Viele Statistiken: Wenig Aufklärung der Zusammenhänge

Viele Statistiken die uns täglich erreichen, stehen für sich und stellen leider keine Zusammenhänge her. Deutsche verschwenden wenig Zeit beim Surfen am Smartphone und Tablet! Deutsches Mobilfunknetz ist Weltspitze! Deutsches LTE-Netz nur im Mittelfeld! Datenvolumen in Deutschland teuer! Gibt es eine Verbindung?

Frau mit Handy© oneinchpunch / Fotolia.com
19.06.2017, 09:30 Uhr

Surfen weltweit

Fleiß ist des Deutschen größte Tugend – sodass der Dienstleister für Statistiken "Statista" in seiner Meldung über den Digital Economy Compass vermelden konnte, dass die Deutschen vergleichsweise wenig Zeit mit dem Surfen mit Handy und Tablet „verschwenden“. Die Management-Etagen atmen auf – die Wirtschaft bleibt produktiv! Zum Glück werden Bahnverbindung weniger häufig gecheckt, Freunden bei WhatsApp seltener geantwortet und der Newsfeed bei Facebook nur sporadisch aktualisiert: hierzulande eine Stunde und 37 Minuten pro Tag, 17 Minuten mehr als 2012. Aber die Amerikaner verschwenden täglich eine Stunde mehr am Handy und die Brasilianer „daddeln“ gar ganze 4 Stunden und 48 Minuten mit ihren mobilen Geräten im Internet. Doch war das jetzt alles verschwendete Zeit? Wer beurteilt das eigentlich?

Wer die Abfahrtszeit der Bahn checkt, dann um zu schauen, ob der Zug pünktlich kommt, damit nicht unnötig viel Zeit am Bahnhof verbracht wird. Und selbst wenn dort gewartet werden muss, dann können dank mobilem Internet dort noch E-Mails beantworten oder ein paar Zeitungs-Artikel gelesen werden. Bei Whatsapp können in der Gruppe mit Kollegen die Arbeitsabläufe im Blick behalten, und genauso mit der Familie chatten werden, um die gemeinsame Freizeit zu gestalten – was eine Zeitverschwendung! Doch warum sind die Deutschen so wenig online?

Das deutsche Mobilfunknetz

Laut State of the Internet Report von Akamai gehört Deutschland mit einer durchschnittliche Verbindungsgeschwindigkeit von 24,1 Mbit/s zur Weltspitze. Nur Großbritannien ist etwas schneller unterwegs. Und das Technologieland Japan kommt nur 15,6 Mbit/s. Von wegen Digitalisierungsverweigerer! Wir sind ganz vorne mit dabei mit unserem tollen Mobilfunknetz. Doch was ist das eigentlich, das Netz? 2G, UMTS, LTE, 5G – sind wir für die Zukunft auch gut aufgestellt?

UMTS erweist uns einen Bärendienst

Der aktuelle "State of LTE Report" von Open Signal beinhaltet eine Auswertung der LTE-Netze verschiedener Länder. Hierin schlägt sich Deutschland nur mittelprächtig: Die Geschwindigkeit liegt bei 20,5 Mbit/s und die Verfügbarkeit bei 58,8 %. Deutlich besser steht Singapur da, die das Ranking mit 45,6 Mbit/s anführen. Die langsamsten Verbindungen haben mit nur 5,14 Mbit/s Indien und Costa Rica. Die Südkoreaner bieten eine landesweite Verfügbarkeit von 96,4 Prozent. Wer nun eins und eins zusammenzählt, gelangt zu dem Ergebnis, dass wir zu dem Netze-übergreifenden guten Ergebnis von Akamei nur kommen, weil das alte UMTS-Netz mit einer maximalen Geschwindigkeit von 42,2 Mbit/s so gut ausgebaut ist. Das deutlich schnellere LTE-Netz mit seiner Ausbaustufe 4,5G auf dem Weg zu 5G – also die Zukunftstechnologie – ist bei uns noch nicht auf dem Vormarsch.

Hohe Kosten, wenig Volumen

Die Roaming-Gebühren in der Europäischen Union sind abgeschafft, mobiles Internet weiträumig in Deutschland verfügbar, aber die Deutschen surfen nicht. Warum denn nicht? Weil in der EU weiter sehr große Unterschiede beim Datenvolumen herrschen. Deutschland hinkt bei der Datenobergrenze im LTE-Netz hinterher. Laut einer Erhebung des Branchendienstes Digital Fuel Monitor im September 2016 bekommt man in Deutschland im Vergleich zu Estland nur ein Zehntel des Datenvolumens. In mehreren Ostseeanrainerstaaten und Irland für gibt es für bis zu 30 Euro gar unbegrenzte Internet-Flatrates. In Großbritannien sind es gegenüber den 6 Gigabyte in Deutschland 30 Gigabyte, die man für umgerechnet 30 Euro bekommt. Die anderen surfen schneller und billiger. Das ist das übergreifende Ergebnis zu dem man kommen kann. Dass man dann auch mehr Zeit im mobilen Internet verbringt, ist vielleicht eine Folge dessen, aber sicherlich nicht zwangsläufig verschwendete Zeit.