Tarifvielfalt überfordert Verbraucher

Mit immer neuen Tarifen und Angeboten werben Telekommunikations-Unternehmen um die Gunst der Kunden. Ihr Ziel erreichen sie dennoch nicht: Der Tarifdschungel überfordert viele Kunden und hemmt die Wechselbereitschaft. Zwei Drittel aller Deutschen haben den Überblick über Internet- und Handytarife verloren.

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21.08.2008, 17:48 Uhr

Die fehlende Transparenz bei den Tarifangeboten verunsichert die Kunden. Das ist das eindeutige Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) unter mehr als 1000 Verbrauchern. Vier von fünf Befragten gaben an, sich nicht für neue Tarifangebote zu interessieren. 60 Prozent wollen an ihren bestehenden Verträgen nichts ändern, genau so viele halten ihren Anbietern seit mindestens drei Jahren die Treue.
Geringe Wechselbereitschaft
"Die Vielzahl der Tarife und Sonderaktionen sorgt nicht zwangsläufig für mehr Wechselbereitschaft beim Kunden. Viele Kunden bleiben lieber ihrem Anbieter treu, als sich mit dem Tarifwirrwarr auseinanderzusetzen", so die Einschätzung von Dr. Arno Wilfert, Telekommunikationsexperte bei PwC. Es gibt jedoch noch weitere Gründe für die geringe Wechselbereitschaft. So sind 59 Prozent der Mobilfunk- und 62 Prozent der Internetkunden der Meinung, schon jetzt den günstigsten Tarif zu nutzen. Die immer häufigere Vermarktung von Komplettpaketen, die Festnetztelefon, Internet und Mobilfunk beinhalten, erschwert den Wechsel zusätzlich. Schließlich dürfte viele Befragte auch eine gewisse Frustration über das Ergebnis bisheriger Vertragsänderungen von weiteren Anbieterwechseln abhalten. Denn in der Vergangenheit stellte jeder Dritte nach dem Vertragswechsel fest, dass das vermeintliche Schnäppchen im Vergleich zu Konkurrenzangeboten zu teuer war.
Preis-Leistungs-Verhältnis nicht Hauptkriterium für die Anbieterwahl
Bei der Wahl des Vertragsanbieters spielt vor allem die Netzqualität eine große Rolle. Mit 77 und 78 Prozent wird diese als häufigster Grund für die Wahl des Festnetz- beziehungsweise Mobilfunkanbieters genannt. Weitere Entscheidungskriterien sind das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Service- und Beratungsleistung des Anbieters. Doch der Preis ist nicht immer entscheidend: Gut die Hälfte der Befragten gab an, aus Tradition bei ihrem Festnetzanbieter zu bleiben. Der Faktor "Treue" landet auch bei der Wahl des Mobilfunkanbieters mit 44 Prozent unter den Top 5 der Entscheidungskriterien.
Mobiles Internet wird privat kaum genutzt
Im Rahmen der Studie wurden die Verbraucher auch zum Thema mobiles Internet befragt. Für die überwiegende Mehrheit ist dies jedoch bisher kein Thema, 90 Prozent gaben an, mit dem privaten Handy nicht im Internet zu surfen. Neben der Angst vor hohen Kosten sind fast zwei Drittel der Meinung, dass sie so etwas schlicht nicht brauchen. "Bei der mobilen Internetnutzung - die bei Geschäftskunden heute schon weit verbreitet ist - gibt es im Privatkundenbereich noch deutliche Zurückhaltung. Vielen ist einfach der Nutzen nicht klar. Wollen die Anbieter ihre Umsätze mit mobilem Internet für Privatkunden weiter ausbauen, müssen sie durch geeignete Werbemaßnahmen den Nutzen des mobilen Internets klarer kommunizieren und die Hemmschwelle bei den Kunden mit einfachen und attraktiven Tarifen herabsetzen" meint Experte Wilfert.
Quelle: PwC