mit dem Polizei-Messenger ausgerüstet sein werden. Dann kommunizieren die Polizisten verschlüsselt über das Mobilfunknetz von Vodafone in Gruppen-Chats.