Der Kunde, der mal König war …

Mal ehrlich: Ist es zu viel verlangt, wenn ich erwarte, dass mein Smartphone einfach nur funktioniert oder bin ich da zu verwöhnt? Ich tippe auf letzteres, denn anders kann ich mir nicht erklären, wieso ich dieses inzwischen nutzlose Ding noch immer an der Backe habe. Schönen Gruß an meinen Mobilfunkanbieter …

Studententarife© nenetus / Fotolia.com
11.07.2013, 09:04 Uhr

Seit rund einem Jahr nenne ich ein Smartphone mein Eigen. In den ersten Tagen bin ich zufrieden, denn das Handy macht das, was es soll - ich surfe im Internet, kann über Instant Messenger kommunizieren und sogar telefonieren. Doch nach und nach merke ich, dass etwas nicht stimmt.

Alle Makel des einst so herbeigesehnten Mobiltelefons aufzuzählen, würde Sie nicht nur langweilen, sondern mir erneut den Verstand rauben. Kommen wir also direkt zum finalen Schlag: Nach einem Neustart ist und bleibt mein Handy tot, egal, was ich tue - und das zwei Monate nach unserer ersten Begegnung.

Was soll's, geben wir meinem Mobilfunkanbieter, über den ich das Handy gekauft hatte, die Chance, den Fehler auszubügeln. Das Handy ist auch recht schnell wieder zurück. Ein Update soll durchgeführt worden sein: schön; das Handy wurde zurückgesetzt: unschön, da ich keine Gelegenheit hatte, meine Daten zu sichern. Also alles wieder neu einrichten.

Weitere zwei Monate später taucht das Problem erneut auf. Ich rufe beim Kundenservice an und frage, ob man da nicht was machen könnte. Schließlich habe ich es schon einmal zur Reparatur geschickt, musste die Versandkosten tragen und in der Zeit auf ein Smartphone verzichten, sodass ich die Leistungen meines Vertrages gar nicht voll nutzen konnte.

Ersatz? Nein, wieso?

Antwort: "Nein, das müssen Sie noch einmal einschicken. Das ist gesetzlich so geregelt, dass Sie erst nach der zweiten Reparatur Ersatz erhalten." Meine Mundwinkel wandern nach unten. Leider hatte ich das schon erwartet, denn im Wirtschaftsunterricht hatte ich diese Regelung erstaunlicherweise schon einmal aufgeschnappt.

Nach der zweiten "Reparatur" erhalte ich das Handy mit einem drolligen Reparaturbericht zurück: "Der angegebene Fehler konnte nicht nachvollzogen werden." Nett, dass Sie vorsichtshalber trotzdem alle Daten gelöscht haben. Aber: Das Handy funktioniert wieder, mal abgesehen von den üblichen Macken.

Im Internet stoße ich derweil auf den Hinweis, dass die Geschichte mit den zwei Reparaturen veraltet ist. Denn während einst der Hersteller entscheiden konnte, ob er repariert oder ersetzt, hat nun der Käufer die Wahl (nachzulesen in § 439 BGB). Solange es verhältnismäßig ist, kann man also schon beim ersten Auftauchen des Fehlers Ersatz verlangen.

Ich schlucke meine Wut herunter und fange an zu beten, dass mein Handy endlich wieder den Geist aufgibt, damit ich ein neues erhalte. Böse wie es ist, lässt es mich dieses Mal mehr als ein halbes Jahr warten.

Gleich rappelt's im Karton

Mit einem netten Brief und der Bitte um Ersatz jage ich es fort. Nach einigen Tagen kommt ein Anruf des Händlers, dass sie die Umverpackung bräuchten. Verzeihen Sie vielmals, aber ich hebe nicht jeden Karton meiner Elektrogeräte mehr als ein Jahr auf. "Die Verpackung gehörte aber zur Lieferung. Wir brauchen alles, was zur Lieferung gehörte." Wie gut, dass die Gedanken frei sind, denn für selbige hätte es in dem Moment wohl keine Entschuldigung gegeben. Etwas beleidigt sehen sie den Irrsinn ihrer Forderung schließlich ein, verlangen aber das Ladekabel, da dies ja "zur Lieferung gehört". Gut, könnt ihr haben.

Ich warte nun auf das neue Handy - allerdings nur, um es direkt (nicht ganz ohne schlechtes Gewissen) zu verkaufen, denn inzwischen habe ich mir bereits ein Handy eines anderen Herstellers und Händlers bestellt.

Aus dieser Geschichte habe ich zwei Sachen gelernt. Erstens: Man sollte sich nicht alles gefallen lassen und keinen fadenscheinigen Erklärungen Glauben schenken. Zweitens: Billiganbieter sind nicht ohne Grund billig …

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