Die Lüge vom mobilen Internet: Wie ich wieder am Kiosk gelandet bin

Mal ehrlich,…Mobiles Internet funktioniert nur auf dem Sofa, unterwegs muss ich noch Bücher lesen, da bin ich mir sicher. Ich berufe mich dabei auf eigene Erfahrungen. Als Berufspendler versuche seit einem Vierteljahr verzweifelt, auf dem Weg zur Arbeit ein E-Book auf mein Nexus 7 zu laden.

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07.12.2012, 10:52 Uhr

Das Ergebnis ist deprimierend. Für den Weg zur Arbeit schnalle ich mir längst wieder einen Rucksack, gefüllt mit allerlei konventionellen Printartikeln und meinem Pausenbrot auf den Rücken. Dabei verspricht die Werbung längst goldene Zeiten für Technik-Fans, die unterwegs lieber im Internet surfen wollen, anstatt sich zu unterhalten.

Orientieren wir uns an Fakten

Monat für Monat geben eine Menge Menschen Geld für die Nutzung des mobilen Internet aus – um sich in Langeweile-Phasen ablenken zu können. Mobiles Internet ist ein absolutes Luxusgut, keine Frage. Doch wozu wird es effektiv genutzt? Das entscheidet am Ende nie der Nutzer, sondern immer die Netzabdeckung. Diese funktioniert in der Fußgängerzone einer Stadt – im Kaufhaus selbst fast nie. Schade, eigentlich. Also checkt man dort ein, wo man gerade davor steht, fotografiert Facebook-like sein Abendessen und schreibt per Whats-App mit Freunden, die gerade das Gleiche in einer anderen Stadt erledigen – das ist uns monatlich mindestens 10 Euro wert.

Was bringts dem Nutzer?

Die Frage aber bleibt: Was bringen dem Nutzer umfangreiche Streamingdienste, wie sie zum Bespiel das Suchmaschinenunternehmen Google anbietet? Jeder, der schon einmal versucht hat, in einem Zug auch nur ein Lied aus dem Online-Speicher zu streamen – und unverrichteter Dinge eine halbe Stunde später aussteigt – weiß, dass es schier unmöglich ist, auf der vierstündigen ICE-Fahrt nach Berlin einen Film via Google-Play-Store auf das Smartphone oder das Tablet zu streamen. Am Ende einer jeden Reise sind diejenigen am besten dran, die im Vorfeld einen Film auf den Geräte-Speicher synchronisierten. Und wenn der Film dann wider Erwarten doch einmal unterwegs auf das mobile Endgerät übertragen wird, bricht der Download nach einer Stunde ab, weil das HSPA-Limit erreicht wurde. Ihr kennt das.

Auch für die Werbewirtschaft kann sich mobiles Internet nicht lohnen. Da bin ich mir sicher. Als Beispiel dient die 20 minütigen Zugfahrt zwischen Köln und Bonn. Online-Shops oder simple Werbeanzeigen öffnen sich nur äußerst schleppend auf dem HD- -Display einen Nexus 7, welches per Tethering im Internet unterwegs sein möchte. Wirklich viele Transaktionen lassen sich per HSPA oder gar EDGE nicht mobil abwickeln. Amazon wird mir das bestätigen.

Sucht Euch Konstanten im Leben!

Doch woran liegt das? Sind die Netze zu schlecht ausgebaut? Gibt es schlicht zu viele Mobilfunkteilnehmer? E-Mails oder Twitter-Nachrichten lassen sich unterwegs zumindest häufig empfangen – aber was bringt mir das?

Vielleicht nehmen wir uns einfach allesamt zu wichtig. Wieso sollten wir uns unterwegs nur mit uns selbst befassen, wenn es doch so viel zu entdecken gibt. Morgens, wenn die Stehplätze rar sind, wäre eine herkömmliche Tageszeitung in der Regel leichter, als ein Tablet – wiegt einfach mal nach. Und auf dem Nach-Hause-Weg braucht kein Mensch Google-Musik, auf grölende Fußballfans oder einen pöbelnden Jungesellenabschied kann man sich in der Regel verlassen.

Thorsten Troll
Thorsten Troll ist bereits früh auf den Mobilfunk-Zug aufgesprungen und hat seither so manche Handy- oder Smartphone-technische Evolutionsstufe miterlebt. Smartphone-Akkus halten bei ihm selten länger als einen Tag - man kennt das. thorsten.troll@handytarife.de

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